Liedtexte und Übertragungen

Die Verteidigung des Poeten

(Nach Natàlia Correia – A Defesa do Poeta)

Ihr Herren Richter, ich bin ein Poet,
Ein vielsprachiger Schreier, ein Defekt.
Bin in eine Windbluse gesteckt
Ganz im Gegensatz zu einem Skelett.

Ich bin ein Vestibül des Unmöglichen, ein Bleistift
Gespeicherter Verwunderung, Hoffnung gebend
Durch die geduldigen Verse in mir,
Denn sie sichern mein Überleben.

Ich bin bei Allem der blaue Code
(ein mit Narben gegerbtes Leder)
Der eine Fehlfunktion betont,
Wenn die Fäden des Glücks verliert der Weber.

Ihr Herren Bankiers, Sie sind in der Stadt,
In der die Infarkte drohen.
Es gibt keine Stadt ohne den Park
Des Schlafs, den man Ihnen gestohlen.

Ihr Herren Lehrer, die mich prämierten
Für meine magere Erziehung zur Pflicht.
Mich meiner Kindheit zielsicher entführten
durch das Feuer im Unterricht.

Ihr Herren Tyrannen, die Sie die Spiele
Mit Pulver gewinnen, macht das Rennen!
Ich bin ein Poet, der setzt auf das Viele
aus den Landschaften, die Sie nicht kennen.

Ihr Herren Helden, die Sie bis in die Zehen
Reines Streben nach Nichts verbinden
Meine Feigheit erwartet Sie zu sehen
Einige Strophen weiter hinten.

Ihr Herren drei, vier, fünf und sieben,
Welche Angst hindert Sie, die Ordnung aufzugeben?
Was treibt Sie zu verbieten,
Männliche Privilegien aufzuheben?

Ihr Herren Richter, die Sie das Urteil schreiben
Ohne die Natur zu Rate zu zieh‘n.
Wollen Sie bitte  meinen Vogel nicht steinigen,
Auch wenn er zu meiner Verteidigung singt.

Bin nur ein Schnappschuss des Lebens,
Angeklagt wegen der Leidenschaft Delikte,
Die quadratische Wurzel der Blume eben,
Deren Blüte man mit der Hand zerdrückte.

Bin auf dem Tisch die unverschämten Reime
Als Verse, die ich darauf schrieb.
Für die unterernährten Träume!
Poesie, die es zu Essen gibt.

Swa 2018/10

 

 

Die Fremde

Bei den Schleusen unten am Fluss
das Vorstadtquartier der Bohème
Wo Jugend sich versuchen muss
So wird es wieder geschehn.
Die Spritztour mit dem Auto hinaus
Im Sommer im August zumeist
Sagen sie die Zukunft voraus.
Bei Peperoni und süßem Wein.

Trinkend verbringt man die klare Nacht.
Man tanzt und klatscht in die Hände.
Keine Zeit zu glauben , was danach,
An große Tage am Ende.
Zurückgekehrt von dieser Nacht,
Fröhlich, kein Geld ist geblieben,
Doch tausend Blumen mitgebracht
In der Hand das Schicksal geschrieben

Ich griff der Vergänglichen Hand
Sie folgte mir hinterher
Im meerblauen Blick ich fand
Die Unvernunft lockend so sehr.
Sie hatte die leichten Schritte
Und die langen Beine des Rehs,
Ich liebte die Fremden schon immer
seit der Jugend, ich gesteh!

Sie redetete schnell und viel
Beim Geruch der Magnolie,
ihr Kleid plötzlich von ihr fiel
mein Drängen sie belohnte.
Voll Vertrauen war ich zu der Zeit
Ein Wort war mir ein Versprechen,
die gelben Glockenblumen bereits
konnten von Leidenschaft sprechen.

Jedes Mal beginnt das Ganze
Die Musik zieht mich wieder hin,
Und die banalste Romanze
Wird mir zur ewigen Poesie.
Unsere Seelen eingesetzt
Ein langer Tag, kurz die Nacht,
Der Morgen wird freundlich begrüßt
Regen der Liebe ein Ende macht.

(nach Louis Aragon, L’étrangere)

Wanderer, es gibt keinen Weg

Alles geht vorbei und alles bleibt,
aber wir müssen gehen,
um beim Gehen Wege zu schaffen,
Wege auf dem Meer.

Nie verfolgte ich Ruhm.
Auch nicht, in der Erinnerung der Menschen
mein Lied zurückzulassen
Ich mag die feinsinnigen Welten,
schwerelos und sanft
wie Seifenblasen

Es gefällt mir, wie sie sich anmalen
mit Sonne und Reife
fliegen zum blauen Himmel
zittern und zerplatzen
Nie habe ich den Ruhm verfolgt…

Wanderer, deine Spuren sind
der Weg, und sonst nichts;
Wanderer, es gibt keinen Weg,
der Weg entsteht im Gehen.
Im Gehen entsteht der Weg,
und wenn man den Blick zurückwirft,
sieht man den Pfad, den man
nie wieder betreten wird.
Wanderer, es gibt keinen Weg,
nur Kielwasser im Meer.

Vor einer Weile an diesem Ort,
an dem sich die Wälder in Dornen kleiden,
hörte man die Stimme eines Dichters rufen:
Wanderer! Es gibt keinen Weg!
Der Weg ensteht durch das Gehen
Schlag umd Schlag, Zeile um Zeile…

Der Dichter starb, fernab von Daheim,
Bedeckt vom Staub eines Nachbarlandes
und in der Ferne sahen sie ihn weinen:
Wanderer! Es gibt keinen Weg!
Der Weg ensteht beim Gehen.

Schlag und Schlag, Zeile um Zeile…
Wenn die Nachtigall nicht singen mag,
Wenn der Dichter ein Pilger ist,
wenn das Beten nicht mehr hilft:
Wanderer! Es gibt keinen Weg!

nach Antonio Machada, Caminante no hay camino

 

Der Kanake

Mit der Fresse des Kanaken
des Wanderjuden, Griechenbalgs,
das Haar vom Wind zerzaust
verwaschene Augen schaun,
als wär’s Leben nur ein Traum,
sind‘s doch grad Träume, vor den‘s mir graust
Mit den Händen eines Räubers,
Musikanten, Herumtreibers,
Die manche Gärten plündern.
Mit meinem Mund, der trank,
der küsste und der biss sich krank,
ohne Hunger zu verhindern.

Mit meiner Fresse des Kanaken
Wanderjuden, Griechenbalgs,
Des Diebes und des Vagabunds,
Meiner Haut, die sich mit Wonne
rieb an jeder Sommersonne
und trieb‘s mit Unterröcken bunt.

Mit meinem Herz, das stets wusste,
wie es Leid ertragen musste.
und unbeirrt doch weiter schlägt.
Meine Seele nie Erlösung findet
sich auf der Erde ewig windet,
dem Fegefeuer nicht entgeht.

Mit meiner Fresse des Kanaken
Wanderjuden, Griechenbalgs,
das Haar vom Wind zerzaust,
fang ich deine Seele ein,
wirst Quelle meines Lebens sein,
an deiner Jugend du mich säugst
als Prinz von deinem Blut gezeugt,
als dein Träumer oder junger Held,
Ganz wie es Dir gefällt
Jeder Tag wird von uns erfüllt
mit Liebe, die für ewig gilt,
die uns bis zum Tod zusammenhält.

Jeder Tag wird von uns erfüllt
mit Liebe, die für ewig gilt,
die uns bis zum Tod zusammenhält.

(nach Georges Moustaki, Le métèque)

Ein Metöke (griechisch μέτοικος métoikos ‚Ansiedler‘) war im antiken Griechenland, insbesondere in Athen, ein dauerhaft in der jeweiligen Stadt lebender Fremder, der kein Bürgerrecht (und damit keine politischen Mitwirkungsrechte) besaß, aber meist auch Grieche war. – Der Ausdruck ist im Deutschen früher meist, wenn auch nicht ganz präzise mit „Beisasse“ wiedergegeben worden. (wikipedia)