Nicht immer

Auf vollgeschrieb’ne Bogen wirft er einen Blick
Ohne Wehmut lässt er sie zurück
Hinauszugehen drängt es Ihn
In frischer Luft zu Lüften Kopf und Hirn

Nicht immer

Auch ein Raucher raucht nicht immer
Draußen raucht er, nicht im Zimmer!
Drinnen rauchen ist ein alter Zopf
Drinnen qualmt allein der Kopf
Gedankenwelten bilden sein Revier
Gedankenwolken bringt er zu Papier
Formt und baut aus Wörtern Sätze
Zimmert ellenlange Texte

Bis er nicht mehr weiter weiß
Aus allen Poren dringt der Schweiß
Zu schwarzem Qualm verfärbt die hellen Wolken
Kein Gedanke kann im Dunkeln andern folgen

Er legt den stumpfen Griffel auf den Tisch
Und schwer vom Stuhl erhebt er sich
Auf vollgeschrieb’ne Bogen wirft er einen Blick
Ohne Wehmut lässt er sie zurück
Hinauszugehen drängt es Ihn
In frischer Luft zu Lüften Kopf und Hirn

Wer denkt, der denkt nicht immer
Drinnen dachte er – im Zimmer
Gedankensuppe lässt er nun im Topf
Frei atmen, Luft umweht den Kopf

Zu rauchen drängt es ihn in seinen Sinnen
Er raucht nur draußen, raucht nicht drinnen!
Zum Denken hat er ja sein Zimmer
Auch der Denker denkt nicht immer.

Siegbert Schwab 21/04

Der Frühling der Dichter

Was wir alles lügen müssen, dass die Dinge lügen.
Wir erfinden um mit Rosen zu betrügen…
Im Laufe eines Morgens, gar im Laufe einer Nacht

Der Frühling der Dichter

Schöne Frühlingstage habe ich im Winter zugebracht
All das Vulgäre war vollkommen weggeblasen.
Ich haucht‘ in meine Hände, auf Hintern und auf Nasen,
Keine Kumpels haben ihre Lieder dargebracht.

Der Frühling ist gekommen, im Knast ein Aufbegehren
Der Frühling mit den hundsgemeinen Düften,
Weckte mein Erstaunen, wird mir Wunderschönes lüften
Jetzt ist Zeit die Waffe in die Hand zu nehmen.

Die Frühlingszeit der Dichter ist nun überm Land
Noch ein bisschen Winter, dann kehrt er wieder.
Ein bisschen Sommer und auch Herbst und neue Lieder.
Für die Kühle haben wir die Mützen in der Hand.

Es machen alle Picknick draußen im Distrikt.
Im Grünen unverblümt wir den Geschichten glauben
Fühlen wie es ist wenn Gitarren uns das Leben rauben,
Wenn der spanische Tod vom Flamenco wird geschickt.

Was wir an Wünschen in der Langeweile brauchen.
Was wir alles lügen müssen, dass die Dinge lügen.
Wir erfinden um mit Rosen zu betrügen
Im Laufe eines Morgens, gar im Laufe einer Nacht

April, den lass ich niemals tief ins Herz hinein
Diesen ew‘gen Winter, der wie eine Trommel schlägt
Seit meiner Jungend tief in mich hineingeprägt
Er beschloss zu gehen, will ganz wo anders sein!

Nach Léo Ferré, Le printemps des poètes – Siegbert Schwab 21/04

Es soll werden, wie es vorher war

Probleme lösen stets verschoben
Kann sein, ein anderer ist bereit…
Erlöst uns gar von ganz weit oben!
Es wird schon werden mit der Zeit!

Es soll werden, wie es vorher war…

Es soll doch werden, wie es vorher war!
Dahin zurück, bevor die Krise kam
Zum Leben, das uns schien so klar
Wo alles seinen Lauf schon nahm!

Als dunkle Wolken sich verzogen
Die Tage hellten stets sich wieder auf
Der Ärger, Schmerz und Leid verflogen
Ging am neuen Tag die Sonne auf.

Stets hoffend auf die Blumenwiese
Die trotz der Dürre neu erblüht
Der Meinung, Gutes Schlechtes überwiege
Bescheiden man sich selbst genügt.

Es wird nicht werden, wie es vorher war
Es war die Zeit aus der die Krise kam
Die Zeit, die diese Krise uns gebar
In der sie ihren Ausgang nahm.

Wir hofften, könnten weiter leben
Wenn wir um uns selber kümmern
Die and‘ren würden‘s schon bewegen
Derweil wir uns ins Trockne bringen.

Probleme lösen stets verschoben
Kann sein, ein anderer ist bereit…
Erlöst uns gar von ganz weit oben!
Es wird schon werden mit der Zeit!

Wie sollt‘s denn werden, wie es vorher war?
Beim großen Spiel, da haben wir verzockt
Ein neues Blatt ist nicht mehr da
Das haben wir uns eingebrockt.

Ging‘s in die alte Zeit zurück
Wir hätten wieder nichts gelernt
Wir spielten weiter auf gut Glück
Von einer neuen Krise kaumentfernt

Wie wär’s, wir würden heftig überlegen
Wie der Platz für alle reicht
Wie wir uns den Raum zum Leben geben
Der Eigensinn doch zum Gemeinsinn reift.

Wie soll’s den werden, wenn das Nachher ist?
Begrüßen wir gemeinsam eine neue Zeit?
Und legen Ausgedientes auf den Mist?
Die Zukunft für uns greifbar bleibt!

Wenn danach ein gutes Leben
Wieder nicht für alle reicht
Kann man sich zufrieden geben…
Oder dafür sorgen, dass es nicht so bleibt.

Es lohnt sich schon zu überlegen
Wie eine bessre Zeit auch reift
Rezepte für das bessere Leben
Werden ohne Beitrag nicht verteilt.

2021/02

Endlich wieder tanzen!

Wir werden nicht vor Leuten ducken,
Die auf Vernunft nur spucken,
Händler mit der Angst im Überfluss,
Unanständig bis zum Überdruss
Wir kennen die Distanz, die sein muss.

Wir wollen endlich wieder tanzen.
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben
Oh, nein, nein, nein, nein, nein.
Wir wollen endlich wieder tanzen,
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden  leben

Frei wie die Vögel weiterziehen
Nie wirklich weise, nie sich fügen
An keinen Treueschwur gebunden
Nicht schweigen in den Morgenstunden
Zum Reden haben wir uns eingefunden

Wenn abends übern Fersehapparat
Der gute König zu uns sprach,
Das Urteil uns verkündet hat,
Respektieren wir‘s auf keinen Fall
Doch mit Eleganz auf jeden Fall.

Wir wollen endlich wieder tanzen.
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben
Oh, nein, nein, nein, nein, nein.
Wir wollen endlich wieder  tanzen,
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben

Im Bus, der Metro und im Supermarkt,
Selbstbescheinigt man nur dorthin darf
Jeden Blödsinn gibt’s nur auf Rezept.
Aber wehe dem, der selber denkt.
Wehe dem, der aus der Reihe tanzt

Diese starre Obrigkeit,
Dieser Hang zur Sicherheit,
Vertrauen kann man ihr nicht schenken
Wo sie doch nur daran denken
Unsere Freiheit einzuschränken

Wir werden nicht vor Leuten ducken,
Die auf Vernunft nur spucken,
Händler mit der Angst im Überfluss,
Unanständig bis zum Überdruss
Wir kennen die Distanz, die sein muss

Die unsrer Gesundheit wirklich nützt,
unsre Psyche, Umwelt und Soziales schützt
Unser Lächeln und die Intelligenz,
Ohne Widerstand, und Präsenz
Werden wir nur Instrumente der Demenz

Wir wollen endlich wieder weiter tanzen.
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben
Oh, nein, nein, nein, nein, nein.
Wir wollen endlich wieder weiter tanzen,
Uns umarmen, frei Gedanken pflegen,
Auf einem Teppich von Akkorden leben.

Nach dem Text von HK et les Saltimbanks 21/12  –  Comp. Calogero 2015 – Danser Encore


Link zum offiziellen Youtube-Video

Und der Flashmob im Pariser Gare de l’est

Angst

Die Angst geht um…

Die Angst geht um.
Die Furcht vorm Tod.
Ungreifbar nur,
Das wird zur Not.
Weil da Menschen sterben
Am Virus, den doch wir vererben
Sein krankes Werk zu tun.

Keiner kann ihm wirklich hindern.
Er sucht sich seinen Ort.
Kann er einen Menschen finden,
Ist er auch schon dort.

Die Angst frisst auf
Verstand und Seele.
Unfassbar nun,
Schnürt zu die Kehle.
Kontakte soll’n wir meiden
Machen uns zu Feinden.
Ob das die Angst bezwingt?

Keiner kann sie wirklich hindern
Sie sucht sich ihren Ort
Kann sie einen Menschen finden
Ist sie auch schon dort.

Die Krise ist.
Wird deklamiert.
Begreifbar nun,
Die Angst regiert!.
Pflicht ist Folge leisten,
Sollen nicht mehr selber meinen
Die Regeln stehen fest!

Keiner kann es wirklich hindern.
Es sucht sich seinen Ort.
Kann es einen Menschen finden
Ist es auch schon dort.

Ist Mut besiegt
Die Liebe weg
Und handeln nur
Wie’s festgelegt
Schlagen angstgebunden
Selber uns die Wunden
Und fragen, wer sie pflegt.

Nur wir selber können’s hindern
Dass es sucht sich seinen Ort
Respektvoll zueinanderfinden
Das wär doch mal ein Wort.

Siegbert Schwab 2021/03

Schule schafft

„Des Morgens hat er recht und mittags frei…“
Weiß der Volksmund – denkt sich nichts dabei.
Wenn‘s um Schule und die Lehrer geht;
Redet jeder mit und fühlt sich kompetent
Weil er diese Anstalt auch von innen kennt.
Und seine Vorurteile mit sich trägt.
Von halbverdautem Wissen angeregt.

Dem Staat die Schulen kosten doch nur Geld
Auch Lehrer werden dafür eingestellt.
Für die Bildung sollen sie nicht ruhn
Ist doch deren Profession, ihr Job
So wissen‘s alle – aber nur ganz grob
Für uns‘re Kinder sollen sie was tun.
Und sollen nachmittags bestimmt nicht ruhn

Jedoch, dass Wissen meist nicht reicht
Das vergessen viele nach der Schule leicht
Gelernt ist, wenn man‘s wirklich kann.
Wer nur halbes Wissen mit herum sich trägt
Und seine Vorurteile weiter pflegt
Der bringt die Bildung sicher nicht voran
Weil man weiß, dass er nichts richtig kann.

Geht es nur darum, dass er das Abi schafft
Dann hat er’s wirklich nicht gerafft.
Dass aus seinem Wissen Können wird
Dafür braucht er Übung, dazu auch die Zeit
und die Lehrkraft, stets für ihn bereit
Ihn durch die Bildungsklippen manövriert
Und wir dann hoffen, dass aus ihm was wird.

Die Bildung bleibt oft nur als Etikett
Man klebt sich’s obendrauf und findet’s nett.
Behandelt Lehrer so, als wär’n sie hohl
Verstünden nichts von ihrm Geschäft
Und machen’s keinem wirklich immer recht.
Wenn jeder sorgt sich nur ums eigne Wohl
So bleibt es in den Köpfen wirklich hohl.

Ehrlich sollte man sich zugestehn
Mit dieser Haltung kann es so nicht weiter gehn
Schafft die Lehrer endlich wieder ab
Bildet eure Kinder selber aus
Für Bildung gäb der Staat dann nichts mehr aus
Viel Geld und Ärger würde uns erspart
Wir brauchen keinen Bildungsstaat.

Dann könnte man doch schön in Blankenese bleiben
Dort der höchren Schichten Ideal verteidgen
Jeder bleibt am angestammten Platz
Könnt’s Kommando in der Wirtschaft führn.
Anstatt als Bildungskapitän sich aufzuführen
Dann macht und lernt auch jeder, was er rafft
Der Zwang der Schule endlich abgeschafft.

Der Sprücheklopfer 21/3





Der Frühling und sein Duft

Draußen schon die Knospen sprießen.
Drinnen sitzen magst du nicht.
Raus in‘ Wald und auf die Wiesen
Die Natur dort zu genießen
Drinnen kriegst du nur die Gicht.

Brich aus – weg mit diesen Wänden
Deinen Hintern hebe auf
Sieh Forsythien leuchtend gelben.
Weiße Schwarzdornsternchen schweben…
Draußen blühst du selber auch.

Drüber ruht der blaue Himmel
Sanfte Böen mischen Luft
Zwei allein  – nicht im Gewimmel
Fühlend, hörend deine Stimme
Diesen Klang, des Frühlings Duft.

Siegbert Schwab 2020/03

Das war letztes im März – heute ist der 30. März 2021.

Kein Jahrgang wie im Jahr zuvor.

Kein Jahrgang ist so wie im Jahr zuvor.
Sagt man bei jedem guten Wein.
Kein Jahr vergeht so wie das Jahr davor,
Erkennen wir so oft im Nachhinein
Dies‘ Jahr ist ganz besonders anders.
Das Nächste zeigt sich nochmals neu.

Das Leben ändert sich
Man verändert auch sich selber.
Manchmal mehr, manchmal sehr.
Manches Mal auch nicht.

Die Gärung erst, sie bringt‘s an‘s Licht
Dunkle Beeren werden roter Wein.
Süße Trauben werden klarer Saft
Von welchem schenken sie dir ein?
Und welchen wirst du dir erlauben?
Und welchen magst du wirklich nicht?

Das Leben ändert sich
Was du machst entscheide selber.
Manchmal mehr manchmal kaum
Manches Mal auch nicht.

Die Flasche schützt den guten Wein.
Hält den Wein in sich gefangen,
Hält dicht und schließt ihn ein.
Bis wir dann nach ihm verlangen,
Den dichten Korken aus ihr ziehen
Und füllen Wein in uns‘re Gläser ein.

Gerade wenn sich’s Leben ändert
Suchen wir die guten Orte.
Manchmal mehr, manchmal sehr
Trinken dort den Wein.

Zusammen sein, bei einem Fest..
Werden dann gemeinsam trinken.
Wie Küken gut geschützt im Nest
In Süßer Stimmung ganz versinken.
Der Wein, er wird dann ausgetrunken.
Bis zum letzten Rest.

Vieles ändert sich im Leben
Achten aber stets darauf
Machmal mehr, manchmal sehr
Dass es geht bergauf

Am Berg die Trauben Stock an Stock
Wachsen an geraden Reben
Reifen durch das Laub geschützt
Sie werden wir drum pflegen
Sei dieser Berg auch noch so steil
Der Wein, er wächst doch dort!

Vieles ändert sich im Leben ,
Was uns zusammenbindet
Manchmal mehr, manchmal sehr;
Binden wir es fest.

Siegbert Schwab – 2020/12/20

Der Tod des Wolfs

Ein Versuch der Übertragung des epischen Gedichts von Alfred de Vigny (1797 – 1863), einem Schriftsteller der französischen Romantik und Zeitgenossen von Victor Hugo. De Vigny schrieb sein Gedicht in in der strengen Form von Alexandrinern.
Es wurde veröffentlicht in der Sammlung „Les destinées“, die seine schicksalsergebene, pessimistische und grundsätzlich kritische Haltung gegen Gesellschaft und Staat zum Ausdruck bringt. De Vigny stellt die Stoa als eine geistige Haltung heraus, die die Welt in ihrem Gesamtzusammenhang zu erkennen und anzuerkennen sucht und trotz der wahrnehmbaren „Weltverfallenheit“ eine Gleichwertigkeit aller Menschen und der Natur in der geistigen und ethischen-moralischen Haltung und Verantwortung des Einzelnen einfordert.

I.
Die Wolken wandern vor dem glühend roten Mond
Der schwarze Wald sich weitet bis zum Horizont
Wie aus dem Feuer ziehen Wolken weiß wie Rauch
Wir gingen, schweigend, über dichtes Heidekraut
Durch feuchte Gräser, unter nassen Zweigen,
An Tannen sich die Marken deutlich vor uns zeigen
Die Zeichen starker Krallen tief hineingekratzt
Von Rudel wilder Wölfe, denen folgt die Jagd
Da horchen wir nun auf und Schritte machen halt
Der Atem stockt wird still, über Wiese und dem Wald
Kein Hauch mehr in der Luft, der sie zum Beben bringt
Die Trauerfahne wogend, unterm Himmel schwingt
Es weht der Wind da oben, treibt die Wolken über Land
Zu Spitzen hoher Türme er kaum hinab gelangt
An Felsenwänden Eichen lehnen leicht geneigt
Wie auf den Ellenbogen schlafend sich gebeugt
Kein Laut durchbrich die Stille; als man die Köpfe senkt
Des alten Jägers Blicke suchend zum Boden sind gelenkt
Den weichen Sand betrachtend, sieht die Stelle dort
Wo keiner drückte bisher Spuren in den Ort
Die Marken nun sich zeigen -, deutlich klar uns allen –
Die Spuren ihres Zuges, Tritte mächt‘ger Krallen…
Von zweien großer Wölfe – zwei der Welpen mit dabei.
II.
(…) Wir gehen Schritt um Schritt und biegen Äste weg.
Und plötzlich dort im Dunklen hell das Augenpaar
Zwei vage Schemen werd‘ ich noch gewahr
Und unterm Mond sie tanzen mitten auf der Heide
Sie tun wie junge Hunde voll von heller Freude
Wenn‘s Herrchen heimkommt – sie begrüßen ihn dann froh
Ihr Tanz war fast der selbe, und das Ausseh‘n ebenso
Des Wolfes Kinder spielten – lautlos ohn‘ Geschrei –
Wohl wissend halb nur schlafend, Schritte neben bei
Der Mensch in seinem Mauern, drohend als ihr Feind
Der Wolf am großen Baum er wachend steht
Die Wölfin ruhend marmorgleich in Rom verehrt
Als Mutter Kinder nährend an behaarten Flanken
Wo Remus dort und Romulus an Zitzen tranken
Der Wolf erkennt und stellt sich aufrecht vor uns hin
Die Krallen fest und tief in Sand gegraben sind
Er sieht sich nun verloren, wurde überrascht
Kein Rückzug keine Wege sind mehr frei gemacht
Dann packt sein brennend Maul, die scharfen Zähne
Den ersten Hund und schlitzt ihm auf die Kehle
Die Kiefer lassen nicht mehr locker, halten fest
Und trotz der Schüsse in sein Fleisch und tief verletzt
(…) Der Hund starb lang vor ihm und rollt vor seine Füße.
Nun lässt der Wolf ihn liegen, richtet seinen Blick
Auf vorgehalt’ne Messer hebend sich zum Stich ,
(..) Noch einmal schaut er auf dann fällt zurück sein Kopf
Er leckt sein rotes Blut, das aus dem Maul ihm tropft
Und ohne zu ergründen, wie’s gekommen sei
Erlischt sein Blick und stirbt er ohne einen Schrei
III.
Gestüzt auf mein Gewehr, das ohne Pulver ist
Gedanken muss ich fassen – in mir’s heftig frisst –
Bei uns‘rer Jagd im Wald nach diesen wilden Tieren
Erfasst mich der Gedanke, konnt‘ ihn nicht verlieren:
Die schöne, dunkle Witwe, seine beiden Jungen
Sie haben ihm die große Prüfung aufgezwungen
Es war doch seine Bürde diesen Kampf zu wagen?
Damit sie später lernten Hunger zu ertragen
Anstelle in den Dörfen, Teil des Pakts zu werden
Für Menschen unterwürfig schützend deren Herden
Der Menschen Gut bewachen, dort für sie zu jagen
Wo einstmals ihr Besitz doch Wald und Felsen waren
(…) Ach Weh! Die Überheblichkeit des Menschen
Beschämt erkenn ich unsres Wissens trübe Grenzen
Wie können wir das Leben, seine Übel leugnen
Denn Ihr die schönen Tiere seid doch dessen Zeugen!
Vergaßen dass wir kamen aus der Erde Schoß
Die Stille nur ist groß, der Rest ist Schwäche bloß
Ich habe dich verstanden, freies wildes Tier
Denn deine letzten Blicke trafen‘s Herz bei mir!
Sie deutlich sagten: „Willst du deine Seele zeigen
So sollen Eifer, Neugier und Gedanken bleiben
In hohem Maß erhalte stoisch deinen Stolz…
Im Wald und frei geboren kerbt man dir ins Holz
Das Jammern, weinen, beten ist kaum mehr als feig.
Was Du erkannt als deine Pflicht, energisch sei verfolgt
Ereilt dich dann dein Schicksal, dass der Tod dich holt,
So mache wie ich’s tat und leide, stirb und schweig.

Alfred de VIGNY – Übertragung Siegbert Schwab 2021/03

Es ist kalt

Hass ist deines Herzens Winter.
Mitleid zeige, sei ganz unverzagt.
Behalte bei dein Siegerlächeln;
Aus dem Sturm der Regenbogen ragt.

Es ist kalt*

Der Winter hartes Pflaster weißt.
Die Zeit die Jugend nahm zur Beute.
Der Kuss in süße Hände beißt;
Der Hass verweht dir deine Freude.   

Schnee bedeckt den dunklen Graben.
Licht nur fahl darüber schimmert.
Schließ die Türe vor den Raben!
Schließ die Fenster vor dem Himmel!

Dein Herz, es bleibe weiter offen!
Dein Herz, es ist die heil‘ge Pforte.
Verdeckt auch Nebel uns die Sonne;
Hindurch gelangen Trostes Worte.

Das Glück bezweifelt, gift’ge Saat;
Menschen sich dem Neid ergeben.
Zweifeln tief an Priestern, Staat.
Glaub an tiefe Liebe – Leben!

Glaub an Liebe, immer ganz!
Liebe leuchtet aus der Ferne.
Liebe, wie im Feuertanz!
Liebe unterm Licht der Sterne!

Liebe und verzweifele nicht.
Deine Seele hält den Schatz.
Wo man tröstend Sätze spricht,
Alles findet seinem Platz.

Freundschaft ohne Langeweile,
Selbst mit dir im Frieden stehe,
Nachsicht für die andren teile,
Schwamm verwische alte Fehler.

Die Gedanken halte fest,
Lass nichts fallen. nichts zurück.
Brenn der Liebe helles Licht.
Lass erleuchten unser Glück.

Dem Dämon bittrer Feindschaft
Entbiete deine heitre Süße.
Die Gnade zieht aus dem die Kraft,
Was Hass dir warf vor deine Füße.

Hass ist deines Herzens Winter.
Mitleid zeige, sei ganz unverzagt.
Behalte bei dein Siegerlächeln;
Aus dem Sturm der Regenbogen ragt.

Bewahre immer deine Liebe.
Auch winters leuchtet jeder Stern.
Kein Gott entfernt ihn je vom Himmel;
Halte nichts von deiner Seele fern.

(20/11 Siegbert Schwab aus dem Französischen nach
Victor Hugo: Il fait froit)


(*) 3. Version – So ein Text entwickelt sich. Er springt einen an, lässt einen nicht mehr los. Man liest und findet sich rein. Entdeckt die „unrunden“ Stellen, feilt an Wörtern und Rhythmus; meint, dass könnte doch besser sein!