VARIATIONEN ÜBER DAS ROSAROTE LEBEN

In Ordnung ist fast nichts auf der Welt.
Krieg, Terror, Ungerechtigkeit und Leid.
Du siehst es offen weit und breit.
Klar, dass dir es nicht gefällt.
Was zu ändern wär, ist offenbar.
Doch es geht nicht, sagt man dir.
Weil es immer schon so war.
Sorg für dich und bleib bei dir.

Das rosarote Leben
Gib‘s nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld.

Du lebst dein Leben frank und frei.
Andre sperrt man dafür in den Knast.
Solange du dein Leben hast.
Sei dir‘s doch einerlei.
Deine Ecke ist für dich gemacht.
Bau darum den festen Ring.
Widerstehen sei nicht angebracht.
Das Drumherum ist nicht dein Ding.

Das rosarote Leben
Gib‘s nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld.

Deine Unfreiheit ist im Kopf
Für andere bestimmt sie das Leben
Darum kämpfen sie dann eben!
Du kratzst dich dann am Schopf.
Beginnst mit dieser Welt zu hadern
Sie greifen in vertraute Ruhe ein
Weil sie dein schönes Haus belagern
Wie können die so garstig sein!

Das rosarote Leben
Gib‘s nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld.

Von der buntebemalten Warte aus
Ist es logisch, nur konsequent,
Man die Freiheit nicht den andern gönnt.
Bedrohn sie doch dein Haus.
Würden die sich selbst bestimmen,
Über ihren Reichtum selbst verfügen,
Müssten wir darüber sinnen
Dass wir uns und sie betrügen.

Das rosarote Leben
Gib‘s nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld.

Denk nicht, du bist nicht gelenkt.
Man sagt schon, was dir zusteht,
Wenn‘s um diese Ordnung geht.
Denk nur weiter, was man denkt.
Nichts ändern, es bleibt wie‘s ist.
Jeder sorgt für sich allein
Bleibt bei dir, sei selbstverliebt.
Deine Freiheit, soll nur deine sein.

Das rosarote Leben
Gib es nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld.

Siegbert Schwab 19/07

Cux

J.R.

Vor Cux im Hafen liegt sein Kutter.
In der Kaserne holt er sein Futter.
Der Krieg tobt nicht an diesem Ort.
Sie rundern oft hinaus,
Doch Minen machen sie nicht aus.
So war’s in Cux an der Elbe dort.

In die Dünen zog der Kommandant.
Wanderte dort stundenlang.
Fand dort Federn, Steine, Nattern;
Ringelblumen und kein Moos.
Was der Sammler konnt‘ ergattern,
In der Kaserne wird er’s wieder los.

Dinge kann er gern verlieren.
Er findet und gibt sie wieder auf.
Auch in Worten sich gerieren:
Er findet und schreibt sie auf.

Zu Minen werden seine Zeilen
Explodieren, wenn er sie spricht.
Schön rund kann er sie feilen.
Vom Leuchtturm strahlt sein Licht.

In Cux er seinen Namen fand.
Auch die Nattern fanden ihren Platz.
Sie ringeln sich – vor Lachen! – nicht mehr im Sand.
Nun ist er der – der Ringelnatz!

Siegbert Schwab 19/07

„Das Kind wollte doch nur malen“

Der Regionalexpress ist voll. Kaum noch Sitzplätze. Einige Reisende stehen schon mit ihren Koffern im Gang, während immer noch ein paar Plätze von Menschen mit ihrem Gepäck „doppelt belegt“ werden. „Sitznachbar unerwünscht“, ist die Botschaft, die den zusteigenden Platzsuchern signalisiert wird. Eine Mutter mit drei Kindern sitzt an einem Viererplatz mit Tisch. Eine Junge und ein Mädchen spielen oder „arbeiten“ unter Anleitung der Mutter. Das zweite Mädchen hat es sich auf den Plätzen dahinter bequem gemacht und malt lang ausgestreckt auf beiden Plätzen in ein Heft. „Ist es nicht schön, wie sie da malt?“, bemerkt der Mann dahinter zu seiner Sitznachbarin. Ein Paar mit Koffern und Rucksäcken quält sich durch den Gang auf der Suche nach einem Platz. Vor der Mutter und den Kindern kommt es zum Stehen. Die Frau fragt die Mutter: „Dürfen wir uns auf die Plätze hinter Ihnen setzen? Könnte das Kind sich an den freien Platz an ihrem Tisch setzen?“ – „Ungern, Clara malt gerade so schön.“ – „Könnte sie nicht an ihrem Tisch weiter malen. Der Zug ist ganz schön voll.“ – „Eigentlich schon, – aber Clara ist gerade so schön beschäftigt.“

Clara hat inzwischen aufgehört zu malen und verfolgt interessiert das Gespräch, indem es um sie geht. Sie ist noch nicht davon überzeugt, den Platz wechseln zu müssen. Doch dann räumt sie zögerlich den Platz als die Mutter sie mit unwilliger Geste zu sich bittet. Clara setzt sich an den Tisch zu ihren Geschwistern gegenüber ihrer Mutter und legt ihr Malbuch und die Stifte vor sich auf den Tisch.

„Sie könnten sich doch wenigsten bei mir und Clara bedanken“, ist nun die Aufforderung der Mutter an das Paar, das damit beschäftigt ist Koffer, Rucksäcke und Taschen zu verstauen. „Sie können sich wenigstens bei uns bedanken“, kommt die erneute Aufforderung der Mutter an das Paar. Das Paar entscheidet sich, dieser Aufforderung nicht nachzukommen.

„Sicher hätte es nichts gekostet, danke zu sagen. Aber wofür eigentlich?“ fragen und diskutieren der Mann und die Frau, nachdem sie ihr Gepäck verstaut und ihre Plätze eingenommen haben. Haben sie doch auch eine Fahrkarte gekauft. Also warum auf einen Platz verzichten, wenn es doch offensichtlich noch welche gibt? Und dann noch Danke sagen, als quasi Bezahlung für eine Art Höflichkeit, die doch eher als herablassende Großzügigkeit daherkommt. Und was ist das für eine Haltung. Die Plätze um sich herum und neben sich werden belegt und durch Gepäck „abgesichert“, während andere Mitreisende schon im Gang stehen. Diese müssen nun als Bittsteller an die „Doppelplatzinhaber“ herantreten, die dann mürrisch oder gnädig auf ihren Zweitplatz verzichten, weil sie sich in ihrer Bequemlichkeit eingeschränkt sehen. Kann jemand, der sich auf ein Mindestmaß an Solidarität mit seinen Mitreisenden befleißigt und einen nicht besetzten Platz frei gibt, dafür wirklich Dank erwarten?

Doch nicht genug. Der Mann hinter dem Ehepaar „will auch noch mal was sagen“. Er findet es „unmöglich“, dass das Paar das Kind von seinem Platz „verjagt“ habe. Von seinem Sitzplatz aus wird er zum Verteidiger der kreativen Kinderseele und aller sorgenden Mütter. „Das Kind hat so schön gemalt und nun muss es wieder da vorne bei seiner Mutter und den anderen sitzen.“ Es habe heute eben keiner mehr Verständnis für die Mütter mit ihren Kindern. Bei diesen Worten blickt die kleine Clara von ihrem Platz aus um die Lehne hinter sich, um zu hören, was denn die Erwachsenen über sie reden: Skeptisch und misstrauisch zum Paar auf ihren vormaligen Plätzen und erleichtert zum verständnisvollen Herrn. Werden die nun weiter über sie miteinander reden? Kaum. Denn der Herr bezeichnet sich als „Anziehungspunkt von Idioten“. Damit macht er auch deutlich, was er vom Paar vor sich hält. Und er werde weiterhin seine Meinung sagen und es sei ihm egal, was andere davon halten… Wieso also weiter miteinander sprechen? Alles ist gesagt. Nichts ist geklärt.

Allgemeine Missstimmung im Waggon. Die unbeteiligten Zuschauer und Zuhörer sind peinlich berührt und schweigen still. Die Mutter hat nun wieder alle drei Kinder um sich herum und gibt strenge Anweisungen an ihre Kinder, ohne dem Paar noch einen Blick zu würdigen. Der verständnisvolle Herr moquiert sich weiter gegenüber seiner Platznachbarin über die das Unverständnis der Gesellschaft gegenüber Kindern und Müttern. Und zwischen dem Paar kommt es fast zur Auseinandersetzung darüber, ob er auch konsequent genug ihre Haltung gegenüber der Mutter unterstützt habe.

Die Frage sei gestellt, wo dann der jeweilige Ärger und die Unzufriedenheit aus dem vollen Regionalexpress bei nächster Gelegenheit wirklich eingelöst wird oder zum Ausbruch kommt? Vielleicht durch einen unvermittelten Wutausbruch in einer Situation, die den anderen völlig harmlos erscheint, oder als „Erzählung“ eingeleitet mit dem Satz „Jetzt stell dir einmal vor, das ist ja unmöglich… dabei wollte das Kind doch nur malen…“

Swa 19/04

 

 

Beamte streiken nicht

Beamte streiken nicht!
Ist gegen ihre Pflicht.
Den Staat, den soll‘n sie tragen,
Stets treu und tief ergeben.
Keiner soll es je wagen
Seine Arbeit niederzulegen!

Der Beamte streikt doch nicht!
Er übt sich im Verzicht.
Macht, was ihm abverlangt der Staat.
Der Eid hat ihn gebunden
So gibt man ihm den Rat,
Füg dich – leck nur deine Wunden!

Dem Beamten wird es nicht vergönnt,
Dass er auf die Straße rennt,
Den Sold im Kollektiv erstreike.
Reden darf er und er darf bitten.
Mal sehen, wen er so erweiche
Ob Obrigkeit ändert ihre Sitten.

Wird er ungerecht behandelt,
Und sich seine Lage zum Üblen wandelt,
Muss er Klage vor Gericht anzetteln,
Damit er in der Hand was habe.
Das ist ein Bitten und ein Betteln.
Und dauert viele, viele Tage.

Dem Beamten bleibt das Warten.
Kein Urteil wächst im Garten.
Hat sich das Gericht verzogen,
Sein gewichtig Urteil abzuleiten,
Bis der Spruch wird abgewogen
Reichen nicht vier Jahreszeiten.

Wenn andere den Tarif erstreiken,
Beamte bei der Pflicht verbleiben.
Angestellte werden für ihn kämpfen,
Damit sich bessert auch sein Salär.
Der Beamte wird sein Mütchen dämpfen,
er wird schließlich Pensionär.

Der Beamte tut stets seine Pflicht.
Streiken tut er nicht.
Als des Staates guter Diener
erhält er Alimentation.
Hofft, der Staat geht nicht vor die Hühner,
Hofft auf die Pension.

(Schwab, 18/06)

Bemerkung: Beamtete Lehrkräfte dürfen nach deutschem Beamtenrecht – ein Relikt aus der Kaiserzeit – nicht streiken. Dieser Rechtsgrundsatz rettete sich über die Weimarer Zeit, den deutschen Faschismus hinein in die Bundesrepublik. Letztes Jahr von den beamteten Richtern des Verfassungsgerichts wurde er erneut bestätigt: Wenn einmal für eine Berufsgruppe, das Recht zu streiken ermöglicht werde, dann wäre das ein Dammbruch. So wurde das obrigkeitsstaatliche Individualrecht mit der Bindung einer Person an den inkorporierten Staat erneut gerettet.

Das Bundesverfassungsgericht hat damit trotz geltender Tarifautonomie, die laut Grundgesetz für alle abhängig Beschäftigten gilt, den Ausnahmetatbestand weiter zementiert.

Wo kämen wir denn hin, wenn sich der Staat nicht mehr auf seine „DienerInnen“ verlassen könnte, und die ihm kollektive Forderungen stellen könnten, statt individuelle Bitten zu unterbreiten?

 

 

Liebe ist, mag sein…

20171026_163553Liebe ist Sehnsucht,
Nach einem Leben, das man teilt,
mit einem Menschen, der versteht,
was man selber meint.

Liebe ist die Suche
nach einem Gefühl, das man spürt,
mit einem Menschen, der erfühlt,
wie man selber fühlt.

Liebe ist ein Moment,
in dem man den freudig erkennt,
der dich bei dem Gefühl ertappt,
was du in dir hast.

Die Augenblicke,
endlos aneinandergereiht
wie die Perlen einer Kette,
die nicht mehr zerreißt.

Liebe ist der Versuch
einen Weg zu erkunden,
den der andere mit dir geht
den du hast gefunden.

Geteiltes Erwarten
der Ernte im Rosengarten
mit einem Menschen, der versteht,
wie es einem geht.

Liebe ist Hoffnung
erstrebend das geteilte Ziel
achtsam sein, im ungleichen Schritt
damit der andre kommt mit.

Gemeinsam zu sein
gehört wie die Blume zum Wein.
Ist das Gefängnis, das befreit;
Freiheit in Gebundenheit.

Liebe ist der Weg,
den man gemeinsam weiter geht
im Vertrauen auf diese Hand
die sich in deine legt.

Sie ist Pachtvertrag
eine Übereinkunft, die lohnt,
für alle, die sind‘s so gewohnt,
so wie man es mag.

Liebe ist Legende
die Erzählung, die jeder kennt,
die das Leben in Geschichten brennt
verständlich am Ende.

Ist wahr, Sensation
ist das, was uns tief verbindet.
Im Austausch wird sie zur Fiktion
die man  in Worten findet.

Liebe ist Sehnsucht,
Nach einem Leben, das man teilt,
mit einem Menschen, der versteht,
was man selber meint.

Liebe ist die Suche
nach einem Gefühl, das man spürt,
mit einem Menschen, der erfühlt,
wie man selber fühlt.

Liebe ist ein Moment,
in dem man den freudig erkennt,
der dich bei dem Gefühl ertappt,
was du in dir hast.

Die Augenblicke,
endlos aneinandergereiht
wie die Perlen einer Kette,
die nicht mehr zerreißt.

Liebe ist der Versuch
einen Weg zu erkunden,
den der andere mit dir geht
den du hast gefunden.

Geteiltes Erwarten
der Ernte im Rosengarten
mit einem Menschen, der versteht,
wie es einem geht.

Liebe ist Hoffnung
erstrebend das geteilte Ziel
achtsam sein, im ungleichen Schritt
damit der andre kommt mit.

Gemeinsam zu sein
gehört wie die Blume zum Wein.
Ist das Gefängnis, das befreit;
Freiheit in Gebundenheit.

Liebe ist der Weg,
den man gemeinsam weiter geht
im Vertrauen auf diese Hand
die sich in deine legt.

Sie ist Pachtvertrag
eine Übereinkunft, die lohnt,
für alle, die sind‘s so gewohnt,
so wie man es mag.

Liebe ist Legende
die Erzählung, die jeder kennt,
die das Leben in Geschichten brennt
verständlich am Ende.

Ist wahr, Sensation
ist das, was uns tief verbindet.
Im Austausch wird sie zur Fiktion
die man  in Worten findet.

(Siegbert Schwab)

 

Männer mit Bart

Erotik

Erotik oder nicht,
der Bart beim Manne
wächst einfach im Gesicht.
Wird er nicht rasiert und nicht gestutzt
– dann bleibt er als des Mannes Putz.
Putzen tun sich Frauen auch,
doch ist der Bart hier selten in Gebrauch.
Ob der Bart denn Mann so wirklich macht,
ziehen wir nun gar nicht in Betracht.
Erotik ist was gegenseitig zieht
– mit und ohne Bart –
entscheidet das Gemüt.
16/08

MIRROR STRINGS

Wenn die 4 MusikerInnen auftreten, dann sind sie spiegelbildlich angeorndet: in der Mitte die zwei Celli (PHILLIP WENTRUP, SAMUEL SELLE) und und rechts links die Gitarren ( JOHANN JACOB NISSEN und LUISA MARIE REICHELT).
Eine einmalige Quartett-Formation mit 20 Saiten, die alles aus den Instrumenten herausholt und auch so, dass kein Instrument im gemeinsamen Klang zurücktritt.

Grieg, Brahms, Piazolla werden gekonnt neu orchestriert – aber auch spziell für sie diese Formation geschriebene Stücke  (Tristan Köster, Shadi Kassaee, Tilman Hübner) springen in die Ohren und erzeugene eine feine Resonanz.

Hier eine Interpretation von „You never walk allone“

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