Wissen wollen

Texte zu den Themen Bildung, Schule, Wissenschaft – Lehren und Lernen

Auf den Busch geklopft

Sehen was dahinter steckt.
Ohne klopfen bleibt’s verdeckt.
Aus dem Busch da treib sie raus,
Elefant oder eine Maus.

Wenn’s hinterm Busch gehalten,
Kann nicht die Klarheit walten.
Bring’s vom Schatten an das Licht,
Gedanken, Wörter, Grillen.
Spitzt die Ohren, putzt die Brillen.
Erkennt sodann, was wirklich ist.

Swa 17/07

 

Wo spielt die Musik

Gesetzt werd ich in die Reihe,
Neben all die vielen andern,
Damit ich nützlich hier gedeihe,
Sinnvoll kann durch’s Leben wandern.

Wer entscheidet; was ich werde?
Wer entscheidet; was ich bin?
Was ergibt für mich den Sinn?
Wo ist mein Platz auf dieser Erde?

Reden soll ich,
Schreiben soll ich.
Wird von mir verlangt.
Rechnen soll.
Noten krieg ich,
Was dies anbelangt.

Nun sitz ich in der Reihe.
Nehm den Platz hier täglich ein.
Hoffe, dass ich hier nicht bleibe,
Dass ich komm raus ins Leben rein.

Wer zeigt mir die guten Themen?
Wer macht, dass ich mich beweg?
Wer zwingt mich übern Steg,
der mich bringt ins Leben?

Lernen soll ich,
Können soll ich
Was man wissen soll
Bewertet werd ich
Noten krieg ich,
Wie es andre wolln.

Tanz ich manchmal aus der Reihe,
Wird das gar nicht Wert geschätzt.
Rhythmus darf sich nur im Kanon zeigen,
Eigner Klang, Ordnung nur verletzt.

Wer lässt mich finden meine Weise?
Wer macht, dass ich fröhlich sing?
Dass ich find’ mein eignes Ding.
Und selber meine Welt bereise.

Singen werd ich!
Sagen werd ich;
Was in mir klingt.
Machen werd ich.
Noten find ich,
Wie sie meine sind.

Siegbert Schwab 18/02

Wer weiß es besser

Und die Frage, die sich stellt,
wieso steh‘n die Trinker – mit den Rauchern – nun verbannt,
schmauchend, süffelnd und gesellt
redend, hörend, debattierend ganz am Rand,
auf den Straßen dieser Welt.

Drinnen hocken ganz verdrossen
die das als Makel der Gesellschaft sehn.
Sie wissen, was das Gute ist, was für die andern schlecht.
Sie verzeihen sich, sie bestimmen, was der andern Recht.
Daran finden sie die Freude, tief genossen!

Moralisch ist, und ein Genuss,
sich erheben über andrer Schwäche.
Da kannst du ganz gelassen,
selber an die Nas‘ des Andern fassen.
und sagen, wie er handeln muss.

Swa 17/05

Wissen wie Sauerbier

Guter Rat ist billig,
Wenn du merkst, der Schüler ist nicht willig.
Zeig ihm wie er läuft, der Hase!
Zwing ihn, reiß ihn aus der Lethargie!
Greif ihn bei der Nase,
sonst funktioniert das nie!

Lernen ist doch keine Sause,
wo man kommt und geht nach Hause!
Pünktlich hin zur ersten Stunde,
aufmerksam den Stoff durchmessen.
Das in großer, lauter Runde!
So wird der der Unterricht zum großen Fressen.

Und keiner wird zurückgelassen,
Futter gibt’s in großen Massen.
Am Buffet des Wissens, reich gedeckt.
alle sollen sich voll bedienen
mit Stoff, der süß und wonnig schmeckt.
Fleißig sammelnd wie die Honigbienen.

Nach der letzten Stunde,
alle platt wie eine Flunder.
Vollgestopft mit unverdautem Wissen.
Untersättigt, weil das Mahl nicht schmeckt.
Es waren oft zu saure Bissen,
die von den Köchen kellnernd vorgelegt.

Die Lehrkraft an der Schule zweifelt.
Notgedrungen sie das Wissen nur noch träufelt.
Reicht feine, kleine Häppchen,
mundgerecht verabreicht, nett verpackt,
dass jeder mit noch so kleinem Mäppchen
die Nüsse doch erfolgreich knackt.

Der freie Wille wird zum Wissenszwang.
Das legt sich schon der innere Drang.
Sitzend an den Tischen aufgereiht
dösen, quatschen, träumen, meditieren
darüber, was vom Wissen bleibt,
das soll unterscheiden von den Tieren.

Die Hoffnung stirbt zum Schluss,
dass jeder doch was lernen muss!
Wissen wird gewetzt zum scharfen Messer.
Das Was und Wo und Wie, zu welchem Zweck,
bestimmen wir und wissen alle andren besser!
Doch dem Schüler bleibt’s verdeckt.

Die Erleuchtung kommt oft leidlich spät.
Nicht sichtbar, holprig ist der Weg.
Rucksack wissensvoll soll öffnen alle Türen.
Das Ziel bleibt dennoch auf der Strecke.
Die Wegbegleiter wurden so zu bloßen Führern,
die leiten, ohne dass man selber was entdecke.

Die Schule soll es schaffen,
dass alle etwas raffen,
dass jeder bleibt in seiner Spur.
Solches wollen ALLE drumherum
Wer’s nicht schafft, den straft die Zensur,
Bleibt abgehängt – ach wie dumm!

Swa 17/05

 

Ein Ort der Wissen schafft

Ein Ort der Wissen schafft,
das soll die Schule sein.
Dafür braucht es alle Kraft.
Erkenntnis kommt nicht von allein.
Ein jeder muss durch ihr Getriebe.
Irgendwie da kommt er durch.
Einer macht`s aus Liebe,
den andern treibt die Furcht.

In der Schule zu versagen,
davor du doch bangst.
Kannst nach Haus dich kaum wagen,
auch Eltern drückt die Angst.
Abstiegssorgen durch Bildung zu kurieren,
das ist die Hoffnung die so treibt.
Bildung soll das reparieren,
was Gesellschaft hat vergeigt.

Ein Ort, der Menschen bildet,
das möcht` die Schule sein.
Doch was alle bindet,
ist der Kampf ums Besser-Sein.
Bildungskarrieren aufgebaut,
mit Noten recht zensuriert,
das wird der Schule zugetraut,
dass sie Menschlein schön sortiert.

Für alle gleiche Chancen schaffen.
Davon sind wir weit entfernt,
Dass es nicht alle raffen,
das sind wir gewöhnt.
Bildung braucht Ressourcen,
Unterstützung, die weiterbringt;
Lehrer, Helfer Weggenossen,
die sorgen, dass Lernen auch gelingt.

Schule wird`s denn nicht alleine richten.
Halbtag ist nicht die ganze Welt.
Danach sind auch noch Pflichten.
die hast du selbst gewählt.
Wer da aufhört, was zu geben,
hängt stets nur hinten dran.
Schule ist nicht mal das halbe Leben;
danach fängt`s erst richtig an.

Die Erkenntnis kommt erst spät,
für Schüler; Eltern, Pädagogen ungezählt,
dass nicht alles um die Schule dreht.
Sie ist nicht der Nabel dieser Welt.
Erst wenn wir akzeptieren,
wie jeder anders lernt, erkennt,
dann könnten wir auch respektieren:
Vielfalt eint und nicht trennt.

Swa 17/06