Es ist kalt

Hass ist deines Herzens Winter.
Mitleid zeige, sei ganz unverzagt.
Behalte bei dein Siegerlächeln;
Aus dem Sturm der Regenbogen ragt.

Es ist kalt*

Der Winter hartes Pflaster weißt.
Die Zeit die Jugend nahm zur Beute.
Der Kuss in süße Hände beißt;
Der Hass verweht dir deine Freude.   

Schnee bedeckt den dunklen Graben.
Licht nur fahl darüber schimmert.
Schließ die Türe vor den Raben!
Schließ die Fenster vor dem Himmel!

Dein Herz, es bleibe weiter offen!
Dein Herz, es ist die heil‘ge Pforte.
Verdeckt auch Nebel uns die Sonne;
Hindurch gelangen Trostes Worte.

Das Glück bezweifelt, gift’ge Saat;
Menschen sich dem Neid ergeben.
Zweifeln tief an Priestern, Staat.
Glaub an tiefe Liebe – Leben!

Glaub an Liebe, immer ganz!
Liebe leuchtet aus der Ferne.
Liebe, wie im Feuertanz!
Liebe unterm Licht der Sterne!

Liebe und verzweifele nicht.
Deine Seele hält den Schatz.
Wo man tröstend Sätze spricht,
Alles findet seinem Platz.

Freundschaft ohne Langeweile,
Selbst mit dir im Frieden stehe,
Nachsicht für die andren teile,
Schwamm verwische alte Fehler.

Die Gedanken halte fest,
Lass nichts fallen. nichts zurück.
Brenn der Liebe helles Licht.
Lass erleuchten unser Glück.

Dem Dämon bittrer Feindschaft
Entbiete deine heitre Süße.
Die Gnade zieht aus dem die Kraft,
Was Hass dir warf vor deine Füße.

Hass ist deines Herzens Winter.
Mitleid zeige, sei ganz unverzagt.
Behalte bei dein Siegerlächeln;
Aus dem Sturm der Regenbogen ragt.

Bewahre immer deine Liebe.
Auch winters leuchtet jeder Stern.
Kein Gott entfernt ihn je vom Himmel;
Halte nichts von deiner Seele fern.

(20/11 Siegbert Schwab aus dem Französischen nach
Victor Hugo: Il fait froit)


(*) 3. Version – So ein Text entwickelt sich. Er springt einen an, lässt einen nicht mehr los. Man liest und findet sich rein. Entdeckt die „unrunden“ Stellen, feilt an Wörtern und Rhythmus; meint, dass könnte doch besser sein!

 

Trübe Zeit im November

Ein Lüftchen durch das Leben zog
Entlüftung kaum auf einen Stoß
Der Luftzug hat uns nicht erfrischt
Es war die kleine Ahnung bloß
von dem was wär‘, wenn’s wirklich ist.

Trübe Zeit im November

Kurz stand das Fenster wieder offen
Häppchen von Kunst warn zu erhoffen
Mit Abstand zu wenig, mehr gab es nicht
Das Fenster wird erneut geschlossen
Man macht das Fenster wieder dicht.

Ein Lüftchen durch das Leben zog
Entlüftung kaum auf einen Stoß
Der Luftzug hat uns nicht erfrischt
Es war die kleine Ahnung bloß
von dem was wär‘, wenn’s wirklich ist.

Wenn die Kunst auch nicht als Nahrung zählt
Fürs Leben man sie nicht wichtig hält
Sie nährt‘ den Künstler doch zurecht
Der sich ohne Geld alltäglich quält
Bei geschloss’nem Fenster geht’s dem Künstler schlecht.

Im November gehn wir nicht hinaus
Publikum und Künstler sind zu Haus
Beide schon vermissen sich, einer mehr als bitterlich!
Hoffen sehr sie kommen wieder raus
Bei geschloss‘nem Fenster ist nur trübes Licht.
Der Kultur geh‘n dann die Lichter aus.

Schwab 20/10

Wo der Norden endet

Wo der Norden endet
Und der Süden seinen Anfang nimmt
Ist ein Äquator, der verbindet,
Oder die Welt in Welten trennt.

WO DER NORDEN ENDET

Wo der Norden endet
Und der Süden seinen Anfang nimmt
Ist ein Äquator, der verbindet,
Oder die Welt in Welten trennt.

Den Pol im Norden gibt es nicht
Ohne sein Pendant im Süden.
Der reiche Norden wär nicht reich,
Ohne seinen armen Süden.
Die Reichen oben, wär’n nicht reich,
Teilten sie mit denen unten,
Was man gemeinsam hat erreicht.

Wo der Norden endet,
Und der Süden seinen Anfang nimmt,
Ist eine Naht, die verbindet
oder eine Grenze, die uns trennt.

Manche Orte sind Bastionen,
Die den Durchlass kontrollieren
Sie öffnen, schließen ihre Tore
Entscheiden, wer wird zurückgewiesen;
Wer darf in welche Richtung frei passieren,
Das wird so aus der Ferne schon entschieden
Wen man schützt oder vor die Tore weist.

Wer entscheidet, wo der Norden endet
Und der Süden nun beginnt.
Ob der Äquator nun verbindet
Oder die Welt in Welten trennt.

Die Trennung nutzt wohl denen
Die ihren Vorteil nur beschützen,
Die auf Kosten anderer
Die Welt für sich benützen.
….
STELLT EUCH MAL FÜR VITTE VOR:
Das Ostseehotel, wir würden’s restaurieren
zur Trutzburg, zur Bastion!
(Es steht am Süderende, wo begint der Norden)…
Oder bleibt es besser als Ruine,
Denn Grenzen gibt’s genügend schon.

Wo der Norden endet,
Und der Süden seinen Anfang nimmt,
Ist eine Naht, die verbindet
oder eine Grenze, die uns trennt.

Schwab 2020/07

Hiddensee l Gedichte Gedanken Notizen
#vitte

Beamte streiken nicht

Beamte streiken nicht!
Ist gegen ihre Pflicht.
Den Staat, den soll‘n sie tragen,
Stets treu und tief ergeben.
Keiner soll es je wagen
Seine Arbeit niederzulegen!

Der Beamte streikt doch nicht!
Er übt sich im Verzicht.
Macht, was ihm abverlangt der Staat.
Der Eid hat ihn gebunden
So gibt man ihm den Rat,
Füg dich – leck nur deine Wunden!

Dem Beamten wird es nicht vergönnt,
Dass er auf die Straße rennt,
Den Sold im Kollektiv erstreike.
Reden darf er und er darf bitten.
Mal sehen, wen er so erweiche
Ob Obrigkeit ändert ihre Sitten.

Wird er ungerecht behandelt,
Und sich seine Lage zum Üblen wandelt,
Muss er Klage vor Gericht anzetteln,
Damit er in der Hand was habe.
Das ist ein Bitten und ein Betteln.
Und dauert viele, viele Tage.

Dem Beamten bleibt das Warten.
Kein Urteil wächst im Garten.
Hat sich das Gericht verzogen,
Sein gewichtig Urteil abzuleiten,
Bis der Spruch wird abgewogen
Reichen nicht vier Jahreszeiten.

Wenn andere den Tarif erstreiken,
Beamte bei der Pflicht verbleiben.
Angestellte werden für ihn kämpfen,
Damit sich bessert auch sein Salär.
Der Beamte wird sein Mütchen dämpfen,
er wird schließlich Pensionär.

Der Beamte tut stets seine Pflicht.
Streiken tut er nicht.
Als des Staates guter Diener
erhält er Alimentation.
Hofft, der Staat geht nicht vor die Hühner,
Hofft auf die Pension.

(Schwab, 18/06)

Bemerkung: Beamtete Lehrkräfte dürfen nach deutschem Beamtenrecht – ein Relikt aus der Kaiserzeit – nicht streiken. Dieser Rechtsgrundsatz rettete sich über die Weimarer Zeit, den deutschen Faschismus hinein in die Bundesrepublik. Letztes Jahr von den beamteten Richtern des Verfassungsgerichts wurde er erneut bestätigt: Wenn einmal für eine Berufsgruppe, das Recht zu streiken ermöglicht werde, dann wäre das ein Dammbruch. So wurde das obrigkeitsstaatliche Individualrecht mit der Bindung einer Person an den inkorporierten Staat erneut gerettet.

Das Bundesverfassungsgericht hat damit trotz geltender Tarifautonomie, die laut Grundgesetz für alle abhängig Beschäftigten gilt, den Ausnahmetatbestand weiter zementiert.

Wo kämen wir denn hin, wenn sich der Staat nicht mehr auf seine „DienerInnen“ verlassen könnte, und die ihm kollektive Forderungen stellen könnten, statt individuelle Bitten zu unterbreiten?

 

 

Meine Meinung

Achtung!Alle meinen zu meinen , überlegt ist es oft nicht.
Man hat irgendwoher seine Meinung oder bekommt sie bewusstlos ins Hirn gesetzt. Nun ist man wer, weil man die eigene Meinung schätzt.

Man meint wunderbar streiten zu können, erhebt sich über Andersmeinende, lernt den anderen die Meinung zu verbieten und sie über den Löffel zu balbieren. Im Streit der Meinungen ist erlaubt, was den der eigenen Meinung frommt. Man befasst sich nicht mit anderen Meinungen – die wollen das doch selber nicht! Man feindet sich an, wie es kommt.

Jeder hat doch wohl das Recht auf eine eigene Meinung
– wäre ja noch mal schöner, wenn nicht! Oder?

Stimmt mal wieder, wenn auch nur zum Teil. Denn so gemeint, braucht man keine Argumente und Fakten. Stets billig gefüttert durch die Meinungsmacher. Sie formulieren, was man fühlt, glaubt, dass sie richtig liegen und folgt ihrem Stern. Glaubt dass sie alles schön richten, denn selber plagt man sich nicht gern.

Hirn und Verstand werden Nebensache – zum intellektuellen Tand. Es reicht das Kleinhirn und etwas drum rum – unterentwickelt und untrainiert. Hirnarbeit machen die anderen, man denkt was man muss und pariert.

Mit dem Hirn in der Birne, das man nicht selber füttert. Nicht Fakten und die Realität  selbst erfasst und überlegt, kein eigenes Bewusstsein, kein Menschenverstand. Ein glaubens- und meinungsgeführter Zombie handelt skrupellos und ohne Bedacht.

Wohin der Weg der Zombies führt, könnte man leicht erkennen, hat man schon zigmal gesehen. Einen Blick in die Geschichte lohnte, würde man sie nicht verdrehen.

Rennt doch Erdogan, Trump, Orban, Kurz und Strache, Macron, Bolsonaro, den Gaulands und Höckes hinterher, folgt ihrer simplen Polemik, dann seid ihr wieder wer. Fühlt euch meinungsmäßig aufgepeppt. Verschließt die Hirne vor dem, was dahintersteckt.
Wenn ihr sie zu Führern erwählt, sie umjubelt und sie bestätigt in ihrem Bild, dann machen sei weiter und gebärden sich wild.
Dumm nur, für eure Blödheit wird am Ende die Rechnung gestellt, die für alle gilt.

Siegbert Schwab 18/11

 

Schimpfen reicht nicht…

Schimpfen über Post und Bahn.
Ist gern gepflegte Aufregerei.
Kostet nichts, man macht es nebenbei.
Das ist ja alles Wahn.
Sinn hat das alles nicht.
Ist nicht auf ein Ziel gericht‘.

Die Wut, sie lässt er raus –
Alles ist ein Graus.
„Ja genau – das ist unverschämt!
Das sag ich ganz unverbrämt.“
Er will nach Haus, oder davon weg.
Alles stellt sich ihm entgegen!
Der arme Kerl fühlt sich im Dreck;
Was macht MAN nur dagegen?

Der Geschrei ist nicht wirklich adressiert.
WER soll handeln, dass WAS passiert?
Ist die Groko an Allem schuld?
Oder ist es doch das Wetter?
Sollt er haben mehr Geduld,
Dann würd‘ vielleicht so manches netter?

Als wär nichts anderes wichtiger
in dieser Welt, als SEIN Transport.
Ist beleidigt, persönlich angegriffen.
Schimpft und andere reden ihm das Wort.
So können alle schön die Luft ablassen.
Kommt Änderung? – Da muss er passen.

Ich wünsch mir anderes, das zählt im Leben.
Dass die Basis stimmt für alle,
Dafür muss der Staat was geben.
Dafür muss er raus aus der Nichtstunfalle.
Gute Bahn, Verkehr und Bildungswesen
Ist Voraussetzung – brauchen alle.

Was spräche denn dagegen,
Statt über wenig Geld zu klagen,
Beim Staat was in die Kasse käme,
Wir uns an das Geld dort wagen,
Wo die Kohle wird als Kapital gesammelt,
Eingesetzt, damit nicht die Infrastruktur vergammelt.

Entspannen würden sich die Vorurteile,
Dass es einem besser ginge,
Wenn Übel nur die Anderen ereile,
Mitmenschen man zum Nachteil zwinge.
Für gute Bildung und die Straßen gäb es Geld.
Und dafür, dass die Bahn auch pünktlich hält.

Siegbert Schwab 18/10

Wetterwendisch

Wie er sich plustert, der kleine Specht,
Hüpft von Ast zu Ast, klopft an jeden hohlen Baum.
Wendig wiegt er seinen Kopf nach rechts und links –
Wo’s passt, da fliegt er hin.
Graubraun gut getarnter Rücken, gelblich blass gesprenkelt ist der Bauch.
Ruckt sein Kopf und wippt sein Schwanz –
Er ist bereit zu jedem Tanz.
Einmal fest verbunden mit der Nahrung und dem Ast,
bald wo anders, wenn’s DORT passt.
Wenn’s ein Tier, dann ist die Haltung klar;
geht’s ums Überleben, dann passt dies Wesen
wunderbar.
Wenn’s ein Mensch, dann ist zu überlegen,
was auf dem Hals so wacklig wetterwendisch thront:
Ein hohler Windsack oder prall gefülltes Vakuum!

Swa 16/8

Ausgedampft

Heute keucht und dampft die Lok
kaum mehr.
Braucht sie doch Feuer, Dampf
und Druck,
und den Heizer, der sie füttert –
bitte sehr!
Allein der Führer reicht kaum
für den großen Ruck
Der kann nur kurbeln
und die Pfeifenstrippe zieh‘n.
Damit ist’s bei ’ner richt’gen Lok
noch lange nicht gedient!
Aber Dampfen, Rauchen ist ja heutzutag verpönt;
dass es so ist, sind wir schon gewöhnt.
Drum steht die Lok im Schuppen
Und bleibt nur was zum Gucken!
Und der Heizer, zieht an seiner Zigarette;
weilst er erzählt wie’s war, wie’s ist, was er gern hätte!
Swa 17/02

Der Klempner

Der Klempner klemmt die Dichtung untern Arm…
So wird`s dem Dichter wohlig warm.
Hat noch einer hier erkannt,
Worum es geht in diesem Land.
Dichter, Denker sollten dominieren,
Wo nun Banausen sich gerieren
Deutschem Volk wird Angst gemacht
Multikulti sei ein großer Fehler
Müsst sich beugen fremder Übermacht.
Reinkultur und dumpfes National-Geläute
Raus sollen all die fremden Leute.
Schreien all die Deutschtum-Hehler.

Denken scheint nicht angebracht.
Gerüchte, Eingebilde schür‘n den Zorn.
Was wirklich ist, wird nicht durchdacht.
Alles Fremde spieß‘ aufs Horn!
Der Menschen Liebe, der Verstand
Versinkt im modrig brauen Land.

Hier muss der Klempner her,
Der die Leitung flickt
Auf der diese Leute stehn.
Und der Dichter, muss dann seh’n,
Dass er die Köpfe schön geraderückt.
Denn es soll nicht rückwärts geh’n.

Swa 2017/09