Was geschieht…

„Wenn ein Text in die Gedanken fällt.“
So die schöne Formulierung einer Autorin während ihrer Lesung. Was mir dazu einfiel…

Was geschieht, wenn Licht in deine Augen fällt?
Was geschieht, wenn Klang in deine Ohren dringt?
Was geschieht, wenn dich etwas  berührt?

Was passiert, wenn Worte im Gedächtnis bleiben?
Was passiert, wenn ein Bild in deinem Kopf entsteht?
Was passiert, wenn ein Gedanke sich in dir entwickelt?

Was muss sein, damit du ES in Sätze formst?
Was muss sein, damit ein Text entsteht?
– Ein Text in die Gedanken fällt.

Schwab 20/07

Cliff

Große, kleine bunte Steine
Vom Wasser angeleckt
Die Sandwand ragt empor
Brauner Sand liegt schmal davor

CLIFF
Große, kleine bunte Steine
Vom Wasser angeleckt
Die Sandwand ragt empor
Brauner Sand liegt schmal davor
Büschelweise trocknes Gras ihn deckt
Dort bist du fast alleine.
Mauersegler schwärmen
Löcher oben in der Wand
Jagen durcheinander in der Luft
Höhlenbrut nach ihnen ruft.
Der weil sich im Sand
die Mückenscharen wärmen.
Die Gestalt am Strand
gebückt in den Steinen wühlt
Durchschüttelt auch das Gras
Suchend starrend – „Wo ist was?“
Vom Meer herangespühlt
Wartet hier an Land.

 

 

Swa 19/07

Wo der Norden endet

Wo der Norden endet
Und der Süden seinen Anfang nimmt
Ist ein Äquator, der verbindet,
Oder die Welt in Welten trennt.

WO DER NORDEN ENDET

Wo der Norden endet
Und der Süden seinen Anfang nimmt
Ist ein Äquator, der verbindet,
Oder die Welt in Welten trennt.

Den Pol im Norden gibt es nicht
Ohne sein Pendant im Süden.
Der reiche Norden wär nicht reich,
Ohne seinen armen Süden.
Die Reichen oben, wär’n nicht reich,
Teilten sie mit denen unten,
Was man gemeinsam hat erreicht.

Wo der Norden endet,
Und der Süden seinen Anfang nimmt,
Ist eine Naht, die verbindet
oder eine Grenze, die uns trennt.

Manche Orte sind Bastionen,
Die den Durchlass kontrollieren
Sie öffnen, schließen ihre Tore
Entscheiden, wer wird zurückgewiesen;
Wer darf in welche Richtung frei passieren,
Das wird so aus der Ferne schon entschieden
Wen man schützt oder vor die Tore weist.

Wer entscheidet, wo der Norden endet
Und der Süden nun beginnt.
Ob der Äquator nun verbindet
Oder die Welt in Welten trennt.

Die Trennung nutzt wohl denen
Die ihren Vorteil nur beschützen,
Die auf Kosten anderer
Die Welt für sich benützen.
….
STELLT EUCH MAL FÜR VITTE VOR:
Das Ostseehotel, wir würden’s restaurieren
zur Trutzburg, zur Bastion!
(Es steht am Süderende, wo begint der Norden)…
Oder bleibt es besser als Ruine,
Denn Grenzen gibt’s genügend schon.

Wo der Norden endet,
Und der Süden seinen Anfang nimmt,
Ist eine Naht, die verbindet
oder eine Grenze, die uns trennt.

Schwab 2020/07

Hiddensee l Gedichte Gedanken Notizen
#vitte

Die Welt der Politik

froschDie Welt der Politik, sie ist uns fremd.
was uns bewegt, ist eine andre Welt.
Verstehen nicht, was ihr da mit uns macht.
Wir stehen nebenan und seh’n nicht ein,
Welches Interesse soll da sein.
Das System ist weit von uns entfernt.
Da wollen wir bestimmt nicht sein.

Demokratie ist nur ein Zettel,
Den wir alle in die Urne stecken.
Es wird gewählt, gezählt und delegiert.
Wir mischen uns nicht weiter ein,
Als Experten macht ihr alles fein.
Wir schauen zu, was dann passiert.
Hoffend, ihr brockt uns nichts schlimmes ein.

Was mit der Welt im Ganzen so geschieht,
Durschau’n wir nicht , ist viel zu kompliziert;
Aus Geschichte kennen wir Geschichten.
Zu gewichten, was wirklich wichtig wär,
Belastet unser Leben doch zu sehr.
Lasst es die da Oben für uns richten.
Lasst das Leben leicht, macht es uns nicht schwer.

Global sei diese Welt, wird uns erzählt.
Wir nehmen’s, wenn auch nicht selbst gewählt.
Es lohnt sich nicht, so viel zu fragen,
Wie es war und nun geworden ist?
Sag‘ nur, was ist gut und was ist Mist.
Allein an dir hast du schwer zu tragen.
– Wart‘ nur ab, bis dich die Prinzessin küsst.

 

Schwab 20/06

(H)auch

(H)auch

Aber wird man sagen,
Sein ist besser als nur Haben
Deutlich klar im hellen Licht besehen
Auch im Dunkel spürst du diesen Hauch
Hartes Herz mit weicher Haut versehen
Wohlgefühl aus deinem Bauch.

Aber alles ist doch ohne Sinn
Ohne Arbeit wächst auch kein Gewinn.
Deutlich klar sagt diese Welt:
Knüppel hart und du wirst glücklich,
Kämpfe um die Macht und Geld!
Oder beug dich oder bück dich.

Horche auf den Hauch im Wind.
Höre hin, erahne, was er singt.
Er weckt in dir Gefühle.
Dafür zahlst du kein Geld.
Biete Ruhe, halte stille.
Spüre diesen Hauch der Welt.

Schwab 20/05

Armer Rutebeuf

Wo sind meine Freunde hin?
Ihre Nähe ist tief in mir drin
Hab sie geliebt
Nun hat sie die Zeit ausgesiebt
Wegetragen sind sie vom Wind.
Tot ist die Liebe
Die Freunde vom Wind vertrieben
Er wehte vor meinen Türen
und nahm sie mit.

Mit der Zeit wird der Baum sterben
Wenn sich die Blätter verfärben
Wie nicht zu Grunde gehn?
wie ist diese Armut durchstehn
Wie die vielen Kämpfe bestehn.
Wenn Winter anbricht
Glaubt es nicht , wenn man euch erzählt
dass ich mich blamierte vor der Welt
so ist es nicht!

rutebeufWo sind meine Freunde hin?
Ihre Nähe ist tief in mir drin
Hab sie geliebt
Nun hat sie die Zeit ausgesiebt
Wurden wegetragen vom Wind.
Tot ist die Liebe
Das Übel kommt nicht von allein
Alles, was mir dazu fällt ein:
Es ist geschehen.

Schlechte Gedanken verwehre
Gott gab den König der Ehre
Und schlechte Rente.
Kalt bläst um den Hintern der Wind
Der Wind der mich fortragen wird
Die Liebe ist tot
Die Freunde vom Wind vertrieben
Er wehte vor meinen Türen
und nahm sie mit.

So hoffe ich auf das Morgen
und freu mich darauf.

Nach Leo Ferré – Pauvre Rutebeuf
Übertragung Siegbert Schwab 20/04

Wünsch dir was… oder die Welt der Algorithmen

unheimliche-macht-algorithmen-100~1280x720 (3)Es wär so wunder-, wunderschön,
würd’s nur auf deinen Wunsch hin gehn.
Mancher wurde Vater,
doch nur ein Gedanke kam ans Licht.
So ist das im Leben; ohne die andere, –
die Mutter geht es nicht.
Und manches Mal kam zusammen auch nichts raus –
oder im Gegenteil,
ganz ungewünscht wurde doch was draus!

Es wär so wunder-, wunder bar,
wär‘ das Leben doch nur wunschlos klar!
Man wüsste stets und allemal,
wo man ist und wie es weiter geht.
Als wär’s so eingerichtet,
dass alles um dich selber dreht!
Das Zentrum unsrer Welt wärst du stets und immer.
Wär das wirklich schön?
Schwindlig dabei werden, ist noch schlimmer.

Die neue Welt ist heute brav;
Großer Bruder sagt dir Tag für Tag,
was du tust und magst-
wie du dein Leben zu gestalten hast.
Entscheiden nimmt er ab,
von deinen Schultern diese schwere Last.
Dein Leben ist dann bürdenlos und schön beschwingt
oder im Gegenteil
Für dich schwer, – andern es den Reichtum bringt.

Genieß das Leben ohne Sorgen schön und leicht
oder im Gegenteil:
Ertrag‘s, was anderen zur Macht gereicht.

 

Schwab, 20/05

Am Strand entlang

WP_20160814_15_17_48_Pro 1Vor dir das Meer, das du da siehst,
Hast alles, du willst kaum mehr.
Die Brise, die du verspürst,
treibt sie Wolken vor sich her,
Füße vom salzigem Wasser weich umspült,
Feuchter Sand von Sohlen direkt erfühlt.
Willst du noch mehr?

Tausend feuchte Glitzerperlen
Heiße Sonne wärmt die Haut
Nach dem Bad in den Wellen
Die Luft sie als Tropfen saugt.
Der Wind kosend über deine Haare streicht
du fühlst dich locker, weit entrückt und leicht.
Gibt es noch mehr?

Dann nix wie hin, die Nixe sagt.
Nichts hält sie vom Wasser ab.
Keine Zäune, keine Schranken,
Es gilt kein Zögern und kein Wanken.
An den Strand den ganzen Tag.

Was ich da sehe, fragt Wasserman.
Das hält seinen Blick im Bann
Von der Düne ganz am Rande
Es bewegt ihn der Gedanke:
Mit ihr spazier‘n am Wasser lang!

Hüte dich vor COVID

Bin mit schlechten Gefühl aufgewacht,
Ich hatte einem großen Kater.
Im Fernsehen hat man heut gesagt,
Die Epidemie geht in die dritten Phase.

Bleiben Sie jetzt brav zu Haus!
Wir machen alle Schulen dicht.
Kinderquälern geht die Arbeit aus.
Sie üben sich nun im Verzicht.

Hüte dich vor COVID

Mein Chef, diese alte Kanaille,
Er gab mir seinen Segen,
Dass ich zu Hause arbeite
Fünf Jahre konnt ich ihn nicht bewegen.

Für ihn wär‘s eine Beruhigung
Dass ich immer für ihn da bin
Als Männchen von der Sozialversicherung…
Das muss man sich mal rein ziehn!

Hüte dich vor COVID

Zum Supermarkt mach ich mich auf
Wo ich meinen Einkauf mache.
Zahnpasta und Klopapier will ich auch
aber Seife ist nicht meine Sache

Nun sehe ich noch ein Paket
Küchenkrepp und wie das kratzt.
Klar ist, dass es nicht anders geht
Mit meinen Händen putze ich den Arsch.

Hüte dich vor COVID

Ging entlang den Champs-Elysées
Als ich auf die Demo stieß,
Etwas verstreut, was ich so seh.
Für die CRS ist’s ein spannendes Spiel.

Etwas unhygienisch, – die gelben Westen,
die ausgeschlagene Zähne auf der Erde lassen.
Zumindest die Bullen, die die Prügel setzen
tragen Handschuhe und auch Masken.

Hüte dich vor COVID

Seh den Nachbarn mit Paketen in den Armen
voller Maccaroni und auch Farfalle…
Habe schon ein wenig Erbarmen
für die Armen in Italien alle.

Europa macht seine Grenzen dicht
Brüssel zeigt sich verduzt
Abgeordnete hüsteln vor sich hin
Blöde –  hätt man die Chance nicht genuzt!

Hüte dich vor COVID

Ich wollte mich selber informieren…
Auf Facebook und Instagram
Konnt mein Unwissen nicht kurieren
Bleibe unwissend gesund und nicht krank

Es stell sich heraus, dass der Virus
auch zu heftigem Durchfall führt
Es ist ärgerlich, denn mein Anus…
hat noch  nie so eine Grippe verspürt.

Hüte dich vor COVID

Wenigstens haben die Frauen Glück
sie werden nun  geachtet.
Bisher wies man sie stets zurück
Nun werden sie als gleich betrachtet

Die Männer stellen sich nicht besser
Die Korona behandelt alle gleich
trennt nicht zwischen Frauen- und der Männerwelt
jeder zahlt den selben Preis.

Vorsicht vor COVID

Wenn ich in die Apotheke gehe
Präservative sind nicht mehr dort,
Die Regale im gleichen Licht ich sehe –
Leer wie Macrons Reden und sein Wort.

Ich werde mich enthalten, ist klar,
beim Sex und der Gemeindewahl .
Wählen zwischen Pest und Korona?
Marschiert man mit der Front National?

Hüte dich vor COVID

Übersetzung S. Schwab (Gautier sans H nach Georges Brassens: Gare au Gorille) 20/04

Eierleger…

Für die Eierleger kann’s kaum besser sein.
Keiner sieht auf  die Finger beim Verstecken.
Machen ihr Geschäft ganz ungestört allein.
Das Eierlegen hinter Zaun und Hecken.
Ostereier liegen draußen gut versteckt.
Bis man nach langer Suche sie entdeckt.

Menschen treten einzeln aus dem Haus.
Blicke schweifen suchend in die Ecken.ostereiverst02b
Sie machen manches Ei nicht aus.
Die bleiben liegen in den Verstecken.
So manches Ei wird nicht erspäht.
Wie es mit ihm wohl weiter geht?

Im Juni findet sich das Osterei
Bei der ersten Maht der Wiesen.
Des Schnitters Sense hackte es entzwei
Gestank und Moder sich ergießen.
Was man nicht an Ostern fand.
Stinkt im Juni übers ganze Land.

Schwab 2010/4