Endlich wieder tanzen!

Wir werden nicht vor Leuten ducken,
Die auf Vernunft nur spucken,
Händler mit der Angst im Überfluss,
Unanständig bis zum Überdruss
Wir kennen die Distanz, die sein muss.

Wir wollen endlich wieder tanzen.
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben
Oh, nein, nein, nein, nein, nein.
Wir wollen endlich wieder tanzen,
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden  leben

Frei wie die Vögel weiterziehen
Nie wirklich weise, nie sich fügen
An keinen Treueschwur gebunden
Nicht schweigen in den Morgenstunden
Zum Reden haben wir uns eingefunden

Wenn abends übern Fersehapparat
Der gute König zu uns sprach,
Das Urteil uns verkündet hat,
Respektieren wir‘s auf keinen Fall
Doch mit Eleganz auf jeden Fall.

Wir wollen endlich wieder tanzen.
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben
Oh, nein, nein, nein, nein, nein.
Wir wollen endlich wieder  tanzen,
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben

Im Bus, der Metro und im Supermarkt,
Selbstbescheinigt man nur dorthin darf
Jeden Blödsinn gibt’s nur auf Rezept.
Aber wehe dem, der selber denkt.
Wehe dem, der aus der Reihe tanzt

Diese starre Obrigkeit,
Dieser Hang zur Sicherheit,
Vertrauen kann man ihr nicht schenken
Wo sie doch nur daran denken
Unsere Freiheit einzuschränken

Wir werden nicht vor Leuten ducken,
Die auf Vernunft nur spucken,
Händler mit der Angst im Überfluss,
Unanständig bis zum Überdruss
Wir kennen die Distanz, die sein muss

Die unsrer Gesundheit wirklich nützt,
unsre Psyche, Umwelt und Soziales schützt
Unser Lächeln und die Intelligenz,
Ohne Widerstand, und Präsenz
Werden wir nur Instrumente der Demenz

Wir wollen endlich wieder weiter tanzen.
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben
Oh, nein, nein, nein, nein, nein.
Wir wollen endlich wieder weiter tanzen,
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben.

Nach dem Text von HK et les Saltimbanks 21/12  –  Comp. Calogero 2015 – Danser Encore


Link zum offiziellen Youtube-Video

Und der Flashmob im Pariser Gare de l’est

Der Wein ist nicht gleich kalt


„Wir gehen zwei‐ bis dreimal in der Woche in die Besenwirtschaft“, erzählt Albert. Seine Luise nickt heftig und ergänzt: „Das reicht uns für die ganze Woche und ich muss nicht kochen“.
Wilhelm, der seinen Opel neben dem Mercedes des Rentnerehepaars geparkt hat, hört interessiert zu, während Luise ihre große schwarze Lederhandtasche mit den Messingbeschlägen auf die Rückbank des Turbodiesels stellt.

Alle drei haben es dieses Mal nicht besonders eilig. Wilhelm steckt sich eine Zigarette an und wird von Luise missbilligend daran erinnert, dass das Rauchen ja so ungesund sei. Wilhelm ignoriert die Bemerkung Luises wie gewohnt und fragt durch die Rauchwölkchen: „Drei Mal die Woche? Und das reicht? Esst ihr an den anderen Tagen nichts?“
„Doch schon. Mein Albert soll ja nicht vom Fleisch fallen. Und ich esse doch auch sehr gerne.“ Hier ergänzt Albert: “Luise hat doch immer ihre Handtasche mit den Tupperschüsselchen dabei.“
Wilhelm kennt Luise nicht ohne ihre schwarze ausgebeulte Handtasche, die immer an ihrem Arm hängt. Nun wirft er einen Blick in den Mercedes auf die sichtbar volle Tasche. „Da geht ja sicher ordentlich was rein.“
Luise nickt und schränkt ein: “Es ist ja alles teurer geworden. Dennoch wir leisten uns einfach die Besenmahlzeiten. Das Essen bei den Winzern schmeckt uns beiden. Einen guten Wein gibt es auch dazu. Da kann man nichts sagen!“
Albert wirft sofort ein: “Das darfst du aber nicht so laut sagen. Man kennt das ja ‐ nicht geschimpft ist so gut wie gelobt. Und wenn die Besenwirte noch gelobt werden, dann erhöhen sie vielleicht noch die Preise für die Schlachtplatte, und das Salzfleisch.“
„Ich esse ja gerne ein Schnitzel mit Kartoffelsalat. Und in die Käsespätzle könnte ich mich reinsetzen.“
Wilhelm stellt sich dabei vor, wie groß die Portion sein müsste, damit Luises Hinterteil nicht alles verdeckt. Andererseits läuft ihm vor Appetit schon das Wasser im zusammen und er überlegt, was er nachher im Besen bestellen könnte.
„Also keinesfalls loben. Sonst werden die Besenwirte noch übermütig“, rät Albert. „Luise trinkt gerne einen Grauburgunder zum Essen. Ich bin ja eher Riesling‐Trinker – fruchtig‐trocken und vielleicht sogar als Spätlese… Manchmal reicht aber auch der Hauswein.“
„Schließlich muss man ja auch auf das Geld achten“, ergänzt Luise. „Heute habe ich mir aber den Grauburgunder bestellt und Albert seinen Riesling. Dabei betont Albert immer, ‚Aber die obere Hälfte des Glases auch voll machen‘ und lacht den Besenwirt dabei an. Der stellt dann kurz darauf die randvollen Gläser vorsichtig vor uns auf dem Tisch ab.“ So Luises Bericht.
Und Albert setzt ihn fort „Dann muss ich bei beiden Gläsern erst mal abtrinken. Dabei sage ich zum Besenwirt ‐ er schreibt noch unsere Essenbestellung auf: ‚Der Wein ist aber nicht gleich kalt‘.
Der Wirt sieht mich irritiert an: ‚Und…?“ Stolz erzählt Albert, dass er dann immer darauf hinweise, dass man schon etwas an Qualität erwarten könne und das zeige sich schon darin, dass der Wein die gleiche Temperatur habe. Aber er sei da ja nicht so kleinlich. In der Besenwirtschaft könne er das akzeptieren.

In der Besenwirtschaft wurde nach gegebener Zeit die Schlachtplatte mit Sauerkraut für Albert und das Schnitzel mit Kartoffelsalat und eine zusätzliche Portion Käsespätzle für Luise auf den Tisch gestellt. Für beide war klar: Das schafften sie nicht auf einmal. Deshalb zog Luise die ersten zwei Tupperschüsselchen aus ihrer Handtasche und verstaute in der einen Käsespätzle und in der anderen Sauerkraut.
Da nun die Teller leer waren, orderten sie den üblichen Nachschlag. „Wird gemacht!“ bestätigte großzügig der Besenwirt. Dabei griff Luise wieder in ihre Handtasche und drückte dem Wirt zwei Tupperschüsselchen in die Hand: „Das können sie gleich einpacken!“

Wilhelm stellt mit einem schelmischen Lachen fest: „Ihr seid ja richtige Schlitzohren. Das trau ich mich ja nicht. Ich möchte es mir mit den Besenwirten nicht verderben.“
„Ach was“, beruhigt Luise, „Das nächste Mal gehen wir diese Woche zu einem anderen. Und überhaupt sind die auf uns als Gäste angewiesen. So genussfreudige Senioren sind bekanntlich eine umworbene Kundschaft…“

„Bezahlt werden muss schließlich doch.“ Albert denkt dabei an sein Portemonaie in der hinteren Hosentasche. Bei der Rechnung sage er immer „ganz allgemein“ in Anwesenheit des kassierenden Wirts: „Ach ja, die Zeiten sind lange vorbei, als man für 15 Mark zu zweit essen und trinken konnte“.
Er überlege dann, ob er nun 50 Cent, einen Euro oder gar kein Trinkgeld geben werde. Schließlich gebe es nicht immer eine hübsche Bedienung.

Luise hatte nochmal ihre Transporthandtasche aus dem Benz geholt und zeigt Wilhelm ein geschlossenes Tupperschüsselchen:“ Willst du mal riechen?“
„Nein danke, lass zu. Ich werde mir gleich was bestellen…“
Er verabschiedet sich und geht über den Parkplatz in Richtung des Eingangs zur Besenwirtschaft.
Albert rückt sich hinter dem Lenkrad des Benz zurecht. Luise schnallt sich auf dem Beifahrersitz umständlich an. Der Benz startet ohne vorzuglühen und rollt langsam über den Parkplatz. Luise hält stolz ihre Handtasche mit beiden Händen auf dem Schoß und an der Ausfahrt sagt sie zu Albert: „Rechts ist frei!“.

21/03

„Tut nichts! Er wird verbrannt“

Der mit Gewalt ein armes Christenkind
Dem Bunde seiner Tauf‘ entreißt! Denn ist
Nicht alles, was man Kindern tut, Gewalt?
Zu sagen: ausgenommen, was die Kirch‘
An Kindern tut.

„Tut nichts! Er wird verbrannt“

Lessing hat in Dialog des Tempelritters mit dem um Rat gefragten christlichen Patriarchen, des letzteren Charakter des unerbittlichen Glaubenseiferers und des inhumanen Ideologen – verbunden mit unterwürfigen Opportunisten- und Intrigantentum – bestens dargestellt.

Aus G. E. Lessing: Nathan der Weise

(…) Patriarch. Und wieviel mehr dem Juden,
Der mit Gewalt ein armes Christenkind
Dem Bunde seiner Tauf‘ entreißt! Denn ist
Nicht alles, was man Kindern tut, Gewalt?
Zu sagen: ausgenommen, was die Kirch‘
An Kindern tut.

Tempelherr. Wenn aber nun das Kind,
Erbarmte seiner sich der Jude nicht,
Vielleicht im Elend umgekommen wäre?

Patriarch.
Tut nichts! der Jude wird verbrannt! Denn besser,
Es wäre hier im Elend umgekommen,
Als daß zu seinem ewigen Verderben
Es so gerettet ward. Zudem, was hat
Der Jude Gott denn vorzugreifen? Gott
Kann, wen er retten will, schon ohn‘ ihn retten.

Tempelherr.
Auch trotz ihm, sollt‘ ich meinen, selig machen.

Patriarch.
Tut nichts! der Jude wird verbrannt.

Tempelherr. Das geht Mir nah‘!
Besonders, da man sagt, er habe
Das Mädchen nicht sowohl in seinem, als
Vielmehr in keinem Glauben auferzogen,
Und sie von Gott nicht mehr nicht weniger
Gelehrt, als der Vernunft genügt.

Patriarch.
Tut nichts! Der Jude wird verbrannt
Ja, wär‘ allein Schon dieserwegen wert, dreimal verbrannt
Zu werden! Was? ein Kind ohn‘ allen Glauben
Erwachsen lassen? Wie? die große Pflicht,
Zu glauben, ganz und gar ein Kind nicht lehren?
Das ist zu arg! Mich wundert sehr, Herr Ritter,
Euch selbst …

Tempelherr.
Ehrwürd’ger Herr, das übrige,
Wenn Gott will, in der Beichte. (Will gehn.)

Patriarch. Was? mir nun
Nicht einmal Rede stehn? Den Bösewicht,
Den Juden mir nicht nennen? mir ihn nicht
Zur Stelle schaffen? O da weiß ich Rat!
Ich geh sogleich zum Sultan. Saladin,
Vermöge der Kapitulation,
Die er beschworen, muß uns, muß uns schützen;
Bei allen Rechten, allen Lehren schützen,
Die wir zu unsrer Allerheiligsten
Religion nur immer rechnen dürfen!
Gottlob! wir haben das Original.
Wir haben seine Hand, sein Siegel. Wir!
Auch mach ich ihm gar leicht begreiflich, wie
Gefährlich selber für den Staat es ist,
Nichts glauben! Alle bürgerliche Bande
Sind aufgelöset, sind zerrissen, wenn
Der Mensch nichts glauben darf. Hinweg! hinweg
Mit solchem Frevel! …

Tempelherr. Schade, daß ich nicht
Den trefflichen Sermon mit beßrer Muße
Genießen kann! Ich bin zum Saladin
Gerufen.

Patriarch. Ja? Nun so Nun freilich Dann

Tempelherr.
Ich will den Sultan vorbereiten, wenn
Es Eurer Hochehrwürden so gefällt.

Patriarch.
Oh, oh! Ich weiß, der Herr hat Gnade funden
Vor Saladin! Ich bitte meiner nur
Im Besten bei ihm eingedenk zu sein.
Mich treibt der Eifer Gottes lediglich.
Was ich zuviel tu, tu ich ihm. Das wolle
Doch ja der Herr erwägen! Und nicht wahr,
Herr Ritter? das vorhin Erwähnte von
Dem Juden, war nur ein Problema? ist
Zu sagen

Tempelherr. Ein Problema. (Geht ab.)

Patriarch. (Dem ich tiefer
Doch auf den Grund zu kommen suchen muß.
Das wär‘ so wiederum ein Auftrag für
Den Bruder Bonafides.) Hier, mein Sohn!
(…)

Halloween dies Jahr

Gib was in den Sack
Nüsse mag ich nicht
Äpfel lehn ich ab
Süßes gern ich mag.

Halloween dies Jahr

Hallo, sag‘ ich mal
Wie geht es dir?
Schon wie letztes Jahr
Steh ich vor der Tür.
Maske vorm Gesicht
Beutel mit dabei
Bitte herzlich dich
Gib mir was hinein.

Beutel ist halbvoll
Singen kann ich nicht
Verse sind nicht toll
Trotzdem bitt ich dich
Gib was in den Sack
Nüsse mag ich nicht
Äpfel lehn ich ab
Süßes gern ich mag.

Bin ja noch so klein
Deshalb steh ich hier
Ernte ist vorbei
Teile was mit mir.
Weiß zwar nicht warum
Man mich zu dir schickt
Doch es kommt was rum
Wenn du Süßes gibst.

Hallo, sag ich mal
Gut geht es mir
So wie jedes Jahr
Steht ihr vor der Tür.
Maske vorm Gesicht
Trag auch ich diesmal
Hoff ihr schreckt euch nicht
Halloween dies Jahr.

Schwab 2020/10/31

Was geschieht…

„Wenn ein Text in die Gedanken fällt.“
So die schöne Formulierung einer Autorin während ihrer Lesung. Was mir dazu einfiel…

Was geschieht, wenn Licht in deine Augen fällt?
Was geschieht, wenn Klang in deine Ohren dringt?
Was geschieht, wenn dich etwas  berührt?

Was passiert, wenn Worte im Gedächtnis bleiben?
Was passiert, wenn ein Bild in deinem Kopf entsteht?
Was passiert, wenn ein Gedanke sich in dir entwickelt?

Was muss sein, damit du ES in Sätze formst?
Was muss sein, damit ein Text entsteht?
– Ein Text in die Gedanken fällt.

Schwab 20/07

Cliff

Große, kleine bunte Steine
Vom Wasser angeleckt
Die Sandwand ragt empor
Brauner Sand liegt schmal davor

CLIFF
Große, kleine bunte Steine
Vom Wasser angeleckt
Die Sandwand ragt empor
Brauner Sand liegt schmal davor
Büschelweise trocknes Gras ihn deckt
Dort bist du fast alleine.
Mauersegler schwärmen
Löcher oben in der Wand
Jagen durcheinander in der Luft
Höhlenbrut nach ihnen ruft.
Der weil sich im Sand
die Mückenscharen wärmen.
Die Gestalt am Strand
gebückt in den Steinen wühlt
Durchschüttelt auch das Gras
Suchend starrend – „Wo ist was?“
Vom Meer herangespühlt
Wartet hier an Land.

 

 

Swa 19/07

Wo der Norden endet

Wo der Norden endet
Und der Süden seinen Anfang nimmt
Ist ein Äquator, der verbindet,
Oder die Welt in Welten trennt.

WO DER NORDEN ENDET

Wo der Norden endet
Und der Süden seinen Anfang nimmt
Ist ein Äquator, der verbindet,
Oder die Welt in Welten trennt.

Den Pol im Norden gibt es nicht
Ohne sein Pendant im Süden.
Der reiche Norden wär nicht reich,
Ohne seinen armen Süden.
Die Reichen oben, wär’n nicht reich,
Teilten sie mit denen unten,
Was man gemeinsam hat erreicht.

Wo der Norden endet,
Und der Süden seinen Anfang nimmt,
Ist eine Naht, die verbindet
oder eine Grenze, die uns trennt.

Manche Orte sind Bastionen,
Die den Durchlass kontrollieren
Sie öffnen, schließen ihre Tore
Entscheiden, wer wird zurückgewiesen;
Wer darf in welche Richtung frei passieren,
Das wird so aus der Ferne schon entschieden
Wen man schützt oder vor die Tore weist.

Wer entscheidet, wo der Norden endet
Und der Süden nun beginnt.
Ob der Äquator nun verbindet
Oder die Welt in Welten trennt.

Die Trennung nutzt wohl denen
Die ihren Vorteil nur beschützen,
Die auf Kosten anderer
Die Welt für sich benützen.
….
STELLT EUCH MAL FÜR VITTE VOR:
Das Ostseehotel, wir würden’s restaurieren
zur Trutzburg, zur Bastion!
(Es steht am Süderende, wo begint der Norden)…
Oder bleibt es besser als Ruine,
Denn Grenzen gibt’s genügend schon.

Wo der Norden endet,
Und der Süden seinen Anfang nimmt,
Ist eine Naht, die verbindet
oder eine Grenze, die uns trennt.

Schwab 2020/07

Hiddensee l Gedichte Gedanken Notizen
#vitte

Die Welt der Politik

froschDie Welt der Politik, sie ist uns fremd.
was uns bewegt, ist eine andre Welt.
Verstehen nicht, was ihr da mit uns macht.
Wir stehen nebenan und seh’n nicht ein,
Welches Interesse soll da sein.
Das System ist weit von uns entfernt.
Da wollen wir bestimmt nicht sein.

Demokratie ist nur ein Zettel,
Den wir alle in die Urne stecken.
Es wird gewählt, gezählt und delegiert.
Wir mischen uns nicht weiter ein,
Als Experten macht ihr alles fein.
Wir schauen zu, was dann passiert.
Hoffend, ihr brockt uns nichts schlimmes ein.

Was mit der Welt im Ganzen so geschieht,
Durschau’n wir nicht , ist viel zu kompliziert;
Aus Geschichte kennen wir Geschichten.
Zu gewichten, was wirklich wichtig wär,
Belastet unser Leben doch zu sehr.
Lasst es die da Oben für uns richten.
Lasst das Leben leicht, macht es uns nicht schwer.

Global sei diese Welt, wird uns erzählt.
Wir nehmen’s, wenn auch nicht selbst gewählt.
Es lohnt sich nicht, so viel zu fragen,
Wie es war und nun geworden ist?
Sag‘ nur, was ist gut und was ist Mist.
Allein an dir hast du schwer zu tragen.
– Wart‘ nur ab, bis dich die Prinzessin küsst.

 

Schwab 20/06

(H)auch

(H)auch

Aber wird man sagen,
Sein ist besser als nur Haben
Deutlich klar im hellen Licht besehen
Auch im Dunkel spürst du diesen Hauch
Hartes Herz mit weicher Haut versehen
Wohlgefühl aus deinem Bauch.

Aber alles ist doch ohne Sinn
Ohne Arbeit wächst auch kein Gewinn.
Deutlich klar sagt diese Welt:
Knüppel hart und du wirst glücklich,
Kämpfe um die Macht und Geld!
Oder beug dich oder bück dich.

Horche auf den Hauch im Wind.
Höre hin, erahne, was er singt.
Er weckt in dir Gefühle.
Dafür zahlst du kein Geld.
Biete Ruhe, halte stille.
Spüre diesen Hauch der Welt.

Schwab 20/05

Armer Rutebeuf

Wo sind meine Freunde hin?
Ihre Nähe ist tief in mir drin
Hab sie geliebt
Nun hat sie die Zeit ausgesiebt
Wegetragen sind sie vom Wind.
Tot ist die Liebe
Die Freunde vom Wind vertrieben
Er wehte vor meinen Türen
und nahm sie mit.

Mit der Zeit wird der Baum sterben
Wenn sich die Blätter verfärben
Wie nicht zu Grunde gehn?
wie ist diese Armut durchstehn
Wie die vielen Kämpfe bestehn.
Wenn Winter anbricht
Glaubt es nicht , wenn man euch erzählt
dass ich mich blamierte vor der Welt
so ist es nicht!

rutebeufWo sind meine Freunde hin?
Ihre Nähe ist tief in mir drin
Hab sie geliebt
Nun hat sie die Zeit ausgesiebt
Wurden wegetragen vom Wind.
Tot ist die Liebe
Das Übel kommt nicht von allein
Alles, was mir dazu fällt ein:
Es ist geschehen.

Schlechte Gedanken verwehre
Gott gab den König der Ehre
Und schlechte Rente.
Kalt bläst um den Hintern der Wind
Der Wind der mich fortragen wird
Die Liebe ist tot
Die Freunde vom Wind vertrieben
Er wehte vor meinen Türen
und nahm sie mit.

So hoffe ich auf das Morgen
und freu mich darauf.

Nach Leo Ferré – Pauvre Rutebeuf
Übertragung Siegbert Schwab 20/04