OB und WEN man wählt?

Die Oberbürgermeisterwahl in der kreisfreien Stadt Neumünster in der Mitte Holsteins wirft ihre Schatten voraus. Wer soll es werden, der die Stadt(-verwaltung) führen wird? Der bisherige tritt nicht mehr an. Es ist Platz für neue Kandidatinnen und Kandidaten. Nicht nur der Ochsenweg führte einst als Pfad durch Neumünster, es gibt auch ausgetretene und gewohnte Pfade. Und sicher auch die Notwendigkeit neue Wege, Ziele und Visionen zu entwickeln, die allen Menschen in der Stadt eine Chance geben. Und da lohnt es sich gegen das Korsett zu stemmen, das den Kommunen stets umgeschnallt wird. Weiter so oder neue Wege her?

Wenn Herren…

Wenn Herren eine Dame präsentieren,
Dann steigt in mir die Skepsis auf.
Wenn die Herren immer so agieren,
– Selbstgenug und stets obenauf –
Als würde sie es nicht genieren,
Wie herrlich sie sich platzieren.
Wollen stets bestimmen, wie Welt nimmt ihren Lauf.

Alleine zwei, drei Firmen aufzubauen
Kinder auf die Welt zu bringen.
Das erweckt in mir noch kein Vertrauen
Damit wird es nicht gelingen,
Dass sie sich auch mit dem befasst,
Was sozial ist in der Stadt,
Der die alten Herren ihren Weg aufzwingen.

Diese Dame muss nun nicht Schlämmer heißen,
Wie einst der Horst aus Grevenbroich.
Kann sie selber eigne Wege zeigen?
Hat sie die Kompetenz, das Zeug,
Perspektiven zu entwickeln,
Ohne sich mit Herren zu verstricken?
Sich vor dem Bild der Welt der Herren nur verbeugt?

Wenn Grüne…

Wenn Grüne einen Kandidaten küren,
Dann steigt in mir auch Skepsis auf.
Wird der Herr auch so agieren,
Die Umwelt immer obenauf.
Dabei Soziales nicht verlieren
Den BürgerInnen präsentieren.
Dass sie bestimmen, wie die Welt nimmt ihren Lauf?

Allein mit allen reden, das reicht nicht.
Muss schon auf die Basis schauen.
Sie ist der Grund der Politik,
Der Anker für das Brückenbauen!
Nur die Predigt bring kaum weiter,
Sie wird schnell zur Himmelsleiter,
Auf Erden wird dann in den Sack gehauen.

Dieser Herr, es muss nicht der Kretschmar sein,
Der regiert sein Reich im Süden.
Die andere Sprache reicht nicht aus allein,
Auch Grüne können mal ermüden.
Steigen auf, wenn auch ganz sacht.
Sind sie mal endlich an der Macht,
Kann sich oben der klare Blick mal trüben.

Was macht die Tante …?

Wen wird die Tante präsentieren?
Sie wartet erst den Sommer ab.
Wird die Partei nun reagieren,
Auf’s Angebot, das der Grüne gab?
Mit dem Grünen sich verbinden
Statt was Eigenes zu finden.
Wer bestimmt nun, wie Welt nimmt ihren Lauf?

Einfach nur warten, das reicht nicht.
Vorwärts und stets nach vorn der Blick.
Oder langsam fahren, weil auf Sicht?
Geht‘s nicht vorwärts geht es zurück.
Von alleine geht’s nicht weiter,
Sucht auch nicht die Feuerleiter,
Wenn was brennt, facht es an oder löscht nur mit.

Will sich wirklich keiner finden,
Der in die Vorhut geht und bleibt?
Und mit den Menschen sich verbinden –
Das wär mal wieder an der Zeit.
Der nicht vor jedem Sachzwang kneift,
Und schon mal nach den Sternen greift,
Und dafür kämpft, dass es nicht beim Alten bleibt.

Schwab 2020/06

Die Welt der Politik

froschDie Welt der Politik, sie ist uns fremd.
was uns bewegt, ist eine andre Welt.
Verstehen nicht, was ihr da mit uns macht.
Wir stehen nebenan und seh’n nicht ein,
Welches Interesse soll da sein.
Das System ist weit von uns entfernt.
Da wollen wir bestimmt nicht sein.

Demokratie ist nur ein Zettel,
Den wir alle in die Urne stecken.
Es wird gewählt, gezählt und delegiert.
Wir mischen uns nicht weiter ein,
Als Experten macht ihr alles fein.
Wir schauen zu, was dann passiert.
Hoffend, ihr brockt uns nichts schlimmes ein.

Was mit der Welt im Ganzen so geschieht,
Durschau’n wir nicht , ist viel zu kompliziert;
Aus Geschichte kennen wir Geschichten.
Zu gewichten, was wirklich wichtig wär,
Belastet unser Leben doch zu sehr.
Lasst es die da Oben für uns richten.
Lasst das Leben leicht, macht es uns nicht schwer.

Global sei diese Welt, wird uns erzählt.
Wir nehmen’s, wenn auch nicht selbst gewählt.
Es lohnt sich nicht, so viel zu fragen,
Wie es war und nun geworden ist?
Sag‘ nur, was ist gut und was ist Mist.
Allein an dir hast du schwer zu tragen.
– Wart‘ nur ab, bis dich die Prinzessin küsst.

 

Schwab 20/06

(H)auch

(H)auch

Aber wird man sagen,
Sein ist besser als nur Haben
Deutlich klar im hellen Licht besehen
Auch im Dunkel spürst du diesen Hauch
Hartes Herz mit weicher Haut versehen
Wohlgefühl aus deinem Bauch.

Aber alles ist doch ohne Sinn
Ohne Arbeit wächst auch kein Gewinn.
Deutlich klar sagt diese Welt:
Knüppel hart und du wirst glücklich,
Kämpfe um die Macht und Geld!
Oder beug dich oder bück dich.

Horche auf den Hauch im Wind.
Höre hin, erahne, was er singt.
Er weckt in dir Gefühle.
Dafür zahlst du kein Geld.
Biete Ruhe, halte stille.
Spüre diesen Hauch der Welt.

Schwab 20/05

Armer Rutebeuf

Wo sind meine Freunde hin?
Ihre Nähe ist tief in mir drin
Hab sie geliebt
Nun hat sie die Zeit ausgesiebt
Wegetragen sind sie vom Wind.
Tot ist die Liebe
Die Freunde vom Wind vertrieben
Er wehte vor meinen Türen
und nahm sie mit.

Mit der Zeit wird der Baum sterben
Wenn sich die Blätter verfärben
Wie nicht zu Grunde gehn?
wie ist diese Armut durchstehn
Wie die vielen Kämpfe bestehn.
Wenn Winter anbricht
Glaubt es nicht , wenn man euch erzählt
dass ich mich blamierte vor der Welt
so ist es nicht!

rutebeufWo sind meine Freunde hin?
Ihre Nähe ist tief in mir drin
Hab sie geliebt
Nun hat sie die Zeit ausgesiebt
Wurden wegetragen vom Wind.
Tot ist die Liebe
Das Übel kommt nicht von allein
Alles, was mir dazu fällt ein:
Es ist geschehen.

Schlechte Gedanken verwehre
Gott gab den König der Ehre
Und schlechte Rente.
Kalt bläst um den Hintern der Wind
Der Wind der mich fortragen wird
Die Liebe ist tot
Die Freunde vom Wind vertrieben
Er wehte vor meinen Türen
und nahm sie mit.

So hoffe ich auf das Morgen
und freu mich darauf.

Nach Leo Ferré – Pauvre Rutebeuf
Übertragung Siegbert Schwab 20/04

Wünsch dir was… oder die Welt der Algorithmen

unheimliche-macht-algorithmen-100~1280x720 (3)Es wär so wunder-, wunderschön,
würd’s nur auf deinen Wunsch hin gehn.
Mancher wurde Vater,
doch nur ein Gedanke kam ans Licht.
So ist das im Leben; ohne die andere, –
die Mutter geht es nicht.
Und manches Mal kam zusammen auch nichts raus –
oder im Gegenteil,
ganz ungewünscht wurde doch was draus!

Es wär so wunder-, wunder bar,
wär‘ das Leben doch nur wunschlos klar!
Man wüsste stets und allemal,
wo man ist und wie es weiter geht.
Als wär’s so eingerichtet,
dass alles um dich selber dreht!
Das Zentrum unsrer Welt wärst du stets und immer.
Wär das wirklich schön?
Schwindlig dabei werden, ist noch schlimmer.

Die neue Welt ist heute brav;
Großer Bruder sagt dir Tag für Tag,
was du tust und magst-
wie du dein Leben zu gestalten hast.
Entscheiden nimmt er ab,
von deinen Schultern diese schwere Last.
Dein Leben ist dann bürdenlos und schön beschwingt
oder im Gegenteil
Für dich schwer, – andern es den Reichtum bringt.

Genieß das Leben ohne Sorgen schön und leicht
oder im Gegenteil:
Ertrag‘s, was anderen zur Macht gereicht.

 

Schwab, 20/05

Am Strand entlang

WP_20160814_15_17_48_Pro 1Vor dir das Meer, das du da siehst,
Hast alles, du willst kaum mehr.
Die Brise, die du verspürst,
treibt sie Wolken vor sich her,
Füße vom salzigem Wasser weich umspült,
Feuchter Sand von Sohlen direkt erfühlt.
Willst du noch mehr?

Tausend feuchte Glitzerperlen
Heiße Sonne wärmt die Haut
Nach dem Bad in den Wellen
Die Luft sie als Tropfen saugt.
Der Wind kosend über deine Haare streicht
du fühlst dich locker, weit entrückt und leicht.
Gibt es noch mehr?

Dann nix wie hin, die Nixe sagt.
Nichts hält sie vom Wasser ab.
Keine Zäune, keine Schranken,
Es gilt kein Zögern und kein Wanken.
An den Strand den ganzen Tag.

Was ich da sehe, fragt Wasserman.
Das hält seinen Blick im Bann
Von der Düne ganz am Rande
Es bewegt ihn der Gedanke:
Mit ihr spazier‘n am Wasser lang!

Hüte dich vor COVID

Bin mit schlechten Gefühl aufgewacht,
Ich hatte einem großen Kater.
Im Fernsehen hat man heut gesagt,
Die Epidemie geht in die dritten Phase.

Bleiben Sie jetzt brav zu Haus!
Wir machen alle Schulen dicht.
Kinderquälern geht die Arbeit aus.
Sie üben sich nun im Verzicht.

Hüte dich vor COVID

Mein Chef, diese alte Kanaille,
Er gab mir seinen Segen,
Dass ich zu Hause arbeite
Fünf Jahre konnt ich ihn nicht bewegen.

Für ihn wär‘s eine Beruhigung
Dass ich immer für ihn da bin
Als Männchen von der Sozialversicherung…
Das muss man sich mal rein ziehn!

Hüte dich vor COVID

Zum Supermarkt mach ich mich auf
Wo ich meinen Einkauf mache.
Zahnpasta und Klopapier will ich auch
aber Seife ist nicht meine Sache

Nun sehe ich noch ein Paket
Küchenkrepp und wie das kratzt.
Klar ist, dass es nicht anders geht
Mit meinen Händen putze ich den Arsch.

Hüte dich vor COVID

Ging entlang den Champs-Elysées
Als ich auf die Demo stieß,
Etwas verstreut, was ich so seh.
Für die CRS ist’s ein spannendes Spiel.

Etwas unhygienisch, – die gelben Westen,
die ausgeschlagene Zähne auf der Erde lassen.
Zumindest die Bullen, die die Prügel setzen
tragen Handschuhe und auch Masken.

Hüte dich vor COVID

Seh den Nachbarn mit Paketen in den Armen
voller Maccaroni und auch Farfalle…
Habe schon ein wenig Erbarmen
für die Armen in Italien alle.

Europa macht seine Grenzen dicht
Brüssel zeigt sich verduzt
Abgeordnete hüsteln vor sich hin
Blöde –  hätt man die Chance nicht genuzt!

Hüte dich vor COVID

Ich wollte mich selber informieren…
Auf Facebook und Instagram
Konnt mein Unwissen nicht kurieren
Bleibe unwissend gesund und nicht krank

Es stell sich heraus, dass der Virus
auch zu heftigem Durchfall führt
Es ist ärgerlich, denn mein Anus…
hat noch  nie so eine Grippe verspürt.

Hüte dich vor COVID

Wenigstens haben die Frauen Glück
sie werden nun  geachtet.
Bisher wies man sie stets zurück
Nun werden sie als gleich betrachtet

Die Männer stellen sich nicht besser
Die Korona behandelt alle gleich
trennt nicht zwischen Frauen- und der Männerwelt
jeder zahlt den selben Preis.

Vorsicht vor COVID

Wenn ich in die Apotheke gehe
Präservative sind nicht mehr dort,
Die Regale im gleichen Licht ich sehe –
Leer wie Macrons Reden und sein Wort.

Ich werde mich enthalten, ist klar,
beim Sex und der Gemeindewahl .
Wählen zwischen Pest und Korona?
Marschiert man mit der Front National?

Hüte dich vor COVID

Übersetzung S. Schwab (Gautier sans H nach Georges Brassens: Gare au Gorille) 20/04

Eierleger…

Für die Eierleger kann’s kaum besser sein.
Keiner sieht auf  die Finger beim Verstecken.
Machen ihr Geschäft ganz ungestört allein.
Das Eierlegen hinter Zaun und Hecken.
Ostereier liegen draußen gut versteckt.
Bis man nach langer Suche sie entdeckt.

Menschen treten einzeln aus dem Haus.
Blicke schweifen suchend in die Ecken.ostereiverst02b
Sie machen manches Ei nicht aus.
Die bleiben liegen in den Verstecken.
So manches Ei wird nicht erspäht.
Wie es mit ihm wohl weiter geht?

Im Juni findet sich das Osterei
Bei der ersten Maht der Wiesen.
Des Schnitters Sense hackte es entzwei
Gestank und Moder sich ergießen.
Was man nicht an Ostern fand.
Stinkt im Juni übers ganze Land.

Schwab 2010/4

La Chanson – Lutter en chantant

Lieder Aus Frankreich –  trifft  diesmal nur bedingt zu. In den Zeiten des Confinéments, des Eingesperrtseins, der Quarantäne schaue ich in die Welt. Lieder des Kampfes und des Widerstands gegen ungerechte Politik und Verhältnisse. Ausdruck der Revolte und einer Tradition der Revolte. In Frankreich wurden die Privatisierungspläne Macrons zur Sécurité Social, der Renten und des Gesundheitswesen bestreikt, in Chile gingen Millionen gegen die unzureichende soziale Fürsorge auf die Straßen. Aber auch die Anfänge der Neoliberalen Politik Thatchers in England werden berührt. Gilles Servat singt zu seinen Liedern : Nehmt die gute Tradition und tretet in deren Fußstapfen. Es ist das Volk, das spricht, und es ist seine Stimme…  – Und der Rest ist Mut (Manfred Maurenbrecher). Eine neue Ausgabe von La Chanson von und mit Siegbert Schwab (Sa, 4.4.20 und Wh, Mi, 8.4.20, 16 Uhr auf Radio Freequenns.at)

 

Und als Erinnerung:

La Chanson – On lâche rien (neue Protestlieder aus Frankreich)

„On lâche rien“ – „Wir geben nicht auf.
Der Widerstand gegen die Pläne und Vorhaben des Präsidenten Macron hat nicht nur die „Gelbwesten“ und den langanhaltenden Streik der Beschäftigten vor allem im öffentlichen Dienst hervorgebracht, sondern auch eine Reihe von Liedern, die der „Rebellion“ gegen die „Anti-Reformen“ einen Audruck verleihen. Das politische Chanson erblühte geradezu. Wobei auf eine lange Tradition in Frankreich zurückgriffen wird oder auch viel Neues entstanden ist.

Nachzuhören auf dem Broadcasting-Server der Freien Radios in Österreich (CBA)

 

 

Schule schafft …

„Morgens hat er recht und mittags frei…“
Weiß der Volksmund – denkt sich nichts dabei.
Wenn‘s um Schule und die Lehrer geht,
Redet jeder mit und fühlt sich kompetent
Weil er diese Anstalt auch von innen kennt.
Und seine Vorurteile mit sich trägt.
Von halbverdautem Wissen angeregt.

Dem Staat kostet die Schule Geld.
Auch die Lehrer habe sich d’rauf eingstellt.
Für Bildung sollen sie nicht ruhn
Ist die Profession, es ist ihr Job
So wissen‘s alle – oft nur ganz grob
Für die Kinder sollen sie was tun.
Und Nachmittags bestimmt nicht ruhn.

Doch, dass Wissen meist nicht reicht
Vergessen viele nach der Schule leicht
Gelernt hat man’s, wenn man‘s kann.
Wer nur halbes Wissen mit sich trägt
Damit seine Vorurteile weiter pflegt
Der bringt die Bildung nicht voran
Weil man weiß, dass er nichts kann.

So ist die Bildung nur ein Etikett
Man klebt sich‘s auf und findet’s nett.
Behandelt Lehrer, als wär‘n auch sie nur hohl
Verstünden nichts von ihr’m Geschäft
Und machen’s keinem richtig recht.
Jeder sorge sich ums eigne Wohl
So bleibt es in den Köpfen wirklich hohl.

Geht’s nur darum, dass er sein Abi schafft
Dann hat er’s wirklich nicht gerafft.
Dass aus Wissen Können wird
Dafür braucht es Übung und die Zeit
Lehrer, die stehen dafür auch bereit
Nicht durch die Verwaltung maltraitiert
Wo man weiß, dass es eh nichts wird.

Ehrlich sollte man sich zugestehn
Mit dieser Haltung wir es nicht weiter gehen
Schafft doch die Lehrer endlich ab
Lasst die Kinder doch allein zuhaus
für Bildung gäben wir dann nichts mehr aus
Viel Geld und Ärger wäre uns erspart
In diesem unserm Bildungsstaat.

Dann könnte eine doch in Blankenese bleiben…
Und der andere in der Wirtschaft sich die Zeit vertreiben…

Schwab 20/02