Von der Nudelsuppe

Da schwimmt einer vor dir an Land.
Steigt aus dem Wasser an den Strand.
Fragt man sich dann an welcher Stell’
Er in die wilden Wellen stieg
sah’ man vorher noch nichts von ihm.
Manchmal hofft man ja auf ein Wunder.
Manchmal glaubt man, es geht noch bunter.
Noch ist Hoffnung nicht gestorben.
Ich glaub‘ ja noch an Morgen.

Kommt der Fremde angelandet
Am Ort, wo du jeden kanntest
Strahlend seine Augen und sein Teint
Fragt man sich, woher das wohl kam.
Sonne hatten wir nicht im Gesicht
Gelächter gab’ hier lange nicht.
Manchmal hofft man ja auf ein Wunder.
Manchmal glaubt man, es geht noch bunter.
Noch ist Hoffnung nicht gestorben.
Ich glaub‘ ja noch an Morgen.

Ein Platz neben dir ist noch frei
Deut’ ihm, dass es der seine sei.
Folge ihm fest mit deinem Blick
Halt ihn fest, wenn er blickt zurück.
Stockend ist noch der erste Schritt
Schneller schon, denn er fasst den Tritt.
Manchmal hofft man ja auf ein Wunder.
Manchmal glaubt man, es geht noch bunter.
Noch ist Hoffnung nicht gestorben.
Ich glaub‘ ja noch an Morgen.

Hat bei dir den Platz genommen
Stolz schaut er; Blick leicht verschwommen
Hörst wie er fest erklärt: “Hallo,
Honey ich bin so richtig froh
Hab’ nicht gesucht, dich gefunden
Alle Zeit, die letzten Stunden.”
Manchmal hofft man ja auf ein Wunder.
Manchmal glaubt man, es geht noch bunter.
Noch ist Hoffnung nicht gestorben.
Ich glaube ja noch an Morgen.

Strahlender Blick, der hohle Satz,
Das war schon der einzige Schatz.
Tiefer konnte er nicht tauchen,
Worten Leben einzuhauchen.
Nun sitzt er stolz der tumbe Held
Neben dir und hat nicht mal Geld.
Manchmal hofft man ja auf ein Wunder.
Manchmal glaubt man, es geht noch bunter.
Noch ist Hoffnung nicht gestorben.
Ich glaub‘ ja noch an Morgen.

Es war wohl doch die Nudelsuppe
Auf der er so schwamm als Puppe.
Der Suppe war das angenehm,
Aufgeblasen kann nicht untergehn.
Ist die Suppe gehaltlos klar,
Ist jeder Inhalt vorzeigbar.
Manchmal hofft man ja auf ein Wunder.
Manchmal glaubt man, es geht noch bunter.
Noch ist Hoffnung nicht gestorben.
Ich glaub‘ ja noch an Morgen.
Swa 2018/04

Ach! (Urlaub)

Salz
Burger und
Salz – ach was
Ist das heute so
Schön!

Wo
Mozart gelebt
vor langer Zeit
Heut hegt man nostalgische
Erinnerung.

Was
Hätten’s denn
Gerne für einen
Kaffee stellt er zur
Wahl.

Verlängerten
Aufenthalt im
Kaffeehaus mit Ruhe
Die Zeitung langsam durchblätternd
Genießen.

Linzer
Schnitten sich
Den brauen Teig
in Streifen für den
Marmeladenkuchen.

Menschen
Genügt nicht
Heim zu kommen
Heimat will auch umhegt
Werden.

Land
Schafft Dinge
Idyllen im Großen
Geteilt mit den Vielen
Gästen.

Kommt
Zu uns
Gerne bekommt ihr
Gastfreundschaft für euer Geld
Zurück.

Swa 2017/04

Verbundenheit

Zu all meiner Liebe will ich aufmerksam sein
Vorher, mit großem Eifer, und immer, und so viel
Sogar im Augenblick des größten Entzückens
Durch Liebe mehr verzaubert als durch Gedanken sein.

Ich will jeden eitlen Moment durchleben
Zu deinem Lob sing ich mein Lied
Lache mein Lachen und weine meine Tränen
Mag Kummer oder Glück bei dir sein.

Wenn er später mich doch dann fände
Der Tod, der Kummer; wer weiß, auch die Lebensangst
Wer die Einsamkeit kennt, der liebt auch das Ende.

Ich kann die Liebe benennen (die ich durchlebt):
Nichts ist unsterblich, wenn‘s auch freurig brennt
Ist dennoch unendlich, während sie besteht.

(nach Vinicius de Moraes, Soneto de Fidelidade)

Der Klempner

Der Klempner klemmt die Dichtung untern Arm…
So wird`s dem Dichter wohlig warm.
Hat noch einer hier erkannt,
Worum es geht in diesem Land.
Dichter, Denker sollten dominieren,
Wo nun Banausen sich gerieren
Deutschem Volk wird Angst gemacht
Multikulti sei ein großer Fehler
Müsst sich beugen fremder Übermacht.
Reinkultur und dumpfes National-Geläute
Raus sollen all die fremden Leute.
Schreien all die Deutschtum-Hehler.

Denken scheint nicht angebracht.
Gerüchte, Eingebilde schür‘n den Zorn.
Was wirklich ist, wird nicht durchdacht.
Alles Fremde spieß‘ aufs Horn!
Der Menschen Liebe, der Verstand
Versinkt im modrig brauen Land.

Hier muss der Klempner her,
Der die Leitung flickt
Auf der diese Leute stehn.
Und der Dichter, muss dann seh’n,
Dass er die Köpfe schön geraderückt.
Denn es soll nicht rückwärts geh’n.

Swa 2017/09

Verwaltungstiger

Verwaltungstiger walten,
Wo Einsicht stellt sich nicht ein:
Listen müssen Ordnung halten,
Wo sollte Sinn verstanden sein.
Die Regeln werden nun gesetzt
Von Beamten, die sorgsam trachten,
Dass Gesetze werden nicht verletzt.
Jeder soll doch Ordnung halten!

Da müssen andre ran,
Meine Hände rühr ich nicht.
Die können‘s besser, Mann!
Bin doch nur ein kleines Licht.

Kreativ sein, steht ganz hinten
Ich versuch stets zu lavieren.
Suche, wo den Platz ich kann finden,
an dem mir wird nichts passieren.
Such mir meine nette Ecke.
Die Welt berühr‘ mich bitte nicht.
Belasse es beim Rumgemeck‘re.
Bin weiter nur ein kleines Licht.

Da müssen andre ran,
Meine Stimme rühr ich nicht.
Die können‘s besser, Mann!
Bin doch nur ein kleines Licht.

Schalte sie nicht an die Birne
Vergeud‘ nicht meine Energie.
Lass‘ es sein mit dem Gehirne
sonst würd‘ ich gar noch ein Genie!
Lasse mich steuern und schön lenken,
Pinn‘ beim Trommelschlag das Ruder
Brauch dabei nicht selber denken:
Der Steuermann, mein großer Bruder.

Wie es weiter geht,
Bedenk ich lieber nicht.
da müssen andre ran.
Ich bin ein kleines Licht.

Einsam stapft der wilde Tiger
Durch den Dschungel der Gesetze.
Das Dickicht war ihm stets lieber,
Als dass er ins Licht sich setze.
Vom Dunkeln kann er besser sehn,
Was draußen im Leben so geschieht.
Wenn die Kühe auf der Weide stehn;
Ist’s besser, dass ihn keine sieht.

Wie geht es weiter?
Bedenk‘ es lieber noch.
Die Kühe grasen heiter.
Der Tiger kriegt sie doch!

(Swa 18/06)

 

Die Würde

Unantastbar so sollte man meinen,
sei des Menschen Würde.
Jeder doch etwas anders versteht
was Menschen im Hier sollte einen!
Jeder hat seine Bestimmung als Bürde
Jeder hat sich seinen Wert zugelegt,
den er gewürdigt sehen möchte
den er würdevoll und stolz vor sich trägt.

Innere Werte, Anseh‘n der Person
Was zählt, achtet man mehr?
Würdiger Auftritt wäre doch gut,
Oder reicht allein der Titel schon?
So scheint‘s insgesamt reichlich unklar und schwer,
was man wirklich möchte, was man tut,
Um Würde zu zeigen, zu achten
Haltung zu beweisen, die wäre gut.

Es ist die Moral, die das Sein bestimmt
Vorrang hat die Person
Kein System darf sich erheben
Über die Menschen, denen es dient.
Doch finden wir immer den richtigen Ton,
Der dem andern in seinem Leben
Eigene Entscheidungen überlässt?
Und kann ihm Freiheit und Zukunft geben?

Siegbert Schwab, der Sprücheklopfer 18/04