Es soll werden, wie es vorher war

Probleme lösen stets verschoben
Kann sein, ein anderer ist bereit…
Erlöst uns gar von ganz weit oben!
Es wird schon werden mit der Zeit!

Es soll werden, wie es vorher war…

Es soll doch werden, wie es vorher war!
Dahin zurück, bevor die Krise kam
Zum Leben, das uns schien so klar
Wo alles seinen Lauf schon nahm!

Als dunkle Wolken sich verzogen
Die Tage hellten stets sich wieder auf
Der Ärger, Schmerz und Leid verflogen
Ging am neuen Tag die Sonne auf.

Stets hoffend auf die Blumenwiese
Die trotz der Dürre neu erblüht
Der Meinung, Gutes Schlechtes überwiege
Bescheiden man sich selbst genügt.

Es wird nicht werden, wie es vorher war
Es war die Zeit aus der die Krise kam
Die Zeit, die diese Krise uns gebar
In der sie ihren Ausgang nahm.

Wir hofften, könnten weiter leben
Wenn wir um uns selber kümmern
Die and‘ren würden‘s schon bewegen
Derweil wir uns ins Trockne bringen.

Probleme lösen stets verschoben
Kann sein, ein anderer ist bereit…
Erlöst uns gar von ganz weit oben!
Es wird schon werden mit der Zeit!

Wie sollt‘s denn werden, wie es vorher war?
Beim großen Spiel, da haben wir verzockt
Ein neues Blatt ist nicht mehr da
Das haben wir uns eingebrockt.

Ging‘s in die alte Zeit zurück
Wir hätten wieder nichts gelernt
Wir spielten weiter auf gut Glück
Von einer neuen Krise kaumentfernt

Wie wär’s, wir würden heftig überlegen
Wie der Platz für alle reicht
Wie wir uns den Raum zum Leben geben
Der Eigensinn doch zum Gemeinsinn reift.

Wie soll’s den werden, wenn das Nachher ist?
Begrüßen wir gemeinsam eine neue Zeit?
Und legen Ausgedientes auf den Mist?
Die Zukunft für uns greifbar bleibt!

Wenn danach ein gutes Leben
Wieder nicht für alle reicht
Kann man sich zufrieden geben…
Oder dafür sorgen, dass es nicht so bleibt.

Es lohnt sich schon zu überlegen
Wie eine bessre Zeit auch reift
Rezepte für das bessere Leben
Werden ohne Beitrag nicht verteilt.

2021/02

Endlich wieder tanzen!

Wir werden nicht vor Leuten ducken,
Die auf Vernunft nur spucken,
Händler mit der Angst im Überfluss,
Unanständig bis zum Überdruss
Wir kennen die Distanz, die sein muss.

Wir wollen endlich wieder tanzen.
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben
Oh, nein, nein, nein, nein, nein.
Wir wollen endlich wieder tanzen,
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden  leben

Frei wie die Vögel weiterziehen
Nie wirklich weise, nie sich fügen
An keinen Treueschwur gebunden
Nicht schweigen in den Morgenstunden
Zum Reden haben wir uns eingefunden

Wenn abends übern Fersehapparat
Der gute König zu uns sprach,
Das Urteil uns verkündet hat,
Respektieren wir‘s auf keinen Fall
Doch mit Eleganz auf jeden Fall.

Wir wollen endlich wieder tanzen.
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben
Oh, nein, nein, nein, nein, nein.
Wir wollen endlich wieder  tanzen,
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben

Im Bus, der Metro und im Supermarkt,
Selbstbescheinigt man nur dorthin darf
Jeden Blödsinn gibt’s nur auf Rezept.
Aber wehe dem, der selber denkt.
Wehe dem, der aus der Reihe tanzt

Diese starre Obrigkeit,
Dieser Hang zur Sicherheit,
Vertrauen kann man ihr nicht schenken
Wo sie doch nur daran denken
Unsere Freiheit einzuschränken

Wir werden nicht vor Leuten ducken,
Die auf Vernunft nur spucken,
Händler mit der Angst im Überfluss,
Unanständig bis zum Überdruss
Wir kennen die Distanz, die sein muss

Die unsrer Gesundheit wirklich nützt,
unsre Psyche, Umwelt und Soziales schützt
Unser Lächeln und die Intelligenz,
Ohne Widerstand, und Präsenz
Werden wir nur Instrumente der Demenz

Wir wollen endlich wieder weiter tanzen.
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben
Oh, nein, nein, nein, nein, nein.
Wir wollen endlich wieder weiter tanzen,
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben.

Nach dem Text von HK et les Saltimbanks 21/12  –  Comp. Calogero 2015 – Danser Encore


Link zum offiziellen Youtube-Video

Und der Flashmob im Pariser Gare de l’est

Schule schafft

„Des Morgens hat er recht und mittags frei…“
Weiß der Volksmund – denkt sich nichts dabei.
Wenn‘s um Schule und die Lehrer geht;
Redet jeder mit und fühlt sich kompetent
Weil er diese Anstalt auch von innen kennt.
Und seine Vorurteile mit sich trägt.
Von halbverdautem Wissen angeregt.

Dem Staat die Schulen kosten doch nur Geld
Auch Lehrer werden dafür eingestellt.
Für die Bildung sollen sie nicht ruhn
Ist doch deren Profession, ihr Job
So wissen‘s alle – aber nur ganz grob
Für uns‘re Kinder sollen sie was tun.
Und sollen nachmittags bestimmt nicht ruhn

Jedoch, dass Wissen meist nicht reicht
Das vergessen viele nach der Schule leicht
Gelernt ist, wenn man‘s wirklich kann.
Wer nur halbes Wissen mit herum sich trägt
Und seine Vorurteile weiter pflegt
Der bringt die Bildung sicher nicht voran
Weil man weiß, dass er nichts richtig kann.

Geht es nur darum, dass er das Abi schafft
Dann hat er’s wirklich nicht gerafft.
Dass aus seinem Wissen Können wird
Dafür braucht er Übung, dazu auch die Zeit
und die Lehrkraft, stets für ihn bereit
Ihn durch die Bildungsklippen manövriert
Und wir dann hoffen, dass aus ihm was wird.

Die Bildung bleibt oft nur als Etikett
Man klebt sich’s obendrauf und findet’s nett.
Behandelt Lehrer so, als wär’n sie hohl
Verstünden nichts von ihrm Geschäft
Und machen’s keinem wirklich immer recht.
Wenn jeder sorgt sich nur ums eigne Wohl
So bleibt es in den Köpfen wirklich hohl.

Ehrlich sollte man sich zugestehn
Mit dieser Haltung kann es so nicht weiter gehn
Schafft die Lehrer endlich wieder ab
Bildet eure Kinder selber aus
Für Bildung gäb der Staat dann nichts mehr aus
Viel Geld und Ärger würde uns erspart
Wir brauchen keinen Bildungsstaat.

Dann könnte man doch schön in Blankenese bleiben
Dort der höchren Schichten Ideal verteidgen
Jeder bleibt am angestammten Platz
Könnt’s Kommando in der Wirtschaft führn.
Anstatt als Bildungskapitän sich aufzuführen
Dann macht und lernt auch jeder, was er rafft
Der Zwang der Schule endlich abgeschafft.

Der Sprücheklopfer 21/3





Alle Macht…

Lass die Menschen glauben, streiten, diskutieren. Sie werden selbst die Kritiker, Zweifler und Dissidenten identifizieren.

Der hat die Macht, wenn das Volk auch macht, was er möchte. Denn: Alle Macht geht vom Volke aus.

Mach die Menschen glauben, was du machst lindere ihre Not, es sichere ihre Existenz. Dann kannst du all dein Tun begründen – mit der Sorge um ihre Furcht und ihre Angst.

Lass die Menschen glauben, streiten, diskutieren. Sie werden selbst die Kritiker, Zweifler und Dissidenten identifizieren. Sich von ihnen distanzieren und sie an den Pranger stellen. Sie verteidigen nur ihren Glauben – an dich und deine Allmacht, deine Notwendigkeit und die  Unersetzlichkeit deines Handelns – angstgebunden.

Lass ihnen ihre privaten Räume. Zieh um sie vielleicht auch Zäune – nur zu ihrem Schutz! Sie werden zu Wächtern dieser Zäune – weil sie glauben, dass es ihnen nutzt!

Sage ihnen, was sie bedroht, halt sie in der Angst und Not. Lass sie ihr kleines Reich schon selbst beschützen. Dabei wirst du sie unterstützen – um dein eigenes Werk zu verrichten.

Denn alle Macht geht vom Volke aus. Im Kleinen wie im Großen.

Schwab 20/10

Trübe Zeit im November

Ein Lüftchen durch das Leben zog
Entlüftung kaum auf einen Stoß
Der Luftzug hat uns nicht erfrischt
Es war die kleine Ahnung bloß
von dem was wär‘, wenn’s wirklich ist.

Trübe Zeit im November

Kurz stand das Fenster wieder offen
Häppchen von Kunst warn zu erhoffen
Mit Abstand zu wenig, mehr gab es nicht
Das Fenster wird erneut geschlossen
Man macht das Fenster wieder dicht.

Ein Lüftchen durch das Leben zog
Entlüftung kaum auf einen Stoß
Der Luftzug hat uns nicht erfrischt
Es war die kleine Ahnung bloß
von dem was wär‘, wenn’s wirklich ist.

Wenn die Kunst auch nicht als Nahrung zählt
Fürs Leben man sie nicht wichtig hält
Sie nährt‘ den Künstler doch zurecht
Der sich ohne Geld alltäglich quält
Bei geschloss’nem Fenster geht’s dem Künstler schlecht.

Im November gehn wir nicht hinaus
Publikum und Künstler sind zu Haus
Beide schon vermissen sich, einer mehr als bitterlich!
Hoffen sehr sie kommen wieder raus
Bei geschloss‘nem Fenster ist nur trübes Licht.
Der Kultur geh‘n dann die Lichter aus.

Schwab 20/10

Maskenmeckern

EIN DRAMA IN DREI AKTEN

Meine Maske aber auch!
Was soll das immer noch?
Setz du doch deine auf,
Ich – für mich – brauch nicht den Stoff.

MASKENMECKERN
Ein Drama

(1) Alltag
Meine Maske aber auch!
Was soll das immer noch?
Setz du doch deine auf,
Ich – für mich – brauch nicht den Stoff.
Ich – will frei atmen.
Ich – atme ein und aus.
Ich – geh überall rein und raus.
Ob ich den Virus in mir habe
Stellt sich erst später raus.

 
(2) Szenenwechsel
Meine Fresse, der operiert meinen Bauch.
Er hat keine Maske vorm Gesicht
Dammich – was soll das aber auch!
Hab‘ doch wohl das Recht
Bei MEINER Operation,
dass er die Maske auch aufsetzt.
So weit sind wir schon!
Kann doch wohl hoffen,
Dass er MEINE Gesundheit schützt.
Der hat wohl den Arsch offen.
So einen Chirurgen will ich nicht.

 
(3) Personenwechsel
Ja mein Lieber, da liegst du nun.
Dein Blinddarm schmerzt dir in der Wampe.
Zuvor hattest DU die große Klappe.
Jetzt soll ICH dir Gutes tun.
Wie ist es, wär es nicht mein Bier,
dauernd diese blöde Maske tragen,
während ich die Bäuche operier.
Dir schlägt es heftig auf den Magen.
Mir wär das – mein Plaisir!
Schwab 2020/07

Wo der Norden endet

Wo der Norden endet
Und der Süden seinen Anfang nimmt
Ist ein Äquator, der verbindet,
Oder die Welt in Welten trennt.

WO DER NORDEN ENDET

Wo der Norden endet
Und der Süden seinen Anfang nimmt
Ist ein Äquator, der verbindet,
Oder die Welt in Welten trennt.

Den Pol im Norden gibt es nicht
Ohne sein Pendant im Süden.
Der reiche Norden wär nicht reich,
Ohne seinen armen Süden.
Die Reichen oben, wär’n nicht reich,
Teilten sie mit denen unten,
Was man gemeinsam hat erreicht.

Wo der Norden endet,
Und der Süden seinen Anfang nimmt,
Ist eine Naht, die verbindet
oder eine Grenze, die uns trennt.

Manche Orte sind Bastionen,
Die den Durchlass kontrollieren
Sie öffnen, schließen ihre Tore
Entscheiden, wer wird zurückgewiesen;
Wer darf in welche Richtung frei passieren,
Das wird so aus der Ferne schon entschieden
Wen man schützt oder vor die Tore weist.

Wer entscheidet, wo der Norden endet
Und der Süden nun beginnt.
Ob der Äquator nun verbindet
Oder die Welt in Welten trennt.

Die Trennung nutzt wohl denen
Die ihren Vorteil nur beschützen,
Die auf Kosten anderer
Die Welt für sich benützen.
….
STELLT EUCH MAL FÜR VITTE VOR:
Das Ostseehotel, wir würden’s restaurieren
zur Trutzburg, zur Bastion!
(Es steht am Süderende, wo begint der Norden)…
Oder bleibt es besser als Ruine,
Denn Grenzen gibt’s genügend schon.

Wo der Norden endet,
Und der Süden seinen Anfang nimmt,
Ist eine Naht, die verbindet
oder eine Grenze, die uns trennt.

Schwab 2020/07

Hiddensee l Gedichte Gedanken Notizen
#vitte

So oder so

Tritt daneben, trete drauf.
So ist das im Leben
Manches geht daneben.
Dennoch nimmt es seinen Lauf.

Les‘ ein Buch, les‘ es nicht…
Steht es bei den andern im Regal
Ist der Inhalt ganz egal.
Drauf sammelt sich der Staub als Schicht.

Wird ein Buch gelesen oder nicht
Der Inhalt wiegt nicht schwer.
Wichtig ist für den Verkehr:
Den Preis macht das Papiergewicht.

Tritt daneben, trete drauf.
So ist das im Leben
Manches geht daneben.
Dennoch nimmt es seinen Lauf.

…was an den Füßen, oder nicht?
Musst du im Winter raus,
Kommst du nicht ohne Socken aus.
Strümpfe sind im Winter Pflicht!

Kann so sein, muss es aber nicht.
Oft hast du die Wahl
Dann wird sie zur Qual.
Lastet auf dir als ein Gewicht.

Tritt daneben, trete drauf.
So ist das im Leben
Manches geht daneben.
Dennoch nimmt es seinen Lauf.

Zuhause essen oder außer Haus?
Wonach steht dir heut dein Sinn?
Draußen kriegst du Appetit schlechthin
Drinnen löffelst du die die Suppe aus.

Ess die Suppe, ess die Suppe nicht.
Randvoll mag er sein der Teller
Iss‘ langsam oder schneller
Bleibt ja noch das Nachgericht.

Tritt daneben, trete drauf.
So ist das im Leben
Manches geht daneben.
Dennoch nimmt es seinen Lauf.

Sollt er besser schlafen oder Sterben
Hat sich Hamlet einst gefragt.
Angesichts des Faulen im Staate Dänemark
Am Ende waren alle tot und keine Erben.

Auch Faust sinnierte „was am Ende bleibt?“
Als Teufel entpuppte sich der Pudel dann
Bot ihm zum Tausch der Seele Jugend an.
Mit Gretchen hat er sich‘s dann ganz vergeigt.

Tritt daneben, trete drauf.
So ist das im Leben
Manches geht daneben.
Dennoch nimmt es seinen Lauf.

Soll man wirklich gehen oder bleiben,
Wenn es am schönsten ist.
Wir wissen nicht was wird.
Magst du anders oder so entscheiden.

Geht voran oder trottle hinterher
Gehst du zu schnell bist du schnell allein
Gehst du zu langsam, wir es auch so sein.
Doch der Gleichschritt – fällt auch schön wer.

Tritt daneben, trete drauf.
So ist das im Leben
Manches geht daneben.
Dennoch nimmt es seinen Lauf.

Schwab 20/06

Kürbissuppe

Gedrucktes sei kein Medium,
So denken’s viele Menschen.
Auch solche mit ‘nem Studium,
Die’s besser wissen könnten.

Gedrucktes sei kein Medium,Kuerbissuppebuch01
So denken’s  viele Menschen.
Auch solche mit ‘nem Studium,
Die’s besser wissen könnten.
Bücher, Schriften und Prospekte,
Täglich aufgeschlagen, vorgelegt,
Vergessen, was man darin entdeckte,
Dass Gedrucktes uns bewegt.
Alle schönen Künste treffen sich doch hier,
Lesbar, denkbar, spürbar – von dir und mir.

Diese Kunst, sie sei von Gott gegrüßt,
So man’s in alten Schriften liest.
Liegt sie heute unter uns’rer Lupe,
Bleibt nur : „Gott grüß die Kürbissuppe!“

Die Zukunft scheint sehr ungewiss,
Rasend ändert sich die Welt.
Kommt der Drucker da noch mit,
Wenn nur das Digitale zählt ?
Die Schwarze Kunst, sie ist nicht selbstbewusst,
Als Branche, die geballtes Wissen trägt.
Mancher pflegt den bloßen Frust,
Der Blick nach vorn, von Angst geprägt.
Verdrängt das Digitale nun das Analoge?
Ist noch Platz auf der Digitalisierungswoge?

Die Kunst, die einst von Gott gegrüßt,
Für den, der Analoges liest.
Vielen ist das heute schnuppe.
Was bleibt : «Gott grüß die Kürbissuppe!“

Bist du Suppenkasper in der Digitalen Welt
Wirst du nicht wirklich satt.
Auch wenn dir das nicht gefällt,
Die andern machen dich dann platt.
Lerne Surfen auf den digitalen Wellen.
Steh aufrecht auf dem eignen Board.
Finde dich zurecht mit Matrix und Tabellen.
Suche da den angestammten Ort.
Trau dich in die digitale Flut zu stürzen,
Die Suppe mit der schwarzen Kunst zu würzen.

Da brauchst du keinen Gottesgruß,
Gehst aufrecht und auf eigenem Fuß.
Gekocht wird für die eigne Truppe.
Gelobt sei nun die Kürbissuppe!

Schwab 19/11

Beamte streiken nicht

Beamte streiken nicht!
Ist gegen ihre Pflicht.
Den Staat, den soll‘n sie tragen,
Stets treu und tief ergeben.
Keiner soll es je wagen
Seine Arbeit niederzulegen!

Der Beamte streikt doch nicht!
Er übt sich im Verzicht.
Macht, was ihm abverlangt der Staat.
Der Eid hat ihn gebunden
So gibt man ihm den Rat,
Füg dich – leck nur deine Wunden!

Dem Beamten wird es nicht vergönnt,
Dass er auf die Straße rennt,
Den Sold im Kollektiv erstreike.
Reden darf er und er darf bitten.
Mal sehen, wen er so erweiche
Ob Obrigkeit ändert ihre Sitten.

Wird er ungerecht behandelt,
Und sich seine Lage zum Üblen wandelt,
Muss er Klage vor Gericht anzetteln,
Damit er in der Hand was habe.
Das ist ein Bitten und ein Betteln.
Und dauert viele, viele Tage.

Dem Beamten bleibt das Warten.
Kein Urteil wächst im Garten.
Hat sich das Gericht verzogen,
Sein gewichtig Urteil abzuleiten,
Bis der Spruch wird abgewogen
Reichen nicht vier Jahreszeiten.

Wenn andere den Tarif erstreiken,
Beamte bei der Pflicht verbleiben.
Angestellte werden für ihn kämpfen,
Damit sich bessert auch sein Salär.
Der Beamte wird sein Mütchen dämpfen,
er wird schließlich Pensionär.

Der Beamte tut stets seine Pflicht.
Streiken tut er nicht.
Als des Staates guter Diener
erhält er Alimentation.
Hofft, der Staat geht nicht vor die Hühner,
Hofft auf die Pension.

(Schwab, 18/06)

Bemerkung: Beamtete Lehrkräfte dürfen nach deutschem Beamtenrecht – ein Relikt aus der Kaiserzeit – nicht streiken. Dieser Rechtsgrundsatz rettete sich über die Weimarer Zeit, den deutschen Faschismus hinein in die Bundesrepublik. Letztes Jahr von den beamteten Richtern des Verfassungsgerichts wurde er erneut bestätigt: Wenn einmal für eine Berufsgruppe, das Recht zu streiken ermöglicht werde, dann wäre das ein Dammbruch. So wurde das obrigkeitsstaatliche Individualrecht mit der Bindung einer Person an den inkorporierten Staat erneut gerettet.

Das Bundesverfassungsgericht hat damit trotz geltender Tarifautonomie, die laut Grundgesetz für alle abhängig Beschäftigten gilt, den Ausnahmetatbestand weiter zementiert.

Wo kämen wir denn hin, wenn sich der Staat nicht mehr auf seine „DienerInnen“ verlassen könnte, und die ihm kollektive Forderungen stellen könnten, statt individuelle Bitten zu unterbreiten?