Ornithologie

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Der Spatz am Tisch

Tschilpen, flattern, hüpfen um den Tisch.
Braungescheckt und schwarzgefleckt mit Hopserlandung an der Kante.
Schwarzmatter Kegelschnabel, dunkle Perlenaugen
sondieren Krümel ungeniert.
Dürre Beine, feine Krallen klammern fest am Rand.
Ruckend, suchend dreht der Kopf und steht nie still.
Windgepluster in den Nackenfedern,
Flügelflatternd unterstützte Hüpfer.
Krümel liegen pickbereit.
Noch ist Vorsicht angezeigt!
Rückversichernd ruckt der Kopf – Augen blicken je zur Seite.
Neue Hüpfer vor und auch zurück.
Flatterflug zum Krümel, schräg tapsig nähern, schneller Pick!
– das ist des Spatzen Trick!
(…mutig frech macht er ‚nen „Satz“ und der Krümel ist im Spatz!)

2016

 

Schönwetter

Schönes Wetter
Ist heut nicht.
Kalt nicht richtig,
Aber regnerisch.
Warm nicht richtig,
nicht für dich und mich.
Besser bleib zu haus.
Ruh‘ dich auf dem Sofa aus.

Trink den Kaffee,
Selbst gekocht.
Ess‘ den Kuchen,
Selbst gebacken.
Fang nicht an zu rackern.
Ruhe sollst du suchen.
Zünd‘ die Kerzen an,
Dann hast du wohl getan.

Im Kamin das Feuer
Ist nicht schlecht.
Davor die Coach,
So ist es recht.
Leg dich lang darauf.
Lass die Flammen Prasseln
Ruh dich selig aus.
S’gibt nichts zu vermasseln.

Auf dem Sofa
Ist noch Platz.
Rück zur Seite
Für den Schatz.
Freude ihr bereite,
Auf den Lippen leise Töne,
Sanfte Hände auf der Haut.
Genieße all das Schöne,
Damit Sie glücklich schaut.

Schönes Wetter
Braucht es nicht.
Schöne Stimmung
Ist doch besser.
Die kriegst du selber hin.
Nicht im Alltag wühle.
So bekommt es keinen Sinn.
Lieg entspannt und fühle!

Swa 18/08

 

Der Kurze weiß, wo es lang geht

Noch ist alles recht sozial;
Für die Alten früh die Pension,
Damit Arbeit wird nicht zur Qual,
Für fast alle kollektiven Lohn.
So ist die Republik ganz recht.
Hier lebt sich’s gut und gar nicht schlecht.

Sicher gibt es auch die Armen,
Soziale Schere hier auch klafft.
Bisher gab es stets Erbarmen,
Grundgesichert, dass man’s schafft.
So ist die Republik ganz recht.
Hier lebt sich’s gut und gar nicht schlecht.

Wäre nicht die alte Tradition,
Staatsdiener pflegten ihre Vettern,
Salär reichte nicht als Lohn;
Gäbe es kaum was zu wettern.
So ist die Republik fast recht.
Hier lebt sich’s gut und gar nicht schlecht.

Heilspropheten längst erkannten,
Dass es so nicht weiter geht.
Wo soll die Heimat landen,
Pflegten wir weiter Solidarität?
Offen gilt nur für’s Geschäft.
Verdienen soll’n nur Männer recht.

Das Strachertortenbackrezept
Verlangt nach fettem Topfen
Für Eliten und ihr Geschäft,
Die eh‘ schon gut gestopften!
Lang ging die Rechnung so nicht auf,
Bis der Kurze legte dann was drauf.

Unbezahlbar sei der Wohlfahrtsstaat,
Korruption wollt‘ er bekämpfen.
So kamen Fremde ganz parat,
Soziales Mütchen gut zu dämpfen;
Freiheit, Heimat seien in Gefahr,
Ob der großen Flüchtlingsschar.

Migranten überfluten Berg und Land;
Sie sind nun die Prügelknaben,
Die er hat für Alles an der Hand,
Die sich an fetten Trögen laben,
Zerstörten das Wohl der Republik.
Hinaus damit und schnell zurück.

Der Kurze weiß, wo es lang geht.
Hat aufgetopft die Strachertorte.
Fette Arbeit für die Mannswelt,
Daheim die Frauen ohne Kinderhorte.
Die Quittung für die Alpenrepublik?
Geht’s voran oder doch zurück?

Swa 2018/08

Von Gröbming nach Gößl zu Benjamin Schmid und Diknu Schneeberger – das passte!

Das Benjamin Schmidt Jazz Quartett swingte und jazzte im Gasthof Veith in Gößl. Für das Konzert, mit dem der Geigenvirtuose Benjamin Schmid seinen 50. Geburtstag feierte, waren Diknu Schneeberger (git.), sein Vater Joschi (bass) und Martin Spitzer (git.) angereist. Der passionierte Beethoven-Fan und Dirigent Karolos Trikolidis hatte dieses Konzert in das Bad Ausseer „Beethoven-Plus-Festival“ eingebaut.
Bei vollem Saal und aufmerksam-enthusiastischem Publikum brillierte Benjamin Schmidt mit der Geige in den von ihm arrangierten Swing-Manouche-Klassikern, die er mit klassischen „Intros“ und Ausklängen kombinierte. Eine Bach Prelude wurde übergeleitet in ‚Lulu’s Song‘ und die Geige schmiegte sich um Diknu Schneebergers virtuoses Gitarrenspiel, Joschis tragend melodiösem Bass und Martin Spitzers treibende Rhythmusgitarre. ‚Night and Day‘ wurde sowohl von Diknus als Schmids Improvisationen und Zusammenspiel zu einem Highlight im ersten Set, neben dem ebenso brillant arrangierten und gespielten ‚Troublant Bolero‘ von Django Reinhard.
Die ‚Gulda Ouverture‘, arrangiert für das Jazz-Quartett, wurde dann zum eigenen Klangerlebnis. Getragen von der Geige, Joschis Bass-Akzenten und nun auch Martin Spitzers Jazz-Gitarre als melodietragendem Instrument. In gleicher Weise galt dies auch für das Arrangement von ‚Freedom Jazz Dance‘.

Joschi Schneebergers gefühlvoller Titel ‚Servas Karl’ reihte sich in Djangos ‚Nuages‘ und ‚Minor Swing‘. Alle Titel neu gehört uns schön für das Quartett „angepasst“ und zu neuem Leben gebracht.
Fritz Kreislers Geigen-Präludium wurde zur wirklichen Überraschung. Es wurde „aufgekreislert“, indem alle Musiker im Zusammenspiel und einzeln melodiös zum Tragen kamen. Hier zeigte auch Martin Spitzer erneut, welch ein Saitenkünstler er an der Jazz-Gitarre ist.

Die frenetisch verlangte Zugabe war die Serenade ‚For Wesley‘. Ein gefühlvolles Ende eines mitreißenden Konzerts in Gösl am Grundlsee. Dieses Mal schwammen wir nicht in den klaren Fluten des Sees, sondern schwelgten in einer eindrucksvollen Klangflut.

Danke auch an die schönen Gespräche mit den Musikern und mit dem inspirierenden Karolos Trikolidis, von den Musikfreunden Inneres Salzkammergut.

Siegbert Schwab

 

Meile um Meile

Prickelnde Spannung vor dem Start
Um dich herum andere mit dir
Du bist im Jetzt, du bist im Hier.
Gleich wird es los gehn, dann wird es hart.

Schritt für Schritt
Atemzug um Atemzug
Dein Herz schlägt mit.

Folge deinem Weg, voran, deinem Blick.
Sie ziehen dich weiter im Schritt.
Um dich die anderen rennen mit.
Sie laufen und jeder kämpft gegen sich.

Schritt für Schritt
Atemzug um Atemzug
Dein Herz schlägt mit.

Meter um Meter reiht sich zur Meile.
Die Meilen zähle erst am Ziel.
Auf der Strecke wären’s zu viel.
Folge dem Weg bis zur letzten Neige.

Schritt für Schritt
Atemzug um Atemzug
Dein Herz schlägt mit.

Es sind deine Schritte, die du gern hörst.
Deine Atemzüge, die du spürst.
Es ist dein Herz, das für dich schlägt.
Es ist dein Wille, der voran dich trägt.

Schritt für Schritt
Atemzug um Atemzug
Dein Herz schlägt mit.

Setze deine Schritte, und denke dran:
Es ist dein Atem, der dich trägt .
Es ist dein Herz, das für dich schlägt.
Es ist dein Wille, er drängt dich voran.

Schritt für Schritt
Atemzug um Atemzug
Dein Herz schlägt mit.

Denk an die Ankunft, denke an das Ziel
Leuchtende Augen, strahlender Blick
Dann erst denk an den Weg zurück.
Getan, gelitten, geschafft – so läuft das Spiel.

Schritt für Schritt
Atemzug um Atemzug
Dein Herz schlägt mit.

Swa 2018/08

Euer Bier!

… oder auch ein Testament.

Wenn es nicht mehr weiter geht,
Das Herz dann nicht mehr Schlägt,
Lasst mich ruhig liegen ,
Lebt weiter , sorgt für eure Lieben!
ICH hab‘ keine Sorgen mehr im Hier,
Welche ihr euch macht, das ist euer Bier!

Traurig sein gehört zum Leben,
Nicht zu dem der aus ihm schied.
Ihr sollt Abschied nehmen;
Ich hab’s getan – ihr singt das Lied!
Ich brauch nicht Gefühle mehr im Hier
Welche ihr euch macht, ist das euer Bier!

Schafft kein teures protzig Totenbett;
Eine Kiste, sei sie Pappe, fänd‘ ich nett .
Dieser gute Stoff, der Wissen trägt,
Ist nun mal Papier, ganz ausgeprägt!
Ich brauch nicht Geltung mehr im Hier,
Welche ihr noch braucht, ist euer Bier!

Haltet eigne ausgedachte Reden.
Erinnert euch, was werden soll.
Ich brauch nicht Gottes Segen;
Was ein Mensch sagt, find ich toll!
Ihr tragt die Feier ohne mich im Hier;
Welche ihr draus macht, ist euer Bier!

Vergesst nicht die Musik beim Feiern,
Lasst die bösen Lieder ,
Gute gibt es unentwegt.
Lasst es Rocken, singt nicht Kirchenleiern;
Jazz und Blues im Leben uns doch trägt.
Meine Melodien sind dann noch Hier,
Welche ihr dann singt, ist euer Bier!

Keine Angst und keine Sorgen!
Ich hab nicht vor, vor meiner Zeit zu geh’n!
Ich will nur bereit sein, sei es Morgen;
Noch ist Leben, mach‘s mir so bequem.
Ich sorge, fühle, gelte, feire, singe Hier.
Was ihr mit mir macht, ist euer Bier!

Denn eins ist sicher –
Am Ende steht der Tod.
Da gibt’s kein Deuteln, Betteln in der Not.
Das ist Fakt und Geltung – sonnenklar!
Nichts ist, nichts bleibt so wie es war!
Ich lebe, schaffe, baue jetzt im Hier!
Was ihr so heute macht, ist euer Bier!

Swa 2016/08