La Chanson – Lutter en chantant

Lieder Aus Frankreich –  trifft  diesmal nur bedingt zu. In den Zeiten des Confinéments, des Eingesperrtseins, der Quarantäne schaue ich in die Welt. Lieder des Kampfes und des Widerstands gegen ungerechte Politik und Verhältnisse. Ausdruck der Revolte und einer Tradition der Revolte. In Frankreich wurden die Privatisierungspläne Macrons zur Sécurité Social, der Renten und des Gesundheitswesen bestreikt, in Chile gingen Millionen gegen die unzureichende soziale Fürsorge auf die Straßen. Aber auch die Anfänge der Neoliberalen Politik Thatchers in England werden berührt. Gilles Servat singt zu seinen Liedern : Nehmt die gute Tradition und tretet in deren Fußstapfen. Es ist das Volk, das spricht, und es ist seine Stimme…  – Und der Rest ist Mut (Manfred Maurenbrecher). Eine neue Ausgabe von La Chanson von und mit Siegbert Schwab (Sa, 4.4.20 und Wh, Mi, 8.4.20, 16 Uhr auf Radio Freequenns.at)

 

Und als Erinnerung:

La Chanson – On lâche rien (neue Protestlieder aus Frankreich)

„On lâche rien“ – „Wir geben nicht auf.
Der Widerstand gegen die Pläne und Vorhaben des Präsidenten Macron hat nicht nur die „Gelbwesten“ und den langanhaltenden Streik der Beschäftigten vor allem im öffentlichen Dienst hervorgebracht, sondern auch eine Reihe von Liedern, die der „Rebellion“ gegen die „Anti-Reformen“ einen Audruck verleihen. Das politische Chanson erblühte geradezu. Wobei auf eine lange Tradition in Frankreich zurückgriffen wird oder auch viel Neues entstanden ist.

Nachzuhören auf dem Broadcasting-Server der Freien Radios in Österreich (CBA)

 

 

Schule schafft …

„Morgens hat er recht und mittags frei…“
Weiß der Volksmund – denkt sich nichts dabei.
Wenn‘s um Schule und die Lehrer geht,
Redet jeder mit und fühlt sich kompetent
Weil er diese Anstalt auch von innen kennt.
Und seine Vorurteile mit sich trägt.
Von halbverdautem Wissen angeregt.

Dem Staat kostet die Schule Geld.
Auch die Lehrer habe sich d’rauf eingstellt.
Für Bildung sollen sie nicht ruhn
Ist die Profession, es ist ihr Job
So wissen‘s alle – oft nur ganz grob
Für die Kinder sollen sie was tun.
Und Nachmittags bestimmt nicht ruhn.

Doch, dass Wissen meist nicht reicht
Vergessen viele nach der Schule leicht
Gelernt hat man’s, wenn man‘s kann.
Wer nur halbes Wissen mit sich trägt
Damit seine Vorurteile weiter pflegt
Der bringt die Bildung nicht voran
Weil man weiß, dass er nichts kann.

So ist die Bildung nur ein Etikett
Man klebt sich‘s auf und findet’s nett.
Behandelt Lehrer, als wär‘n auch sie nur hohl
Verstünden nichts von ihr’m Geschäft
Und machen’s keinem richtig recht.
Jeder sorge sich ums eigne Wohl
So bleibt es in den Köpfen wirklich hohl.

Geht’s nur darum, dass er sein Abi schafft
Dann hat er’s wirklich nicht gerafft.
Dass aus Wissen Können wird
Dafür braucht es Übung und die Zeit
Lehrer, die stehen dafür auch bereit
Nicht durch die Verwaltung maltraitiert
Wo man weiß, dass es eh nichts wird.

Ehrlich sollte man sich zugestehn
Mit dieser Haltung wir es nicht weiter gehen
Schafft doch die Lehrer endlich ab
Lasst die Kinder doch allein zuhaus
für Bildung gäben wir dann nichts mehr aus
Viel Geld und Ärger wäre uns erspart
In diesem unserm Bildungsstaat.

Dann könnte eine doch in Blankenese bleiben…
Und der andere in der Wirtschaft sich die Zeit vertreiben…

Schwab 20/02

MUSIKszene – Das Jahr des algerischen HIRAK

 

bouiraDer 22. Februar war der Jahrestag des algerischen Hirak. Massive Demonstrationen wöchentlich und millionenfach seit über einem Jahr. Die AlgerierInnen haben sich die Straßen erobert. Sie wurden zur Agora der politischen Diskussion, der Demonstrationen für Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung gegen ein korruptes Regime, das unter der Ägide des Militärs steht.

Die Algerier suchen weiter ihren Weg jenseits von Fremdkontrolle durch Oligarchen und der internationale (Energie-)Konzerne. Ein Rückblick auf das vergangene Jahr in Algerien – begleitet von den Liedern des Hirak und der MusikerInnen aus Algerien.

„La Valse des Mille Temps“ von Jacques Brel wird zum Aufruf für „Den Streik aller zur selben Zeit“.

„La Valse des Mille Temps“ von Jacques Brel wird zum Aufruf für „Den Streik aller zur selben Zeit“. Was ist das anderes als der Generalstreik, der in Frankreich bevorsteht. Ein Lied, das vom „widerständigen Frankreich“ für alle gesungen wird, die sich in sozialen Auseiandersetzungen befinden.

 

unsoumise

Wenn dieser Streik beginnt
werden einige Züge nicht fahren.
Die Aktionen von Medien beschimpft
Wiederholend was die Bosse sagen.
Die Aktionen werden von ihnen bekämpft.
Das Gegenteil was man im Streik erkämpft

Der Streik der Bahn auf den Schienen
Verteidigt die Rechte von uns allen
Denn die Bahn wird uns allen dienen
Es sollt‘ uns doch allen gefallen
sie steht für die Rechte von uns allen
Streikt der Bahn auf den Schienen
wird es uns uns allen dienen
Verteigt die Rechte von uns allen.

Wenn auch die Studierenden sich verweigern
wird das auch unseren Enthusiasmus steigern
Das wird wirklich interessant dann sein
Wenn nach nunmehr vierzig Jahrzehnten
die ganze Jugend ruft wieder ihr „Nein“
gegen die Spaltung nach den Moneten.
Wenn auch die Studierenden streiken
Wir der Streik auch viele andre erreichen
Er wird zum „Nein“ aller Menschen werden
die sich gegen den Sozialabbau wehren.

Wird kein Flugzeug in die Luft gehen
Weil sie dort mehr Geld wollen sehen
Wird dass eine schöne Verbindung ergeben
Mit den Beamten, die auch in Streik treten
um ihre soziale Einrichtung zu retten
Angestellte im öffentlichen Dienst anregen
die wollen, dass ihre Arbeit auch funktioniert
nicht zum Opfer der Sparhaushalte wird
und sie mit den Spitzhaken der Medien begräbt.
(…)
Ein lebenswertes Leben für alle ist das Ziel
Gegen eine Regierung, die dem nicht dient;
die lebt von permanenten Lügen
die’s gewohnt ist Menschen zu betrügen.
Gegen die Härten der Sparpolitik
des Präsidenten der Reichen der Republik
der Streik wird uns zur Ehre gereichen.
Gemeinsam werden wir unsere Zielle erreichen
Am Ende des Streiks werden wir alle zusammen sein
Das ganze Volk in Aktion zur gleichen Zeit
Wird deren Maßnahmen ablehnen
Gemeinsam seine Stimme erheben.

…. oder so! Oder nicht!
Bonne chance pour la France insoumise!

Die lächelnde Kraft

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Lächeln aus Jasmin

Lass dein Lächeln nicht verklingen
Tausendfach erwächst die Kraft,
Starre Masken zu bezwingen,
Menschen sie zu Siegern macht.
– Dein Lächeln, deine Kraft.

Freitags auf die Straße ´raus
Sie wird zu aller Hoffnungsort
Lachend , singend, rufst du aus
„Maskenmänner müssen fort!“
– Dein Lächeln fest im Herz!

Macht steht drohend starr am Rand
Wenn die Menschen so marschiern
Schilder, Knüppel in der Hand
Nichts bringt sie zum Pariern.
– Dein Lächeln wird zur Macht!

Solidarisch soll‘s gelingen
Frauen, Männer – eine Kraft
Panzer können sie nicht zwingen
Dein Lächeln die Gewalt bestraft.
– Das Lächeln aus Jasmin!

 

Siegbert Schwab 19/11
(anlässlich der 40. Freitagsdemonstration in Algerien in Folge)

 

Sterben in Raten

Der stirbt in Raten
der Sklave der Gewohnheit ist,
jeden Tag die gleichen Wege geht,
seine Marke nicht wechselt,
neue Farben nichtzu tragen wagt,
nicht mit dem spricht, den er nicht kennt.

Der stirbt in Raten
der die Leidenschaft meidet
der Schwarz lieber sieht als Weiß
oder nur die Punkte sieht auf den „i’s“
der nicht die Emotionen kennt
die die Augen zum Leuchten bringen
die das Gähnen zum Lächeln zwingen
die das Herz höher schlagen lassen
trotz aller Irrtümer des Gefühls.

Der stirbt in Raten
der nichts auf den Kopf stellt
unzufrieden seine Arbeit macht
seine Sicherheit nicht riskiert
um seinem Traum zu folgen
der es ständig vermeidet
wenigstens einmal im Leben
den klugen Ratschlägen zu entrinnen.

Der stirbt in Raten
der nicht reist,
der nicht liest,
der keine Musik hört
der sich selbst keine Gnade gönnt.

Der stirbt langsam,
der die Selbstliebe zerstört,
der jede Hilfe von sich weist.

Der stirbt in Raten
der sich täglich nur beschwert.
über Unglück, den Regen, das Wetter.

Der stirbt in Raten,
der ein Projekt aufgibt
bevor es beginnt,
der keine Fragen stellt
zu dem er nichts weiß,
der nicht antwortet
wenn man ihn fragt.
er aber etwas zu sagen weiß.

Umgehe den Tod in kleinen Raten
erinnere immer daran, dass wir leben
diese Anstrengung
ist weitaus größer
als einfach zu atmen.

Nur die glühende Geduld
bringt uns zum Ziel
des wunderbaren Glücks.

Dein Lächeln

Nimm mir das Brot weg, wenn du willst
Nimm die Luft aus mir heraus, aber
Entziehe mir nicht dein Lächeln.

Nimm mir das Brot weg, wenn du willst
Nimm die Luft aus mir heraus, aber
Entziehe mir nicht dein Lächeln.

Nimm mir nicht die Rose ab
Den Speer, den du entfesselst,
Das Wasser, das so plötzlich
Als große Freude herausbrach,
Die plötzliche Welle
Aus Silber, die dir entspringt.

Mein Kampf ist hart, ich komme zurück.
Mit müden Augen,
Sah ich es schon oft
Das Land, das sich nicht ändert.
Aber wenn dein Lächeln erscheint.
Komme ich in Himmel und suche nach dir
So öffnen sich mir mein Leben lang
Die Tore zum Leben.

Meine Liebe, in der Stunde
Dunkelster Nacht
Plötzlich seh ich dein Lächeln
Es ist meine Blutmaschine
Es wird zu Pflaster meines Weges
Lache, denn dein Lächeln
Es wird für meine Hände sein
Wie ein neues Schwert.

Im Herbst in der Nähe des Meeres
Wird sich dein Dein Lächeln ergießen
Als schäumender Wasserfall,
Und im Frühling ist es dieLiebe.
Ich will dein Lächeln.
Es ist die Blume, die ich erhoffte,
Die blaue Blume, die Rose
Meines geliebten Lands.

Lach es nachts noch einmal,
Des Tages, in den Straßen
Auf der Insel.
Gib es diesem groben Kerl
Der dich liebt.
Wenn ich meine Augen öffne.
Und wenn ich sie schließe,
Wenn sich meine Schritte entfernen,
wenn meine Schritte kehren zurück,
Entziehe mir das Brot, die Luft,
Das Licht, den Frühling,
Aber dein Lächeln enhalte mir nie.
Ohne es müsste ich sterben.

(Nach Pablo Neruda – Il tuo sorriso)

Wer stirbt?

Der stirbt langsam,
der nicht liest,
der keine Reisen kennt,
der nicht Musik genießt,
der sich selber keine Gnade gönnt.

Der stirbt langsam
der sich selbst nicht achtet,
der Hilfe von sich weist.

Der stirbt langsam,
für den Gewohntes zählt
der immer gleiche Wege geht,
der niemals andre Marken wählt
stets in gleicher Farbe seine Kleidung trägt.
nicht mit denen redet, die er nicht kennt.

Der stirbt langsam,
der sich dem Gefühl der Leidenschaft enthält,
des frohen Silberstrahls Glanz
der der Augen Blick erhellt
und der macht zerbrochene Herzen ganz.

Der stirbt langsam,
der das Rad nicht weiter dreht,
wenn er sein Unglück deutlich spürt
bei der Arbeit, bei dem was er liebt
Der seine Sicherheit nicht riskiert
wenn er sich seinem Traum hingibt.
der ständig im Leben vermeidet
das er dem klugen Rat ein Schnippchen schlägt…

(nach Martha Medeiros – Quién muere? )