Leben und Denken

Trümmerhaufen

Ein Stein beim Andern.
So liegen sie zerstreut.
Die Zeit brachte sie zum Wandern.
Einmal beieinander – nun weit verteilt.
Was das Ganze war,
Ist nun nicht mehr.
Bleibt als Trümmerhaufen,
Liegt nun kreuz und quer.

Hier braucht’s den Findigen
Den Forscher, den Windigen,
Der neue Ordnung schafft,
im Chaos, das die Zeit gebracht.

Swa 2017/06

 

Poesie

POESIE ist Schaffenskraft.
Poesie wird, was du aus Wörtern schaffst.
Kommt dazu der Rhythmus und der Reim,
Kann es dann die Lyrik sein.

Poesie schafft die Ästhetik
Des gut erzählten Lebens volle Schönheit.
Reimwort, Resonanz ergeben
Struktur und eignes Leben.

Entfalten Worte Bilder
Vom Poeten klanghaft eingedichtet,
Erzeugt Resonanz und Wiederhall.
– Doch nicht immer ist’s der Fall!

Swa 2018/03

 

Nix und Nixe

Nix der wechselhafte nöcke Geist
Mit steter Unruh durch das Leben reist.
Unberechenbar und immer eitel,
Bewunderung er allseits abverlangt.
Erträgt nicht, wenn er steht beiseite.
Die Anerkennung wird zum Zwang.

Lockt die Menschen durch der Geige Klang;
Ihn bewundern bewahrt dich vorm Untergang.
Unterricht in seinem Spiel wird Raserei;
Bringt pure Kraft und auch Besessenheit.
Nur Erkenntnis und der scharfe Schnitt
Befreit von diesem Wahnsinnsritt.

Die Nixe es schon feiner treibt
Bezirzt ihn mit dem schönen Oberleib.
Blasser Körper zwingt zum schälen Blick.
Was da unter Wasser ist, tritt zurück.
Edle Blässe wird zur Magie
die zwingt ihn vor sich auf die Knie.
Mancher hat sie angetroffen
an festem Land und sah sie schön trocken
Das Schuppenkleid und Flossen abgelegt,
Auf schlanken Beinen sie da reizvoll geht.
Doch bleibt sie immer etwas feucht
Am Saum des Kleides, wie es deucht.

Wen die Geister sich begegnet –
im Trocknen oder wenn es regnet –
wirkt beiderseits die Magie, der Bann.
Sehn sich in die Augen stundenlang.
Sie nach ihm sinnlich schmachtvoll schaut.
Er drängt sich gierig machtvoll auf.

So sitzen sie am wilden Fluss.
Fließt strudelnd hin zum weiten See.
Des Ufers Böschung bietet Halt und Schutz.
Doch der innere Drang tut beiden weh.
Erhebt sie sich, lässt er sie los?
Befreit der Sprung ins Wasser blos?
Sie drängt aus des Alltags Enge,
genug der Anmaßung und der Zwänge!
Er sucht und will neue Anerkennung
Darum er wieder sinnlich Klänge geigt.
Bleibt somit nur noch die Trennung,
Damit das Leben lebbar bleibt?

Angezogen von Magie und Bann –
Abgestoßen durch beider Freiheitsdrang.
Blicke schweifen ab, hin zum wilden Fluss
Strudel wirbeln, drängen hin fernen See.
Wer bietet nun den letzten Kuss?
Sagt das „Bis bald, das ich dich wiederseh“?

Das Wasser – beider Element –
Gemeinsam ist, ihr Wesen sie doch trennt.
Schwimmend, tauchend, turtelnd sich umlauern,
Hin sich geben ist die reine Lust.
Sich einzurichten in den eignen Mauern
Führt sie hernach zum großen Frust!

Den Wassergeist lockt steter Fluss
Sein Leben so sich ändern muss.
Mag am festen Land die Sonne lachen
Des Wassers blaue Tiefe machtvoll zieht.
Tiefe treibt den Geist zum weitermachen.
heftiger als manchem es beliebt.

Swa 2017/07

Bedingung schlägt Gelegenheit

Wenn ich morgens auf dem Fahrrad
durch die Straßen rausche,
wenn ich strampelnd auf Pedalen
den Motoren lausche,
Alle eilig auf dem Gaspedal!
Tret ich ruhig allemal.

Denn was soll das Hetzen, Jagen?
Arbeit wird mich schon ereilen,
später, noch zur rechten Zeit.
Werd mich dort noch ehrlich plagen.
Wieso jetzt schon eilen?
Ich kann noch was verweilen.

Wenn ich morgens auf dem Fahrrad
Regen dann ertrage,
wenn ich strampelnd auf Pedalen
mich durch nasse Straßen plage,
hab ich’s eilig durchzukommen.
Trete nun ganz unbesonnen.

Finde mich beim Jagen, Hetzen.
Muße ist dann schon vorbei,
ärgert mich schon allerlei.
Feucht bis auf den letzten Fetzen,
hoffe ich als nasser Spatz
auf den trocknen Arbeitsplatz.

Ruhe hat nicht immer Zeit,
passt nicht an jeden Ort.
Bedingung schlägt Gelegenheit.
Schon ist die Muße fort.

Swa 2018/01

Momentchen

Momentchen sitzt am Rand des Weges;
Grüßt die da gehen per pedes.
Raser grüßt es nicht!
Momentchen sieht da keine Pflicht.
Raser haben keinen Blick –
die Welt liegt viel zu schnell zurück!

Momentchen sieht die Wand`rer gerne,
Sieht am Gang die Stimmung, die sie drückt.
Deren Blick ist von weiter Ferne
Auf Momentchen ausgericht.
Kontakt der Augen – für ein Lächeln reicht die Zeit!
Da ist der Raser schon – viel, viel zu weit!

Ich schreib dir ein Liebeslied

Ich schreib dir ein Liebeslied, ich bin so saudumm
Ich schreib dir ein Liebeslied, damit‘s im Radio kommt,

Ich schreib‘ dir ein Liebeslied, wie die anderen, die schreiben Lieder,
Ich schreibe dir ein Liebeslied, mit Käse drin, der riecht wie schmutzige Füße.

Ich schreibe dir ein Liebeslied, drin erkennst du dich bestimmt nicht wieder
Ich schreibe dir ein Liebeslied, schlimmer als das Gedicht in der Jungendkrise.

Ich schreib dir ein Liebeslied, das Ideen verändert und überdauert die Zeit,
Ich schreib dir ein Liebeslied, in verbogenem C-Dur der Heiterkeit,
Schreibst du mir Liebeslieder, schreibst du mir Lieder?

nach J’t’écris (une Chanson D’amour) – Lisa Leblanc

Der Kaktuskuss

Hätt ich einen kleinen Kaktus
Stünd‘ er nicht nur rum
dass er auch was tun muss
wäre gar nicht dumm.

Man sagt der kleine Kaktus sticht
Dann kann er auch was tun
Darauf wär ich dann erpicht.
Er sollte nicht nur ruhn.

Mein kleiner grüner Kaktus
Er stünde nicht nur rum
Ohne Arbeit keinen Kuss!
Summsarumm, summ summ!

Mein kleiner grüner Kaktus
Nimmt die Stacheln vom Gesicht
Näht Kleider mit den Stacheln
In den Stoff er sticht, sticht sticht.

Ne Nadel braucht der Kaktus nicht
Er hat so viele spitze Dornen
Wachsen nach, wenn einer bricht.
So entsteh‘n der Kleider Formen

Mein kleiner grüner Kaktus
steht nicht nur herum
Ohne Arbeit keinen Kuss!
Summsarumm, summ summ!

Wenn du das nicht glauben kannst
Lass ihn stehn auf dem Balkon
Nur Blumen um ihn rum gepflanzt.
Ohne Arbeit gibt es keinen Lohn.

Der Kaktus weiß es ganz genau
Wenn er nur mit Stacheln droht
und die Arbeit von sich weist
bringt ihn das in große Not.

Mein kleiner grüner Kaktus
steht nicht nur herum
Ohne Arbeit keinen Kuss!
Summsarumm, summ summ.

Swa 2017/11

Konflikt

Konflikt
Scheu sein
Vermeiden ist schwer
Teufel der Angst bleibt
Dir

Konnflikt
Er kommt
Wartet auf dich
Bleibt im Dunkel immer
Dein

Konflikt
Immer wieder
Lösung scheint schwer
Vertreibt Angst und Teufel
Allein

Konflikt
Ist Fortschritt
Harmonie trügt auch
Grummeln bleibt stets im
Bauch

Swa 2017/08