Überfall

Tagelang der kühle Wind
Fragt man, wo die Mücken sind.
Saßen auch daheim im Haus
Kess blickte eine um die Ecke
Streckte Bein und Flügel raus
Fühlte Kühle und sie schreckte
Vor diesem Wetter doch zurück.
Blieb in ihrer Ecke, die liebe Mück.

Nach dem feuchten Regen
Kommt warmer Sonnensegen
Die Menschen zieht es hinaus.
Tags und abends um so mehr.
Keinen hält es im Haus
Genießen Sommer, Strand und Meer
Mücken suchen auch ihr Glück
Kommt um die Ecke – böse Mück.

Abendstimmung am Meeresstrand
Zu genießen dort am Strand
Setz dich hin und blick umher
Wellenrauschen sanft und leise
Freust dich des Abends doch so sehr.
Auch die Mücken kommen haufenweise.Die Mücken sehnen sich nach Blut
Zurück in die Ecke, du Mückenbrut!

Lange hälst du es nicht aus.
Um dich schlagend rennst du nach haus.
Mücken stechen dich an allen Stellen
Durch Kleidung geht mancher Stich.
Dir ist nicht mehr nach Meereswellen,
Nach Strand und Abendlicht
Tausendfach ist die Mückenbrut
Freuen sich, besaufen sich mit deinem Blut.

Siegbert Schwab 19/07

Die nackte Unwahrheit

Weissenbach Theater

80 Zuschauerinnen im „Maschinenhallen-Theater“ auf dem Gsöllhof bei den Weissenbacher Theatertagen. Die dritte Vorstellung von „Zwei Männer ganz nackt“ brachte wieder ein volles Haus. Auch wenn man im Theater immer mehr Frauen als Männer antrifft, überwogen die Frauen bei diesem Stück bei weitem.

Möchte wohl die eine oder andere die Frage beantwortet wissen, was zwei Männer ganz nackt machen und ob sie sich auch so auf die Bühne stellen. Die eine Frage sei zuerst beantwortet: Ja. Als Schurz diente bei beiden ein kleines Sofakissen, das die vordere Blöse alleine bedeckt. Ansonsten zeigten sich beide Männer unverhüllt im Rampenlicht.

Nun zum wesentlichen zweiten Frage. Wie findet man eine Erklärung für die Situation, dass man abends um acht Uhr nackt auf dem heimischen Sofa aufwacht und auf dem zweiten Sofa ein Angestellter im gleichen Kostüm liegt. Wie kann man seiner berufstätigen Ehefrau diese Situation erklären, wenn sie dazu noch ein Kondom auf dem Sofa findet? Weder der arrivierte Rechtsanwalt noch sein Angestellter können erklären, was sie in diese Lage brachte.

Schon nur einmal in dieser Situation sich wiederzufinden ist allen dreien zu viel. Wenn aber wenige Tage später dieselbe Situation sich noch einmal einstellt, dann erinnert das doch an das täglich schlafende Murmeltier.

Nichts wissend, viel erahnend und interpretierend. Das gilt für alle drei Personen. Wie sollen sie erklären, was sie sich nicht erklären können, wie sie in die Lage kamen? Oder geben sie einfach nichts zu?

Schwierig wird es für den Advokaten zu erklären, dass er sich nicht erklären kann, weil er sich selber nicht erklären kann, wie er in diese Situation gekommen ist. Weil er nicht mal weiß, was vorher war. Nicht mal der allwissende Terminkalender hilft wirklich bei der Rekonstruktion des Gedächtnisses. Dem nackten angestellten Steuerrechtsexperten geht es nicht besser.

Was macht der Mensch, wenn er sich nicht erklären kann, es aber sollte?
Er greift auf Erfahrungen, Bilder; Erlebnisse und Stereotypen zurück und hat dann sofort eine Erklärung für das „Offensichtliche“. Zwei nackte Männer auf dem Sofa und ein Präsernativ bedeutet, dass zwei Schwule miteinander geschlafen haben – ist doch klar! Oder sollte man versuchen, diese sich aufdrängende Erkenntnis durch eine erdachte Lügengeschichte umzudeuten?

Eine Lüge glaubhaft zu machen, wird schwierig und mitunter reichlich absurd und lächerlich. Dann wird es der Stoff für eine Komödie. Zumal die Partnerin noch bittet, sie niemals anzulügen. Sie könne jeden Seitensprung verzeihen, eine Lüge jedoch nicht. Was bleibt dem Advokaten in solchem Geflecht anderes als eine vorläufige und verwirrte Zustimmung.
Und die Frage stellt sich in ihm selber: Gibt es wirklich einen Seitensprung? Vielleicht auch mit einer Person (männlich oder weiblich), die wie ein Geist aus dem Terminkalender auftaucht? Alles Nachdenken und jegliche Recherche führt ins Nichts.
Könnte wenigstens ein Call-Girl (Julia Fassbender) in der Rolle der tauben Geliebten, den „Beweis“ für seine Heterosexualität erbringen? Auch diese Inszenierung für die Ehefrau arrangiert, erzeugt mehr Unglaubwürdigkeit als Klärung.

Jeder Versuch, sich selbst und sich gegenüber anderen zu versichern, jeder Versuch der Klärung wird zur Dekonstruktion des Selbst und der Bedingungen, die geordnet schienen und stellt nur neue Fragen in den Raum.

Was bleibt? – Keine Auflösung, kein Klärung, viele Vermutungen und Unklarheiten. Vielleicht kann man aber ein Geschäft daraus machen und erpresserisch seine Geschäftsanteil zu überhöhtem Preis an den angreifbaren Chef verkaufen? Was der tumbe, aber bauernschlaue Steuerrechtsexperte und Angestellte schnell erkennt. Oder man folgt der Aufforderung der verständnisvollen und verzeihenden Ehefrau, die unseren Advokaten auffordert, ihr ins Bett zu folgen. Darüber sollte er nun nicht allzu lange nachdenken… so scheint es!

Eine überzeugende Inszenierung der deutschen Fassung von Sebastien Thierys „Deux hommes tout nus“ durch Peter Fasshuber. Überzeugend auch in der Rolle des Rechtsanwalts Kramer. Christian Krall vermittelte den einfachen und auch „durchgeknallten“ Steuerrechtsexperten ebenfalls überzeugend. In der „Nebenrolle“ des Callgirls lässt uns Julia Fasshuber in Gestik und Mimik alle Gefühle durchleben. Und Ninja Reichert als Ehefrau mit offenbarte hohe Präsenz und nuanciertes Spiel.

Ein tolles Stück Theater mit einer tollen Truppe, die den fleißig und frenetisch gespendeten Beifall verdient hat.

19/08 Siegbert Schwab

Algerien – Der 23. Freitag – Der Hirak (Bewegung) geht weiter

Die Freitagsdemonstration am 26. Juli in Algier reagierte auf das von Staatspräsident zuvor eingesetzte „Panel der Persönlickeiten“, das einen „nationalen Dialog“ angesichts der Krise organisieren soll.
Während über Freilassung der politischen Gefangenen diskutiert wird, über Meinungs- und Pressefreheit, gibt es weitere Urteile gegen Demonstranten. Kein einziger politisch Inhaftierter steht vor der Gefängnisentlassung.
Ein Radio-Bericht von Siegbert Schwab

Klaus Beirich singt und spielt Gundermann

Seit Februar 2016 singt Klaus Beirich Lieder vom Baggerfahrer, Musiker und Dichter Gerhard „Gundi“ Gundermann (geb.1955 in Weimar, gest.1998 in Spreetal).

Mit seinen Liedern war Gundermann für die insbesondere im Lausitzer Kohlerevier arbeitenden Menschen einer von ihnen.

Klaus Beirich singt Gundermann

Seit Februar 2016 singt Klaus Beirich Lieder vom Baggerfahrer, Musiker und Dichter Gerhard „Gundi“ Gundermann (geb.1955 in Weimar, gest.1998 in Spreetal).

Mit seinen Liedern war Gundermann für die insbesondere im Lausitzer Kohlerevier arbeitenden Menschen einer von ihnen.
Gundi verwendete sich auch für den Erhalt der Umwelt und äußerte sich kritisch zu sozialen Problemen im Osten Deutschlands. Gundis Lieder spiegeln oft seine ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Leben, Sterben und Tod wieder.
Er trat solistisch mit Gitarre auf (z.B. Dresden, Club Passage) und war auch in verschiedenen Bandbesetzungen auf der Bühne zu erleben (z. B. „Gundermann und Seilschaft“ oder mit „Silly“). Auch wirkte er in Hoyerswerda in der Musik- und Theatergruppe „Brigade Feuerstein“ mit und verfasste Texte oder schrieb Lieder für Auftritte.

KBeirich -Foto Schwab 20190723

In der Prignitz (Krams) gab er kurz vor seinem Tod ein letztes Konzert. Er verstarb 1998 zur Sommersonnenwende unerwartet zu Hause.

Obwohl Klaus Beirich Gundi nie begegnet ist und nie bei einem seiner Konzerte war, ist er ihm dennoch „in sein Herz gefallen wie in ein verlassnes Haus“. Und da Gundi sein Wirken als „Tankstelle für Verlierer“ bezeichnete, so lädt er noch heute viele Menschen zum Auftanken ein.
Ein schönes Programm und dazu noch erläuterungem zu den Liedern und zur Vita von Gerhard Gunderman.


Im Folgenden 5 Mitschnitte vom Konzert im Henni-Lehmann-Haus am 23. Juli 2019 in Vitte/Hiddensee.

Klaus Beirich – Gras (Audiomitschnitt 2019-07)


Klaus Beirich – Zweitbester Sommer (Audiomitschnitt 2019-07)


Klaus Beirich – Blau und Blau (Audiomitschnitt 2019-07)


Klaus Beirich – Engel überm Revier (Audiomitschnitt 2019-07)


Klaus Beirich – Blau und Blau (Audiomitschnitt 2019-07)


Der Zweitbeste Sommer auf Facebook


 

 

Suboptimal

Er baut sich sein Häuschen,
Den Garten drum herum.
Macht er mal ein Päuschen
Soll’s ruhig sein um ihn rum.
Er kann doch wohl erwarten,
Dass man auf ihn Acht gibt
Dafür hat er seinen Garten,
In dem er die Ruhe liebt.

So wie er seine Welt gemacht hat
So wie er sich’s gedacht hat
So soll man es akzeptiern
Weil er hier die Macht hat
Die will er nicht verliern.

Er baut sich sein Geschäft auf.
Andere werden für in rackern.
Da hat er nun das Recht drauf
Das kann er nur erwarten.
Er kann doch wohl verlangen
Dass man für sein Geld was tut.
Er darf doch nicht bangen,
Dass man nur Erholung sucht.

So wie er sein Geschäft gemacht hat
So wie er es sich gedacht hat
So muss man’s akzeptiern.
Weil er hier die Macht hat.
Die will er nicht verliern.

Natürlich will er auch mal Urlaub.
Er geht in die Welt hinaus.
Dort verlangt er mit Verlaub
Es gehe ihm besser als zuhaus.
Menschen sollen es ihm richten
dass er hat die gute Zeit.
Er will auf nichts verzichten
darauf hat er sich so gefreut.

So wie er seinen Urlaub gern macht
So wie er sich’s gedacht hat
So soll man’s akzeptiern.
Hier hat er die Macht.
Die will er nicht verliern.

Wenn der Sklave seine Arbeit macht.
Wenn der Diener seiner Herrschaft dient.
Wenn du tust, was dein Chef ansagt
Du zufrieden bist mit dem Verdienst.
Dann ist die Welt gerecht und klar;
Dann gibt es keinen Streit
Dann ist alles wunderbar.
Überall ist nur Glückseligkeit.

Doch wie die Welt gemacht ist.
So wie man auf sie Acht gibt.
Ist es nicht optimal.
Wenn einer mal die Macht hat
Ist ihm alles andere egal.
– Er macht, und das ist fatal!

Siegbert Schwab 19/07

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

NIVEA

Hast ihn auf den Sims gestellt.
Mal überm Herd, mal überm Bett.
Hüten soll er deine Welt.
So wie es sich gehört.
Dafür blickst du zu ihm auf.
Hast ihn in dein Herz geschlossen
Und kannst ewig hoffen
Er bleibt bei dir, hütet dein Haus.

Er hat sich eingerichtet.
Steht aufrecht, präsentiert!
So dass man ihn offen sichtet
Bleibt immer für dich hier.
Setz sich auch mal an den Rand
und macht es sich bequem
Lässt seine Blicke um sich gehn
Schaukelt die Beine, stützt sich auf die Hand.

Die Gedanken schweifen fort
Finden Pfade bisher nicht geahnt
Bleiben nicht an diesem Ort.
Finden Welten, bisher nicht gekannt.
Wie ist es, wenn er Urlaub nimmt
Und geht auf die Reise?
Macht sich auf die Socken leise
Zu erfahren, was die die Welt noch bringt.

Erkundet nun die neuen Stätten
wo auch Götter werden aufgestellt
Manchmal sind es Götzen.
Gehören auch in diese Welt.
Wie wär es mit einem andren Herd?
Wie wär es mit einem andren Bett?
Wo man ihn findet nett.
Wo man ihn auch begehrt.

Die Welt hat viele Götter
Such dir einen für dein Haus
Doch du bist allein dein Retter
Ein Gott, der hilft nur aus.
Dein Haus bestellst du selber
Für dich richtest du es ein
Da Hilft kein Gott im Schrein
Im Haus da brauchst du einen Helfer.

Sie stehen dir zur Seit
Hausgott oder Helfer
Richten musst du es selber
Mach was aus deiner Zeit!

Siegbert Schwab 19/07

VARIATIONEN ÜBER DAS ROSAROTE LEBEN

In Ordnung ist fast nichts auf der Welt.
Krieg, Terror, Ungerechtigkeit und Leid.
Du siehst es offen weit und breit.
Klar, dass dir das nicht gefällt.
Was zu änderen wär, ist klar.
Doch es geht nicht, sagt man dir.
Weil es immer schon so war.
Sorg für dich und bleib bei dir.

Das rosarote Leben
Gib es nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld.

Such dir deine Ecke, für dich gemacht.
Deine Freiheit ist für dich.
Das Drumherum zählt nicht.
Widerstand sei nicht angebracht.
Du lebst dein Leben frank und frei.
Sperrt man andre dafür in den Knast.
Das sei dir doch einerlei.
Solange du dein Leben hast.

Das rosarote Leben
Gib es nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld.

Denk nicht, du bist nicht gelenkt.
Man sagt schon, was dir zusteht,
Wenn‘s um diese Ordnung geht.
Denk nur weiter, was man denkt.
Nichts zu ändern, es bleibt wie es ist.
Jeder sorgt für sich allein
Bleibt bei dir, sei selbstverliebt.
Deine Freiheit, soll nur deine sein.

Das rosarote Leben
Gib es nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld.

Von der buntebemalten Warte aus
Ist es logisch und nur konsequent,
Dass man Freiheit nicht den andern gönnt.
Bedroht fühlst du dein Haus.
Würden die sich selbst bestimmen,
Über ihren Reichtum selbst verfügen,
Müsste man darüber sinnen
Dass wir uns in eigene Taschen lügen.

Das rosarote Leben
Gib es nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld
.
Deine Unfreiheit, sie ist im Kopf
Für andere bestimmt sie das Leben
Darum kämpfen sie dann eben!
Du kratzst dich dann am Schopf.
Beginnst mit dieser Welt zu hadern
Sie greifen in vertraute Ruhe ein
Weil sie dein schönes Haus belagern
Wie können die so garstig sein!

Das rosarote Leben
Gib es nicht auf soeben
Behalt bei dir, was zählt
Dein Leben, die Liebe und dein Geld.

Siegbert Schwab 19/07