Meine Meinung

Achtung!Alle meinen zu meinen , überlegt ist es oft nicht.
Man hat irgendwoher seine Meinung oder bekommt sie bewusstlos ins Hirn gesetzt. Nun ist man wer, weil man die eigene Meinung schätzt.

Man meint wunderbar streiten zu können, erhebt sich über Andersmeinende, lernt den anderen die Meinung zu verbieten und sie über den Löffel zu balbieren. Im Streit der Meinungen ist erlaubt, was den der eigenen Meinung frommt. Man befasst sich nicht mit anderen Meinungen – die wollen das doch selber nicht! Man feindet sich an, wie es kommt.

Jeder hat doch wohl das Recht auf eine eigene Meinung
– wäre ja noch mal schöner, wenn nicht! Oder?

Stimmt mal wieder, wenn auch nur zum Teil. Denn so gemeint, braucht man keine Argumente und Fakten. Stets billig gefüttert durch die Meinungsmacher. Sie formulieren, was man fühlt, glaubt, dass sie richtig liegen und folgt ihrem Stern. Glaubt dass sie alles schön richten, denn selber plagt man sich nicht gern.

Hirn und Verstand werden Nebensache – zum intellektuellen Tand. Es reicht das Kleinhirn und etwas drum rum – unterentwickelt und untrainiert. Hirnarbeit machen die anderen, man denkt was man muss und pariert.

Mit dem Hirn in der Birne, das man nicht selber füttert. Nicht Fakten und die Realität  selbst erfasst und überlegt, kein eigenes Bewusstsein, kein Menschenverstand. Ein glaubens- und meinungsgeführter Zombie handelt skrupellos und ohne Bedacht.

Wohin der Weg der Zombies führt, könnte man leicht erkennen, hat man schon zigmal gesehen. Einen Blick in die Geschichte lohnte, würde man sie nicht verdrehen.

Rennt doch Erdogan, Trump, Orban, Kurz und Strache, Macron, Bolsonaro, den Gaulands und Höckes hinterher, folgt ihrer simplen Polemik, dann seid ihr wieder wer. Fühlt euch meinungsmäßig aufgepeppt. Verschließt die Hirne vor dem, was dahintersteckt.
Wenn ihr sie zu Führern erwählt, sie umjubelt und sie bestätigt in ihrem Bild, dann machen sei weiter und gebärden sich wild.
Dumm nur, für eure Blödheit wird am Ende die Rechnung gestellt, die für alle gilt.

Siegbert Schwab 18/11

 

Schimpfen reicht nicht…

Schimpfen über Post und Bahn.
Ist gern gepflegte Aufregerei.
Kostet nichts, man macht es nebenbei.
Das ist ja alles Wahn.
Sinn hat das alles nicht.
Ist nicht auf ein Ziel gericht‘.

Die Wut, sie lässt er raus –
Alles ist ein Graus.
„Ja genau – das ist unverschämt!
Das sag ich ganz unverbrämt.“
Er will nach Haus, oder davon weg.
Alles stellt sich ihm entgegen!
Der arme Kerl fühlt sich im Dreck;
Was macht MAN nur dagegen?

Der Geschrei ist nicht wirklich adressiert.
WER soll handeln, dass WAS passiert?
Ist die Groko an Allem schuld?
Oder ist es doch das Wetter?
Sollt er haben mehr Geduld,
Dann würd‘ vielleicht so manches netter?

Als wär nichts anderes wichtiger
in dieser Welt, als SEIN Transport.
Ist beleidigt, persönlich angegriffen.
Schimpft und andere reden ihm das Wort.
So können alle schön die Luft ablassen.
Kommt Änderung? – Da muss er passen.

Ich wünsch mir anderes, das zählt im Leben.
Dass die Basis stimmt für alle,
Dafür muss der Staat was geben.
Dafür muss er raus aus der Nichtstunfalle.
Gute Bahn, Verkehr und Bildungswesen
Ist Voraussetzung – brauchen alle.

Was spräche denn dagegen,
Statt über wenig Geld zu klagen,
Beim Staat was in die Kasse käme,
Wir uns an das Geld dort wagen,
Wo die Kohle wird als Kapital gesammelt,
Eingesetzt, damit nicht die Infrastruktur vergammelt.

Entspannen würden sich die Vorurteile,
Dass es einem besser ginge,
Wenn Übel nur die Anderen ereile,
Mitmenschen man zum Nachteil zwinge.
Für gute Bildung und die Straßen gäb es Geld.
Und dafür, dass die Bahn auch pünktlich hält.

Siegbert Schwab 18/10

Ornithologie

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Der Spatz am Tisch

Tschilpen, flattern, hüpfen um den Tisch.
Braungescheckt und schwarzgefleckt mit Hopserlandung an der Kante.
Schwarzmatter Kegelschnabel, dunkle Perlenaugen
sondieren Krümel ungeniert.
Dürre Beine, feine Krallen klammern fest am Rand.
Ruckend, suchend dreht der Kopf und steht nie still.
Windgepluster in den Nackenfedern,
Flügelflatternd unterstützte Hüpfer.
Krümel liegen pickbereit.
Noch ist Vorsicht angezeigt!
Rückversichernd ruckt der Kopf – Augen blicken je zur Seite.
Neue Hüpfer vor und auch zurück.
Flatterflug zum Krümel, schräg tapsig nähern, schneller Pick!
– das ist des Spatzen Trick!
(…mutig frech macht er ‚nen „Satz“ und der Krümel ist im Spatz!)

2016

 

Schönwetter

Schönes Wetter
Ist heut nicht.
Kalt nicht richtig,
Aber regnerisch.
Warm nicht richtig,
nicht für dich und mich.
Besser bleib zu haus.
Ruh‘ dich auf dem Sofa aus.

Trink den Kaffee,
Selbst gekocht.
Ess‘ den Kuchen,
Selbst gebacken.
Fang nicht an zu rackern.
Ruhe sollst du suchen.
Zünd‘ die Kerzen an,
Dann hast du wohl getan.

Im Kamin das Feuer
Ist nicht schlecht.
Davor die Coach,
So ist es recht.
Leg dich lang darauf.
Lass die Flammen Prasseln
Ruh dich selig aus.
S’gibt nichts zu vermasseln.

Auf dem Sofa
Ist noch Platz.
Rück zur Seite
Für den Schatz.
Freude ihr bereite,
Auf den Lippen leise Töne,
Sanfte Hände auf der Haut.
Genieße all das Schöne,
Damit Sie glücklich schaut.

Schönes Wetter
Braucht es nicht.
Schöne Stimmung
Ist doch besser.
Die kriegst du selber hin.
Nicht im Alltag wühle.
So bekommt es keinen Sinn.
Lieg entspannt und fühle!

Swa 18/08

 

Wetterwendisch

Wie er sich plustert, der kleine Specht,
Hüpft von Ast zu Ast, klopft an jeden hohlen Baum.
Wendig wiegt er seinen Kopf nach rechts und links –
Wo’s passt, da fliegt er hin.
Graubraun gut getarnter Rücken, gelblich blass gesprenkelt ist der Bauch.
Ruckt sein Kopf und wippt sein Schwanz –
Er ist bereit zu jedem Tanz.
Einmal fest verbunden mit der Nahrung und dem Ast,
bald wo anders, wenn’s DORT passt.
Wenn’s ein Tier, dann ist die Haltung klar;
geht’s ums Überleben, dann passt dies Wesen
wunderbar.
Wenn’s ein Mensch, dann ist zu überlegen,
was auf dem Hals so wacklig wetterwendisch thront:
Ein hohler Windsack oder prall gefülltes Vakuum!

Swa 16/8

Der Kurze weiß, wo es lang geht

Noch ist alles recht sozial;
Für die Alten früh die Pension,
Damit Arbeit wird nicht zur Qual,
Für fast alle kollektiven Lohn.
So ist die Republik ganz recht.
Hier lebt sich’s gut und gar nicht schlecht.

Sicher gibt es auch die Armen,
Soziale Schere hier auch klafft.
Bisher gab es stets Erbarmen,
Grundgesichert, dass man’s schafft.
So ist die Republik ganz recht.
Hier lebt sich’s gut und gar nicht schlecht.

Wäre nicht die alte Tradition,
Staatsdiener pflegten ihre Vettern,
Salär reichte nicht als Lohn;
Gäbe es kaum was zu wettern.
So ist die Republik fast recht.
Hier lebt sich’s gut und gar nicht schlecht.

Heilspropheten längst erkannten,
Dass es so nicht weiter geht.
Wo soll die Heimat landen,
Pflegten wir weiter Solidarität?
Offen gilt nur für’s Geschäft.
Verdienen soll’n nur Männer recht.

Das Strachertortenbackrezept
Verlangt nach fettem Topfen
Für Eliten und ihr Geschäft,
Die eh‘ schon gut gestopften!
Lang ging die Rechnung so nicht auf,
Bis der Kurze legte dann was drauf.

Unbezahlbar sei der Wohlfahrtsstaat,
Korruption wollt‘ er bekämpfen.
So kamen Fremde ganz parat,
Soziales Mütchen gut zu dämpfen;
Freiheit, Heimat seien in Gefahr,
Ob der großen Flüchtlingsschar.

Migranten überfluten Berg und Land;
Sie sind nun die Prügelknaben,
Die er hat für Alles an der Hand,
Die sich an fetten Trögen laben,
Zerstörten das Wohl der Republik.
Hinaus damit und schnell zurück.

Der Kurze weiß, wo es lang geht.
Hat aufgetopft die Strachertorte.
Fette Arbeit für die Mannswelt,
Daheim die Frauen ohne Kinderhorte.
Die Quittung für die Alpenrepublik?
Geht’s voran oder doch zurück?

Swa 2018/08